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Was Männer und Frauen wollen : Grillgut hier, Lipgloss dort

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Der „Playboy“ wiederum kategorisiert Frauen auch anhand ihrer sportlichen Vorlieben. Die Kurzfassung: Golferinnen stehen auf Affären, Mountainbikerinnen sind treu. Wohl dem, dessen Nachbarin ein Golfset in der Garage hat (oder auch nicht). Ohne Sport ist laut „Men’s Health“ ohnehin tote Hose. Der „Playboy“ wartet mit den „Sex-Tipps der Trainer“ auf. Demzufolge macht der brasilianische Coach Luiz Felipe Scolari seinem Team in dieser Hinsicht nur eine Vorgabe: „Keine Akrobatik, das geht nicht.“

Den Ball flach halten

Lese ich die Magazine von vorne bis hinten, kommt mir der Satz eines berühmten Zeitschriftenmachers aus der Burda-Stadt Offenburg in den Sinn, der einmal sagte: Zeitschriftenmachen für Männer ist langweilig, denn die haben nur drei Themen: Autos, Sport und Frauen. Um Interieurs geht es in diesem Magazinsegment tatsächlich weniger, gesellschafts-, familien- und bildungspolitische Themen halten sich in Grenzen, die Rolle des Mannes in der Gesellschaft fehlt, dafür wird man(n) wie ein Pfingstochse ausstaffiert (Hemd, Hose, Schuhe, Uhr) und mit Tipps eingedeckt wie im Kindergarten: Tue dies nicht, lass das weg, nimm dies, iss jenes, mache zwanzig Sit-ups oder (sehr apart) Aqua-Kickboxen.

Der Mann ist ein Mängelwesen, selbstbezogen, kein Zoon politikon. Wobei die Magazine alle paar Seiten mit Anregungen aufwarten, die dem eben Dargestellten vollständig widersprechen. „Men’s Health“ berichtet über vermeintliche Vorzüge eines Gen-Tests (knapp 300 Euro). Dessen Ergebnis kann besagen: Der ganze Firlefanz nutzt nichts, wegen der genetischen Prägung.

Da lobe ich mir das im Juli 2014 einzig wahre Männermagazin - das „Kicker“- Sonderheft zur WM. Die Jungs halten den Ball flach. Und wie sagt Jogi Löw im „Playboy“ auf die Frage, ob es einen besseren Zeitpunkt gebe, als Nationaltrainer

zu gehen, als nach einem WM-Titel:

„Vielleicht nach zwei gewonnenen Titeln?“ Genau.

Michael Hanfeld

***

Wenn Frauen eins nicht brauchen, so viel steht nach dem Kopfsprung in einen Stapel Frauenzeitschriften schnell fest, dann Männer. Weder zum Schönsein noch zum Erfolgreichsein, Sexysein, Muttersein, Selbstbewusstsein, Ausgeglichensein (dazu schon mal gar nicht), Kreativsein, Erleuchtetsein, fürs perfekte Yoga, das perfekte Detox-Feeling, die perfekt dekorierte Wohnung, überhaupt das ganze perfekte Leben, das in dieser Saison betont lässig im Do-it-yourself-Style daherkommt, total vegan oder polygam, egal, zu dem aber, gemeinste aller Finten, inzwischen unbedingt gehört, die eigenen Makel zu akzeptieren - und dank Botox trotzdem sensationell auszuschauen.

Kein Wunder also, dass Lisa in „myself“ ganz locker vom Hocker ausplaudern kann: „Als sich mein Mann entschied, eine Frau zu werden, begann ein anderes Leben.“ Ach. Dass der Mann auch in diesem Sommer entschieden kein Must-have-Accessoire ist, liegt natürlich daran, dass er - so suggerieren die papiernen Surrogate von einer als Mädelsabend getarnten Powershoppingtour - niemals Ziel der Bemühungen ist, um die Frauenzeitschriften wohl bis in alle Ewigkeit kreisen: glatte Haut, glatter Hintern, tolles Haar, tolles Outfit, zehn Kilo weniger, innerer Frieden. Denn Frauen sind komplizierter.

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