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Löschung von Artikeln : Die Hand, die Buzzfeed füttert

Warum löscht Buzzfeed Artikel? Manchmal, so eine interne Untersuchung, ist die Werbeabteilung schuld. Bild: Screenshot

In der Vergangenheit hat Buzzfeed wiederholt Artikel gelöscht, die der hauseigenen Werbeabteilung gegen den Strich gingen. Das soll nicht mehr vorkommen. Kann man das glauben?

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          Der Katzenbildspezialist Buzzfeed bemüht sich in letzter Zeit verstärkt, im Bereich des ernstzunehmenden Journalismus zu reüssieren. Ganz holperfrei läuft das bislang nicht: Ende letzten Jahres musste man sich von der Newssite Gawker vorwerfen lassen, über tausend Artikel kommentarlos gelöscht zu haben. Im Januar gab sich Buzzfeed dann neue Leitlinien. Dazu gehört auch, die Sünden der Vergangenheit aufzuarbeiten – vor allem die Gründe, warum Artikel von der Seite gelöscht werden. In über tausend Fällen sollen es, glaubt man der am Freitag in einem firmeninternen Memo vorgestellten Untersuchung, vorwiegend redaktionelle oder technische Gründe gewesen sein.

          Andrea Diener
          Redakteurin im Feuilleton.

          Bei drei Artikeln jedoch soll Druck aus der Werbeabteilung zur Löschung geführt haben. Im Jahr 2013 wurde ein Artikel über die Deomarke Axe, die die Werbekampagne als frauenfeindlich kritisiert, auf Veranlassung des Chefredakteurs Ben Smith gelöscht. Geschrieben hat ihn Mark Duffy, der sich als „Copyranter“ mit Werbeinhalten auseinandersetzt. Die Agentur von Axe habe sich beschwert, Buzzfeed unterstelle Axe einen „Aufruf zur Massenvergewaltigung“. Tatsächlich ging die ursprüngliche Überschrift in diese Richtung, wurde jedoch später abgemildert – bevor der Artikel ganz gelöscht wurde. Dieser Post sei, so Chefredakteur Smith, vor allem deshalb von der Seite genommen worden, weil er sich „sogar außerhalb unserer damals sehr lockeren Standards“ befunden habe. Mark Duffy arbeitet inzwischen nicht mehr bei Buzzfeed. Der Hersteller von Axe, das Unternehmen Unilever, ist bis heute ein wichtiger Werbepartner.

          Das „schlechteste Spiel der Welt“

          Ein zweiter Post macht sich über den Microsoft-Browser Internet Explorer lustig. Tanner Ringerud, der Autor, war erst vor kurzem aus der Werbeabteilung in die Redaktion gewechselt, und hatte dort zuvor mit Microsoft zusammengearbeitet. Als sich der Leiter der Abteilung, die für Werbeerlöse zuständig ist, darüber beschwerte, gab Chefredakteur Ben Smith ihm recht. Künftig dürfen Mitarbeiter, die in die Redaktion wechseln, ein halbes Jahr nicht über Marken schreiben, die sie zuvor betreut haben.

          In einem dritten Post, einem Listical mit dem Titel „These Brands Are Going to Bombard Your Twitter Feed on Super Bowl Sunday“ ging es darum, welche Marken zum Superbowl besonders viel Werbung schalten werden. Pepsi war die Nummer eins. Leider produzierte die Buzzfeed-Werbeabteilung zu diesem Zeitpunkt selbst Content für den Pepsi-Twitterstream – und nicht nur dafür. Buzzfeed entwickelt die Werbung, die auf der Seite läuft, zum großen Teil selbst mit. Dadurch ist es Medium und Werbeagentur in einem. In den neuen Richtlinien ist nun vermerkt, dass Buzzfeed nicht mehr über Werbung schreibt, die aus hauseigener Produktion stammt, sondern nur noch über externe Kampagnen. Beziehungsweise nur noch dann, wenn sie besonders „newsworthy“, besonders nachrichtenträchtig sind.

          Allerdings kam es auch in jüngster Zeit erneut zu Kritik, weil Artikel wieder ohne Begründung gelöscht wurden. Die jüngsten Fälle betreffen das Brettspiel Monopoly, hergestellt von Buzzfeed-Werbepartner Hasbro, sowie die Kosmetikmarke Dove, wie Axe ein Unilever-Produkt. Bei Monopoly geht es um einen Post, in dem es als „schlechtestes Spiel der Welt“ bezeichnet wurde und Vorschläge, was man stattdessen spielen sollte, gemacht werden. Dove wurde wegen einer Kampagne als „herablassend“ kritisiert, die das weibliche Körperbild hinterfragt. In diesen Fällen, beteuert Ben Smith, habe er die Artikel ausschließlich auf eigene Verantwortung offline genommen. Er bedauert in einem Schreiben an seine Mitarbeiter, das er auch auf Twitter öffentlich machte, dass er überreagiert habe.  Beide Artikel wurden später wieder online gestellt.

          In den neuen Richtlinien verspricht Buzzfeed „eine strikte und traditionelle Trennung zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten“. Wie Buzzfeed den Spagat zwischen Werbeanbieter und Nachrichtenportal genau gestalten will, steht nicht darin.

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