https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/macron-wuerdigt-einen-helden-entsetzen-weicht-der-bewunderung-15528141.html

Macron würdigt einen Helden : Entsetzen weicht der Bewunderung

In der Würdigung des Polizisten Arnaud Beltrame sieht er einen ersten Sieg über den Terror: Der Philosoph Alain Finkielkraut. Bild: AFP

Emmanuel Macron würdigt einen Helden und findet klare Worte zur islamistischen Gewalt. Der Philosoph Alain Finkielkraut sieht darin einen ersten Sieg über den Terror.

          4 Min.

          Sie hatten gemeinsam am Trauermarsch für die ermordete Jüdin Mireille Knoll teilgenommen. In ihrem Kommentar zitierte die streitbare Publizistin Elisabeth Lévy, Herausgeberin der Zeitschrift „Causeur“, ihren Mitstreiter – und regelmäßigen Autor – Alain Finkielkraut. Ihm verdanken wir die beste Definition der politischen Korrektheit: „Nicht sehen wollen, was zu sehen ist“, den Blick von der unerträglichen Wirklichkeit abwenden, der Wahrheit nicht ins Auge schauen, aus Mutlosigkeit oder irgendwelchen Rücksichten.

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

          Genau diese Verweigerung macht Elisabeth Lévy in der Berichterstattung von „Le Monde“ aus. Die Zeitung hatte die Morde an Juden und die gegen Juden gerichteten Terrorangriffe, welche dem Verbrechen an Mireille Knoll vorausgegangen waren, säuberlich aufgelistet. Auch den Antisemitismus als Motiv verschwieg sie nicht. Seine Herkunft aber habe „Le Monde“ systematisch ausgeblendet: „Für ‚Le Monde‘ kommen die Antisemiten vom Mars“ – und nicht aus den Vorstädten in den Banlieues. Auch jeglicher Bezug zum Islam scheint für die Zeitung tabu zu sein.

          Ein verzweifelter Protest gegen die Gleichgültigkeit

          Der Jüdische Zentralrat hatte die Teilnahme von Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon am Trauermarsch als unerwünscht erklärt. Unter Pfiffen und Beschimpfungen mussten sie als links- und rechtsextreme „ideologische Anstifter“ des Antisemitismus den Umzug verlassen. Ähnliche Töne schlägt Elisabeth Lévy gegenüber „Le Monde“ an. Wenn es mit der Realitätsverweigerung so weitergehe, würden dereinst auch „Journalisten von Demonstrationen gegen den Antisemitismus ausgeschlossen“.

          Seit der zweiten Intifada und dem 11. September 2001, nach dem Frankreich mit seinen acht Millionen Muslimen und rund 600000 Juden zum Nebenschauplatz des Nahost-Konflikts wurde, kam es zu Anschlägen auf Synagogen und jüdische Schulen. Im vergangenen Herbst veröffentlichte Elisabeth Badinter in „L’Express“ einen Aufruf zum Handeln gegen den neuen Antisemitismus aus den Banlieues. „Lasst die Juden nicht allein“ forderte sie in einem Interview mit dieser Zeitung (F.A.Z. vom 19. Oktober 2017). Ihr Appell war ein verzweifelter Protest gegen die Gleichgültigkeit, mit der die französische Öffentlichkeit – mitten im Wahlkampf – auf die Ermordung der jüdischen Französin Sarah Halimi reagiert hatte.

          Geehrt mit einer „Hommage national“: Arnaud Beltrame

          Er sollte nicht folgenlos bleiben: Am Schweigemarsch für die Ende März ermordete 85 Jahre alte Mireille Knoll, die 1942 im besetzten Paris der großen Judenrazzia entkommen konnte und später einen Auschwitz-Überlebenden heiratete, nahmen zahlreiche Intellektuelle und Politiker teil. Mireille Knoll wurde wie Sarah Halimi und vor ein paar Jahren Ilan Halimi gefoltert und ermordet, weil sie jüdisch war und die Täter davon ausgingen, dass bei den Opfern viel Geld zu finden sei. Am gleichen Tag, an dem Mireille Knoll in Paris mit elf Messerstichen getötet und ihre Sozialbauwohnung in Brand gesteckt wurde, kam es in Südfrankreich zum schlimmsten Attentat seit der Wahl von Emmanuel Macron. Bei der Geiselnahme im Supermarkt gab sich der Polizist Arnaud Beltrame in die Gewalt der Entführer, er erreichte damit die Freilassung einer Frau. Als er dann versuchte, den Terroristen zu überwältigen, wurde er von diesem tödlich mit einem Messer verletzt.

          Weitere Themen

          Vor dem großen Sprung

          Auktionen in Berlin : Vor dem großen Sprung

          Beckmanns rekordverdächtiges Selbstbildnis beflügelt: Ausblick auf das Angebot moderner und zeitgenössischer Kunst in den Winterauktionen bei Grisebach in Berlin.

          Topmeldungen

          Wohin mit dem Geld? 50-Euro-Scheine und ein 20-Euro-Schein in einer Hemdtasche

          Mit Gewinn investieren : Die Krise als Anlagechance

          Der Kapitalmarkt ist durch ein tiefes Tal gegangen. Doch jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um Mut zu zeigen – und das gilt vor allem für eine Anlageklasse.

          Vor dem zweiten WM-Spiel : Keine deutsche Extrawurst

          Der DFB gibt vor dem Duell mit Spanien keine gute Figur ab und verstößt gegen eine FIFA-Regel. Der Antwort auf die Frage, ob sein Team noch zu den WM-Topfavoriten gehört, weicht der Bundestrainer aus.
          Elon Musk will Twitter zum Paradies der Meinungsfreiheit machen. Steigt damit auch der Hass?

          Wissenschaftler auf Twitter : Flucht vor Elon Musk

          Immer mehr Wissenschaftler überlegen, das Netzwerk wegen der Wild-West-Methoden von Elon Musk zu verlassen. Der Schritt wirft Fragen auf. Die Alternative ebenso.
          Kylian Mbappe von Paris Saint-Germain

          Forbes-Ranking : Das sind die Topverdiener unter den Fußballern

          In den vergangenen acht Jahren standen immer Ronaldo oder Messi an der Spitze des Rankings. In dieser Saison verdient jedoch Kylian Mbappé am meisten. Unter die Top Ten schafften es auch zwei ehemalige Bundesligaspieler.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.