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Loriot-Ausstellung in Berlin : Die Linie, die mir wichtig ist

Urszene kleinbürgerlicher Eheverhältnisse: Phasenzeichnung „Das Frühstücksei” Bild: Radio Bremen

Auf ihn kann man sich einigen: Loriot, der Grandseigneur des deutschen Humors, wird 85. Eine Woche zuvor ehrt ihn das Berliner Museum für Film und Fernsehen mit einer Ausstellung. Schmal in der Ausstattung, bietet sie dennoch genügend Gelegenheit, um sich kringelig zu lachen.

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          Vicco von Bülow, der am 12. November seinen fünfundachtzigsten Geburtstag feiert, gehört zu den ganz wenigen Zeitgenossen, mit denen ihre Mitmenschen praktisch nur Gutes verbinden; sein Werk scheint in den Rang eines Nationalheiligtums erhoben. Die Loriotsche „Universalbeliebtheit“ (Joachim Kaiser) indes überstrahlt, dass es durchaus Leute gab, die unter ihm zu leiden hatten.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zum Beispiel der kleine Reinhold. Dem hatte der Zeichner, wie er in einem Brief vom 28. November 1957 eingestand, „großen Kummer“ bereitet. Seit 1953 erzählte Loriot im „Stern“ die Abenteuer des Cartoon-Nashorns Reinhold, das sich großer Popularität erfreute; prompt wurde der Knabe Reinhold von Mitschülern zum Rhinozeros erklärt und wandte sich hilfesuchend an den „Stern“. Seine Not ließ den Nashornvater selbst zur Feder greifen: Er werde es „bestimmt einsehen“, schrieb Loriot dem unfreiwillig Gehörnten, „dass ich den Namen nicht ändern kann“, freilich gebe es ja auch viele Zootiere mit menschlichen Namen; es folgten diverse Beispiele. Doch nicht nur solcherlei Trost oder Munition zur Gegenwehr bekam Reinhold gespendet, er durfte sich zudem ein „kleines Weihnachtsgeschenk“ aussuchen, sofern es nicht zu – das Wort „zu“ ist unterstrichen – kostspielig sei.

          Karikaturisten halten Maß

          Wie viele Reinholds damals beschert wurden, ist nicht überliefert. In der Regel bedurfte Vicco von Bülow keiner materiellen Güter, um den deutschen Alltag aufzuhellen. Seine nach wie vor erstaunliche Wirkung offenbarte sich am Mittwochabend bei der Eröffnung der Ausstellung „Loriot. Die Hommage“ im Museum für Film und Fernsehen in Berlin, als er unverhoffterweise selbst auf die Bühne trat, gebrechlich zwar, doch frisch im Geiste, und das mit Fernsehgrößen von Georg Stefan Troller bis Olli Dittrich besetzte Publikum zu Lachtränen rührte. „Sind Karikaturen Kunst? Der Unterschied ist: Der bildende Künstler schneidet sich gelegentlich ein Ohr ab. Der Karikaturist nicht.“

          Sein Markenzeichen: Am Eingang, natürlich, eine livrierte Knollnase

          Loriot sinnierte darüber, dass er seiner Figur Opa Hoppenstedt immer ähnlicher werde, und lieferte eine Demonstration seiner freundlichen Autorität, als er mit einem knappen „Kommen Sie her!“ seinen früheren Mitstreiter Heinz „Lindemann“ Meier zu sich beorderte, welcher, obzwar auch schon achtundsiebzig Jahre alt, beflissen auf die Bühne hechtete. Die Hommage an Loriot ist die größte Sonderausstellung des noch jungen Hauses, das auch den Vorlass von Bülows beherbergen wird: eine große Auszeichnung für ihr Haus, wie die Museumsvertreter nicht müde wurden zu betonen.

          Konzentration aufs Wesentliche

          Es ist, doch das sagte niemand, zugleich eine beträchtliche Bürde: Welche Anmaßung, aus dem jahrzehntelangen Leben und Schaffen eines so vielseitigen Künstlers das Essentielle herausfiltern zu wollen. Und welch undankbare Aufgabe, dies in den beengten Verhältnissen des Filmhauses präsentieren zu müssen. Für die Unmenge an Material, das die Kuratoren Gerlinde Waz und Peter Paul Kubitz gesichtet haben, standen ganze drei Ausstellungsräume zur Verfügung.

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