https://www.faz.net/-gqz-7b3xq

Macht im Internet : Was Qualität ist, bestimmt nur Google

  • -Aktualisiert am

Bittere Beschwerden über die NSA: Google-Konzernchef Larry Page Bild: AP

Das größte Medienunternehmen der Welt behandelt Blogger und Podcaster nach Regeln, an die es sich selbst nicht hält. Von den Nutzern unbemerkt, baut Google seine Macht über kleine Medienbetriebe aus. Auswege bieten sich kaum.

          Wäre Google, das größte Medienunternehmen der Welt, mit sich selbst so streng wie mit den kleinen Ein-Personen-Medienbetrieben, die das Internet möglich machte, müssten sich einige Google-Dienste selbst abschalten. Matt Cutts, der seit dreizehn Jahren bei Google arbeitet und heute das „Webspam Team“ führt, kündigte es in einem Youtube-Video im Juni an: Betreiber von Websites, die ihr Publikum im Unklaren darüber ließen, welche ihrer Inhalte „eigene“ und welche „bezahlte“ seien, müssten damit rechnen, im Suchindex heruntergestuft oder ganz aus ihm gelöscht zu werden. Alles, was den Anschein erregt, „Googles Qualitätsrichtlinien“ zu widersprechen, werde kritisch beobachtet oder verbannt, fuhr er fort.

          Außerdem nehme sich Google von nun an das Recht, manuell darüber zu entscheiden, welche Betreiber von Websites für welche Themen als „Autorität“ gälten und im Suchindex bevorzugt würden. Nach welchen Regeln man diese Entscheidungen treffe, bleibe ebenso geheim wie der Algorithmus, der den Google-Suchindex erzeugt und der schon immer ein gut gehütetes Geheimnis war. Auswege gibt es kaum. Wenn Matt Cutts über einer Website den Daumen senkt, taucht sie nicht nur in Googles Suche nicht mehr auf, sondern wird auch auf eine schwarze Liste gesetzt, die den Browsern „Firefox“ und „Chrome“ vorgibt, welche Websites sie mit einer Spam-Warnung zu versehen haben.

          Für Nutzer soll Googles Qualitätsoffensive ein Service sein

          Google versteht es als einen Service für die Nutzer, verdächtige Inhalte aus dem Internet zu filtern. Dass man sich gemäß den eigenen Maßstäben inzwischen selbst verdächtig verhält, interessiert das Unternehmen nicht. Google zahlt, das wurde in der vergangenen Woche bekannt, dem Anbieter des Werbeblockers „Adblock Plus“, dem Unternehmen Eyeo, Geld dafür, trotz eingeschalteter Filter Werbung auf Websites anzeigen zu können. Dass Geld fließt und in welcher Höhe, wird den Nutzern verschwiegen. Die eingegangenen Verträge seien vertraulich, ist von den Beteiligten zu vernehmen. Offenbar, vermutet das Branchenmagazin „Werben & Verkaufen“, habe sich Eyeo mit den Werbetreibern für das Eintragen auf der „Whitelist“ für „akzeptable Werbung“ auf eine Umsatzbeteiligung von dreißig Prozent geeinigt.

          Wenn auch kein Betrug dahintersteckt, weil zumindest das Notwendigste in den Tiefen der allgemeinen Geschäftsbedingungen von „Adblock Plus“ niedergeschrieben ist, so handelt es sich doch zumindest um eine Lüge: Nutzer, die einen Werbeblocker installieren, haben sich gegen Werbeeinblendungen entschieden. Selbst wenn sie in Einzelfällen nichts gegen „akzeptable Werbung“ einzuwenden hätten, wären sie wohl noch längst nicht mit dem Geschäftsmodell hinter „Adblock Plus“ einverstanden. „Adblock Plus“ verkauft nun gerade die Menschen an Werbetreibende, die sich explizit dagegen entschieden haben, in dieser Geschäftspraxis zum Produkt gemacht zu werden - und Google toleriert diese Lüge nicht nur, sondern unterstützt sie finanziell.

          Weitere Themen

          Die Chimäre

          Diskussion um Uploadfilter : Die Chimäre

          Der anhaltende Streit um den Aufregerbegriff „Uploadfilter“ zeigt vor allem eins: Wie sehr sich netzpolitische Diskussionen auch 2019 von der Realität abkoppeln können. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Attacken in Sri Lanka : Anschläge in einem gespaltenen Land

          Im buddhistischen Sri Lanka sind die Christen in der Minderheit. Am Feiertag wurden sie Opfer einer der schwersten Anschläge seit dem Ende des Bürgerkriegs vor 10 Jahren. Hat es sogar Warnungen vor den Explosionen gegeben?

          Desinformation in der Ukraine : „Ohne Rücksicht auf Verluste“

          Der Präsidentenwahlkampf in der Ukraine war durchzogen von Lügen und falschen Behauptungen. Im F.A.Z.-Interview sagt Nina Jankowicz, Expertin für Desinformation, dass sie besonders das Verhalten der beiden Kandidaten erschreckt hat.

          FAZ Plus Artikel: Proteste in Frankreich : Notre Dame und das schnelle Geld

          Einige der reichsten Franzosen finanzieren quasi über Nacht den Wiederaufbau der Kathedrale. Das passt vielen Franzosen nicht, ein „Wir“-Gefühl bleibt aus. Stattdessen heizt die Frage nach dem Geld die Gelbwesten-Proteste an.
          Führen jeweils ein Lager an: Fuest und Fratzscher.

          Fuest versus Fratzscher : Wie Politiker Ökonomen einschätzen

          In der Wirtschaftswissenschaft gibt es zwei Lager – so jedenfalls sehen das Politiker und Beamte, die sich von den Ökonomen beraten lassen. Auch wenn das vielen Wissenschaftlern nicht gefällt: Sie sollten sich dessen bewusst sein. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.