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Machtkampf beim „Spiegel“ : Die Nachricht ist das Nachrichtenmagazin

Das Verlagsgebäude an der Hamburger Ericus-Spitze Bild: dpa

Beim „Spiegel“ ist was los: Der Chefredakteur und der Geschäftsführer sind bald weg. Doch es geht nicht bloß um die beiden. Wenn sich die Mannschaft nicht zusammenreißt, droht dem Magazin die Existenzkrise.

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          Wer das Verlagsgebäude des „Spiegel“ an der Hamburger Ericusspitze betritt, kommt in der imposanten Eingangshalle an einem Satz zwangsläufig vorbei: „Sagen, was ist“ prangt auf der Wand über dem Treppenaufgang. Das Motto stammt von Rudolf Augstein, dem Gründer des Magazins. Wie würde er wohl die Lage schildern, in der sich der „Spiegel“ augenblicklich befindet? Er würde sagen, was ist. Und das ist nicht besonders erfreulich. Im Gegenteil: Der „Spiegel“ befindet sich in einer existentiellen Krise.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In der Demission des Chefredakteurs Wolfgang Büchner, der für das gedruckte Magazin und für „Spiegel Online“ zuständig war, und des Geschäftsführers Ove Saffe findet sie ihren Ausdruck. Büchner verlässt das Haus zum Jahresende. An seine Stelle soll dem Vernehmen nach sein bisheriger Stellvertreter Klaus Brinkbäumer treten. Brinkbäumer, der als versierter Blattmacher gilt, macht das Magazin, bei „Spiegel Online“ ist Florian Harms als Chefredakteur am Ruder. Offiziell heißt es, die Print-Redaktion werde „bis auf weiteres“ von Brinkbäumer und dem zweiten stellvertretenden Chefredakteur Clemens Höges geführt.

          Der Geschäftsführer Ove Saffe soll noch ein paar Monate bleiben, längstens bis zum Sommer des nächsten Jahres. Er werde sein Amt „niederlegen“. „Im Einvernehmen mit den Gesellschaftern“ stehe er als Geschäftsführer „noch so lange zur Verfügung, bis die Nachfolge geregelt ist“. Für Saffe haben die Gesellschafter des „Spiegel“ also noch keinen Ersatz gefunden. Das dürfte auch schwerfallen, da jeder sieht, wie es einem Chefredakteur und einem Geschäftsführer in einem Verlag ergehen kann, dessen Redakteure Gesellschafter sind und über die Mitarbeiter KG mit einem Anteil von 50,5 Prozent die Stimmenmehrheit halten. Da stehen Chefs schnell auf der Kippe.

          Er geht: Wolfgang Büchner
          Er geht: Wolfgang Büchner : Bild: AP

          Schon die Suche eines Nachfolgers für den Chefredakteur Büchner gestaltete sich schwierig. Es gab Verhandlungen mit dem „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, der sein Blatt mit beachtlichem Erfolg leitet. Die Gespräche waren weit fortgeschritten, doch schließlich zog di Lorenzo zurück. Ob dafür wirklich das angeblich frostige Gespräch mit dem Minderheitsgesellschafter Jakob Augstein den Ausschlag gab, wie kolportiert wird, darf man bezweifeln. Di Lorenzo dürfte wissen, auf was er sich eingelassen hätte, und er dürfte wissen, was er an der „Zeit“ hat. Der Holtzbrinck-Verlag wiederum weiß, was er an einem Chefredakteur hat, der sein Blatt mit sicherer Hand ins digitale Zeitalter führt, das für alle Presseverlage eine Herausforderung darstellt.

          Der Plan für einen „Spiegel 3.0“, mit dem Wolfgang Büchner vor erst fünfzehn Monaten antrat, sollte eine Antwort darauf sein. Er sollte - und soll weiterhin - für digitale Erlöse sorgen, die alle Verlage angesichts sinkender Auflagen und Werbeeinnahmen im Print-Geschäft dringend benötigen. An der Notwendigkeit hat auch beim „Spiegel“ angeblich niemand Zweifel, nur das Wie ist umstritten. Büchner wollte die Ressorts des Magazins und der Online-Redaktion zusammenlegen, die Ressortchefs sollten sich für die neu zugeschnittenen Stellen bewerben. Darin sah eine große Mehrheit der Magazin-Redakteure den Versuch, unliebsame Kollegen loszuwerden. Die Ressortchefs nämlich hatten Büchner geschlossen ihren Widerstand signalisiert. Er nehme die Redaktion nicht mit und habe es versäumt, sie für den Plan zu gewinnen, hieß es allenthalben. Die Frage ist nur, ob er sie überhaupt dafür gewinnen konnte.

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