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Lobbyarbeit : Googles Lehre

  • -Aktualisiert am

Der Präsident der Humboldt-Universität in Berlin, Jan-Hendrik Olbertz (links) und der Vizepräsident des Internetkonzerns Google, David C. Drummond, bei der Eröffnungsfeier Bild: dapd

So sieht gelungene Lobbyarbeit aus: Der Internetkonzern Google schenkt der Humboldt-Universität in Berlin ein Institut.

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          Die Frage, was die Humboldt-Universität in Berlin davon hat, wenn ihr der amerikanische Internetkonzern Google für viereinhalb Millionen Euro ein neues Institut schenkt, ist nicht so schwer zu beantworten: ein neues Institut. Es soll die Wechselwirkungen zwischen Internet und Gesellschaft interdisziplinär erforschen, ein Bereich, der hierzulande immer noch wie ein Lücke in der Forschungslandschaft steht.

          Dafür gibt es in Berlin nun insgesamt zehn Mitarbeiter und vier Gründungsdirektoren. Jeder von ihnen kommt aus einer der Institutionen, die an der Gründung beteiligt sind, und alle machten bei der dazugehörigen Feierstunde am Dienstag deutlich, dass die Wissenschaft frei sei, bevor sie gemeinsam zum anschließenden Stehempfang gingen, der ebenfalls von Google bezahlt war. Was eine deutsche Universität, die ein derart wichtiges Forschungsfeld ohne finanzielle Unterstützung Dritter nicht würde bestellen können, von dieser Schenkung hat, ist klar. Aber was hat eigentlich Google davon?

          Ein guter Ruf muss her

          David Drummond, der Chefjurist des Konzerns, sagte zur Feierstunde, seine Firma erhoffe sich Antworten darauf, wie das Internet unsere Gesellschaft verändere. Würde das tatsächlich stimmen, wäre es da nicht betriebswirtschaftlich sinnvoller gewesen, die entsprechenden Wissenschaftler nach Amerika zu holen, anstatt ihnen in Berlin ein Institut zu bezahlen, an dem sie auch noch forschen können, was sie wollen? Und wäre Google jemals der Konzern geworden, der im letzten Quartal 2,73 Milliarden Dollar Gewinn gemacht hat, wenn das tatsächlich stimmte?

          Womöglich geht es bei dieser großzügigen Schenkung eher nicht darum, dass Google etwas über das Internet erfährt, sondern die Leute etwas über Google erfahren. So etwas nennt sich Lobbyarbeit, und deshalb gelangte die Idee für ein solches Institut ja auch über Annette Kroeber-Riel, die sich in Deutschland um den Ruf des Konzerns kümmert, an die Universität. Nun wird ein Institut allein nicht ausreichen, die Kritik, die es vor allem hierzulande an Produkten wie Google Street View gab, aufheben zu können. Darum geht es aber auch nicht.

          Die Antwort ist ein Verweis auf das Institut

          Manche Kritik an den Zuständen erledigt sich, wenn man zeigen kann, dass es zu den Zuständen keine Alternative gibt. Ganz so, als sei Google das Internet und nicht nur eine Firma darin. Was sagte David Drummond über Alexander von Humboldt, den großen Forschungsreisenden, nach dem das Institut benannt sein wird? Er hätte seine Entdeckungen heute auf Street View gemacht.

          Wer also Google fragt, wozu es ein Institut in Berlin braucht, und diese Frage darum in die Suchmaschine eingibt, erhält statt einer Antwort nur den Verweis auf das Institut. Der wird dort auch noch stehen, wenn die dreijährige Anschubfinanzierung, die Google gewährt, ausgelaufen ist.

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