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Preis für Roberto Saviano : „Sie verkörpern diesen Mut“

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„Wir alle können kaum ermessen, welche Ängste Sie ausstehen, während Sie im Verborgenen leben müssen“: Roberto Saviano und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Potsdam. Bild: AFP

Mit dem Buch „Gomorrha“ hat Roberto Saviano enthüllt, wie weit der Arm der Mafia reicht. Seither wird er bedroht. In Potsdam bekommt Saviano nun einen Preis - und Lob von der Kanzlerin.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den italienischen Mafia-Enthüller Roberto Saviano als mutigen Kämpfer für die Pressefreiheit gewürdigt. „Wir alle können kaum ermessen, welche Ängste Sie ausstehen, während Sie im Verborgenen leben müssen“, sagte Merkel am Donnerstag in Potsdam in ihrer Rede zur Verleihung des Medienpreises M100 an Saviano. Der Kampf für die Pressefreiheit erfordere den Mut engagierter Reporter. „Und Sie, Herr Saviano, verkörpern diesen Mut“, betonte die Kanzlerin. „Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass ihr Mut eines Tages dazu führen wird, dass die Missstände, die sie beschreiben, beseitigt werden.“

          Die Bundeskanzlerin erinnerte in ihrer Rede auch an die gegenwärtigen Einschränkungen der Pressefreiheit in der Türkei. Sie nannte beispielhaft den in seiner Heimat von der Justiz verfolgten Journalisten Can Dündar. Der ehemalige Chefredakteur der Zeitung „Cumhuriyet“  saß bei der Zeremonie im Publikum. „Die Pressefreiheit verdient ihren Namen nur, wenn sie gelebt werden kann“, sagte Merkel.

          Roberto Saviano hatte vor zehn Jahren in seinem inzwischen verfilmten und als Fernsehserie produzierten Bestseller „Gomorrha“ die Machenschaften der Camorra, der neapolitanischen Ausgabe der Mafia, beschrieben. Seitdem wird er von der Mafia mit dem Tod bedroht und steht unter Polizeischutz.

          „Immer unter Beobachtung“

          Goivanni di Lorenzo, Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“, berichtete in seiner Laudatio, dass Saviano in seiner Heimat immer unter Beobachtung leben müsse. „Dass er auch noch von manchen Politikern und Prominenten als politisches Feindbild betrachtet wird, finde ich unerträglich“, sagte di Lorenzo. Der Preis trage dazu bei, es für Saviano „in seiner Heimat ein Stück sicherer zu machen“: „Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ist für ihn nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern seine Lebensversicherung.“

          „Die Preisverleihung zeigt, dass sich die Worte nicht einsperren lassen“, sagte Saviano in seiner Dankesrede. Journalisten müssten auch dem wieder aufflammenden Nationalismus entgegenwirken, sagte er. Lobende Worte fand Saviano für die Aufnahme von Hunderttausenden Flüchtlingen in Deutschland: „Das zeigt, dass es nicht nur ein Europa des Geldes, sondern auch ein Europa des Herzens gibt.“

          Verliehen wird die Auszeichnung vom Verein M100 Sanssouci Colloquium Potsdam Media International. Sie wird seit 2005 an Menschen vergeben, die „Fußspuren“ in der Welt hinterlassen. Den Preis erhielten zuvor unter anderem das französische Satiremagazin  „Charlie Hebdo“, der dänische Karikaturist Kurt Westergaard sowie der ukrainische Boxer und Politiker Witali Klitschko.

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