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Machtkampf beim „Spiegel“ : Jetzt begehrt „Spiegel Online“ auf

Es wird noch turbulenter beim „Spiegel“: Die Online-Redakteure legen sich mit Ihren Print-Kollegen an. Bild: dpa

Wer dachte, mit dem Abgang des Chefredakteurs Wolfgang Büchner und des Geschäftsführers Ove Saffe sei beim „Spiegel“ die Kuh vom Eis, sieht sich getäuscht. Denn jetzt legen sich die Onliner mit den Print-Kollegen an. Und zwar heftig.

          Ein „Befreiungsschlag“ soll es sein beim „Spiegel“. Doch es ist einer, der viel Porzellan zerdeppert. Der Chefredakteur Wolfgang Büchner verlässt das Haus Ende des Jahres. Der Geschäftsführer Ove Saffe bleibt noch höchstens für ein halbes Jahr – solange, bis die Gesellschafter des Verlags einen Nachfolger für ihn gefunden haben. Was sich schwierig gestalten dürfte.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Redaktion des Magazins führen „bis auf weiteres“, wie es offiziell heißt, die beiden stellvertretenden Chefredakteure Klaus Brinkbäumer und Clemens Höges. Brinkbäumer wird aber schon als künftiger Chef des Blattes gehandelt, Florian Harms als Chef von „Spiegel Online“. Die Redaktion des Magazins, die mit großer Mehrheit gegen Büchner opponiert hatte und in der Mitarbeiter KG mit 50,5 Prozent der Stimmen auch die Mehrheit unter den „Spiegel“-Gesellschaftern hält, scheint sich damit, was das Führungspersonal angeht, durchgesetzt zu haben. Doch was ist mit den Kollegen von „Spiegel Online“? Die standen stets zu Büchner, haben in der Auseinandersetzung aber lange geschwiegen. Nun begehren sie auf.

          „Gräben tiefer als je zuvor“

          Am Donnerstagnachmittag fanden viele beim „Spiegel“ Post des Betriebsrats von „Spiegel Online“ vor. Und die hat es in sich. „Die Gräben zwischen Online und Print sind tiefer als je zuvor“, ist da zu lesen. Weiter: „Das Image des Hauses in der Öffentlichkeit ist katastrophal. Der Verlag hat den dringend notwendigen Wandel nicht vollzogen. Wir fragen uns alle, wie es jetzt weiter geht. Was wird aus ,Spiegel Online‘ und ,manager magazin new media‘? Was wird aus unseren Arbeitsplätzen?“

          „Spiegel Online“, halten die Onliner den finanziell besser gestellten Kollegen des Magazins vor, habe „die Marke ,Spiegel‘ überhaupt erst in die jüngere Leserschaft transportiert. Für Digital Natives gibt es den ,Spiegel‘ nur in Form seiner digitalen Angebote.“ Die Diskussion „über die Weiterentwicklung des Digitalen“ müsse „die negative Konnotation verlieren“. Das „Knowhow aus Print und Digital“ müsse genutzt werden.

          Der neue Chefredakteur des „Spiegel“: Klaus Brinkbäumer

          Und vor allem müsse die „künftige Führung aus Heft und Online“ … „aus gleichberechtigten Mitgliedern bestehen.  Die höchst unterschiedlichen Arbeits- und Vertragsbedingungen“ müssten „angeglichen werden“. Nach wie vor bestehe „ein Gefälle bei Einkommen und Sozialleistungen innerhalb des Hauses.“ Auch von ihrem Gewinn, schreiben die „Spiegel“-Onliner, „fließen 42,5 Prozent an die Mitglieder der Mitarbeiter KG“.

          Bleibt höchstens noch bis Mitte des nächsten Jahres Geschäftsführer: Ove Saffe

          Wie es aussieht, braucht der „Spiegel“ nicht nur eine neue Führung, sondern vor allem eine Verständigung der Redaktionen untereinander. Ohne deren Zusammenwirken wird es den von dem nun abtretenden Chefredakteur Büchner vorangetriebenen digitalen „Spiegel 3.0“ schwerlich geben. Den „Spiegel 3.0“, mit dem der Verlag digitale Vertriebserlöse anstrebt, wollen angeblich alle. Doch ganz offenbar wollen beim „Spiegel“ nach wie vor nicht alle dasselbe.

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