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Macron würdigt einen Helden : Entsetzen weicht der Bewunderung

In der Würdigung des Polizisten Arnaud Beltrame sieht er einen ersten Sieg über den Terror: Der Philosoph Alain Finkielkraut. Bild: AFP

Emmanuel Macron würdigt einen Helden und findet klare Worte zur islamistischen Gewalt. Der Philosoph Alain Finkielkraut sieht darin einen ersten Sieg über den Terror.

          Sie hatten gemeinsam am Trauermarsch für die ermordete Jüdin Mireille Knoll teilgenommen. In ihrem Kommentar zitierte die streitbare Publizistin Elisabeth Lévy, Herausgeberin der Zeitschrift „Causeur“, ihren Mitstreiter – und regelmäßigen Autor – Alain Finkielkraut. Ihm verdanken wir die beste Definition der politischen Korrektheit: „Nicht sehen wollen, was zu sehen ist“, den Blick von der unerträglichen Wirklichkeit abwenden, der Wahrheit nicht ins Auge schauen, aus Mutlosigkeit oder irgendwelchen Rücksichten.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

          Genau diese Verweigerung macht Elisabeth Lévy in der Berichterstattung von „Le Monde“ aus. Die Zeitung hatte die Morde an Juden und die gegen Juden gerichteten Terrorangriffe, welche dem Verbrechen an Mireille Knoll vorausgegangen waren, säuberlich aufgelistet. Auch den Antisemitismus als Motiv verschwieg sie nicht. Seine Herkunft aber habe „Le Monde“ systematisch ausgeblendet: „Für ‚Le Monde‘ kommen die Antisemiten vom Mars“ – und nicht aus den Vorstädten in den Banlieues. Auch jeglicher Bezug zum Islam scheint für die Zeitung tabu zu sein.

          Ein verzweifelter Protest gegen die Gleichgültigkeit

          Der Jüdische Zentralrat hatte die Teilnahme von Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon am Trauermarsch als unerwünscht erklärt. Unter Pfiffen und Beschimpfungen mussten sie als links- und rechtsextreme „ideologische Anstifter“ des Antisemitismus den Umzug verlassen. Ähnliche Töne schlägt Elisabeth Lévy gegenüber „Le Monde“ an. Wenn es mit der Realitätsverweigerung so weitergehe, würden dereinst auch „Journalisten von Demonstrationen gegen den Antisemitismus ausgeschlossen“.

          Seit der zweiten Intifada und dem 11. September 2001, nach dem Frankreich mit seinen acht Millionen Muslimen und rund 600000 Juden zum Nebenschauplatz des Nahost-Konflikts wurde, kam es zu Anschlägen auf Synagogen und jüdische Schulen. Im vergangenen Herbst veröffentlichte Elisabeth Badinter in „L’Express“ einen Aufruf zum Handeln gegen den neuen Antisemitismus aus den Banlieues. „Lasst die Juden nicht allein“ forderte sie in einem Interview mit dieser Zeitung (F.A.Z. vom 19. Oktober 2017). Ihr Appell war ein verzweifelter Protest gegen die Gleichgültigkeit, mit der die französische Öffentlichkeit – mitten im Wahlkampf – auf die Ermordung der jüdischen Französin Sarah Halimi reagiert hatte.

          Geehrt mit einer „Hommage national“: Arnaud Beltrame

          Er sollte nicht folgenlos bleiben: Am Schweigemarsch für die Ende März ermordete 85 Jahre alte Mireille Knoll, die 1942 im besetzten Paris der großen Judenrazzia entkommen konnte und später einen Auschwitz-Überlebenden heiratete, nahmen zahlreiche Intellektuelle und Politiker teil. Mireille Knoll wurde wie Sarah Halimi und vor ein paar Jahren Ilan Halimi gefoltert und ermordet, weil sie jüdisch war und die Täter davon ausgingen, dass bei den Opfern viel Geld zu finden sei. Am gleichen Tag, an dem Mireille Knoll in Paris mit elf Messerstichen getötet und ihre Sozialbauwohnung in Brand gesteckt wurde, kam es in Südfrankreich zum schlimmsten Attentat seit der Wahl von Emmanuel Macron. Bei der Geiselnahme im Supermarkt gab sich der Polizist Arnaud Beltrame in die Gewalt der Entführer, er erreichte damit die Freilassung einer Frau. Als er dann versuchte, den Terroristen zu überwältigen, wurde er von diesem tödlich mit einem Messer verletzt.

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