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Polit-Talker Louis Klamroth : Dieser Junge hat ganz schön Format

Nicht immer mit vollem Ernst: Louis Klamroth gehört zu den großen Nachwuchstalenten im Polit-Talk. Bild: Werner Schuering

Eine Politsendung für junge Menschen ohne Chichi sucht man vergebens. Louis Klamroth, Deutschlands jüngster Talkmaster, will das ändern. Er weiß, wie.

          Nicht – nein – noch nicht mal von Pappe: In einem kleinen, leeren Neuköllner Café zieht Louis Klamroth einen verschließbaren Glaszylinder aus dem Rucksack. Ob sie den Cappuccino wohl einfach da hineinfüllen könnten anstelle des obligatorischen Pappbechers? Er will Müll vermeiden. Was hält man jetzt davon? Man braucht nur einen Blick nach draußen auf die Straße zu werfen, um zu begreifen und sich dennoch zu fragen, warum einer das tut. Klamroth hat dazu eine Anekdote parat, die er an solchen Stellen stets aus dem Ärmel schüttelt: Unter dem ersten Video seiner Fernsehshow „Klamroths Konter“ mit dem CDU-Politiker Jens Spahn, das er auf Facebook veröffentlichte, schreibt ein Nutzer: „Klamroth = Gutmensch“. „Das fand ich ungeheuer lustig. War wohl als Kritik gemeint.“

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Es ist einer der ersten Kommentare, die Louis Klamroth erhält, seit er sich als junger Polittalker auf n-tv versucht. Der Kommentar hängt abfotografiert und ausgedruckt an seinem Kühlschrank in einer Wohnung in Berlin-Mitte. Eher als Bestätigung denn als Mahnung. Doch Louis Klamroth kann solche und andere Geschichten erzählen, kann „Berlin-Mitte“ sagen, ohne dass man diesen säuerlich-bitteren Geschmack des Begriffs „Gutmensch“ spürt. Man denkt: Der darf das. Weil Klamroth ein angenehmer Profi ist, was er so gut zu verbergen weiß, dass es nicht wie Koketterie wirkt.

          Wer Klamroth trifft – ein schlanker junger Mann, rotblonder Bart im schmalen Gesicht, blonder Haarschopf –, der fragt sich, wo er dieses Gesicht schon mal gesehen hat. In Sönke Wortmanns Nachkriegsfußballzauberfilm „Das Wunder von Bern“ von 2003. Darin spielte Klamroth den Sohn des verbitterten Kriegsheimkehrers Richard. Den wiederum verkörperte Peter Lohmeyer, der auch im echten Leben Klamroths Vater ist. So anstrengend, wie man denken könnte – unter Hochdruck und allgemeiner Aufmerksamkeit mit dem eigenen Vater zusammenzuarbeiten –, ist das für den damals Zwölfjährigen gar nicht gewesen. Die ewige Wiederkehr der Frage danach lächelt der gebürtige Hamburger wohlwollend weg. „In dem Fall war das ein großes Geschenk, weil Schauspiel auch viel mit Vertrauen zu tun hat und man sich öffnen können muss“, sagt Klamroth. Dabei hätten seine Eltern nicht gewollt, dass eines ihrer Kinder vor der Kamera steht – zumindest nicht, bevor es selbst die Folgen abschätzen könnte.

          „Diese Momente, in denen man so ein bisschen abhebt“

          Denn der Umstand, dass man selbst und alle anderen – Schulkameraden, Lehrer, Nachbarn und Freunde – das eigene Gesicht plötzlich so ausgestellt auf der großen Leinwand, auf Plakaten, in Zeitungen, Magazinen und im Fernsehen finden, ist für einen Zwölfjährigen nicht unbedenklich. Wie soll man in dem Alter ahnen, dass man plötzlich jemand zu sein scheint, der man noch gar nicht ist, geschweige denn je werden wollte? „Es gibt schon diese Momente, in denen man so ein bisschen abhebt“, sagt Klamroth. Doch da er mit zwei Schwestern – einer jüngeren und einer älteren – aufwuchs, sei er immer schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. Insgesamt sei das für seine Eltern aber „richtig Arbeit“ gewesen. Manche Mitschüler hatten Schwierigkeiten, mit ihm umzugehen. „Heute verstehe ich das. Da sitzt einer am Samstag auf der Couch bei ,Wetten, dass ..?‘, zusammen mit Ozzy Osbourne, und kommt am Montag dann zehn Minuten zu spät zum Mathe-Unterricht. Klar kriegst du dann als Mitschüler einen Hals.“ Seine Klasse und die engsten Freunde halten zwar zu ihm. Ansonsten ist Klamroth in dieser Zeit an seiner Schule jedoch oft außen vor. Das paradoxe Missverhältnis zwischen Ruhm und Außenseitertum setzt ihm zu. Die Schauspielerei und den damit verbundenen Rummel verfolgt er erst einmal nicht weiter.

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