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Lisa Henson über „Dark Crystal“ : Kristallisierte Feier des Puppenhandwerks

„Der Graf von Rochester trifft Liberace“: So beschreibt der Illustrator Brian Froud seine Schöpfung, die Skekse. Bild: Netflix

Lisa Henson, Tochter des Muppet-Erfinders Jim Henson, spricht über die langerwartete Fortsetzung eines Meilensteins des gefilmten Puppentheaters „Der dunkle Kristall“, die nun als Prequel-Serie bei Netflix zu sehen ist.

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          Fiese echsenartige Herrscher, weise Mystiker, ein zerstörtes Kraftzentrum, das die Welt in Böse und Gut aufspaltet – vor allem in Böse: Das ist das Setting des Fantasyfilms „Der dunkle Kristall“, mit dem „Muppet“-Erfinder Jim Henson vor 36 Jahren seine Art des Puppenspiels auf die Kinoleinwand gebracht hat. Der kommerzielle Erfolg des Films hielt sich zunächst in Grenzen, seine Fangemeinde jedoch wuchs über die Jahre. Jetzt hat Netflix den Stoff für sich entdeckt – und Hensons Tochter Lisa mit einer Serie aus der Welt von Thra beauftragt. Wir haben sie in den legendären Londoner Pinewood-Studios getroffen.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Frau Henson, sie waren etwa achtzehn Jahre alt, als ihr Vater sich an die Arbeit zu „Der dunkle Kristall“ machte, der 1982 in die Kinos kam. Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit?

          Ich war Produktionsassistentin bei „Die große Muppet-Sause“ (The Great Muppet Caper, 1981). Die Produktionszeiträume überschnitten sich mit „Der dunkle Kristall“. „Die große Muppet-Sause“ wurde bereits gedreht, während „Der dunkle Kristall“ noch in der Vorproduktion war. Diese fand vornehmlich in der Henson-Puppenwerkstatt statt, eine alte Postsortierstation, die direkt gegenüber unseres Hauses in der Nachbarschaft von Hampstead Heath war. Mein Vater arbeitete damals vierundzwanzig Stunden am Tag. Er kam von den Dreharbeiten und verschwand sofort in der Puppenwerkstatt, um „Der dunkle Kristall“ voranzubringen.

          Noch vor „Der dunkle Kristall“ schuf ihr Vater „The Land of Gorch” für die erste Staffel der amerikanischen Comedy-Sendung „Saturday Night Life“. War sein Interesse an Fantasy und dieser Art von Welt immer schon so ausgeprägt?

          Die Figuren von „Saturday Night Life“ waren eine Art frühes Experiment, mal etwas Dunkleres mit ganz anderen Oberflächenmaterialien zu produzieren. Mit echten Federn, Schuppen und auch Farben, die natürlicher waren. Diese Arbeit führte ihn zu jener Art von Gestaltung, die später auch die Rasse der Skekse in „Der dunkle Kristall“ hervorbringen sollte. Die „Land of Gorch”-Sketche waren jedoch alles andere als erfolgreich. Sie fielen vor allem bei den Autoren durch.

          War dieses Experiment der initiale Funke von „Der dunkle Kristall“?

          Mein Vater war vor allem fasziniert von der Arbeit des englischen Fantasy-Illustrators Brian Froud. Und nachdem er ihn persönlich getroffen hatte, überzeugte er ihn, gemeinsam an „Der dunkle Kristall“ zu arbeiten. Sie probierten dann ein wenig herum, um Brians Kunst ins Dreidimensionale zu übertragen. Genauso arbeiten wir heute immer noch. Brian hat alle Figuren für die neue Serie entworfen. Wir übersetzen sie in Puppen-Designs. Sein Sohn Toby arbeitet für uns als Design-Supervisor, der zwischen Brian und Wendys (a.d.R.: Brian Frouds Frau, die ebenfalls an der Produktion beteiligt ist) Entwürfen und der Puppenwerkstatt vermittelt. Er entwickelt aber auch selbst Puppen. Es ist wirklich toll, die ganze Familie an Bord zu haben und zu sehen, wie sie zusammenarbeitet.

          Warum ist ausgerechnet jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Wiederbelebung von „Der dunkle Kristall“?

          Für mich wäre jeder Zeitpunkt der richtige gewesen. Ich habe mir über so viele Jahre mehr davon gewünscht, weil der Film damals eine so komplett neue Welt hervorgebracht hat. Man weiß, was dort in der Vergangenheit passiert ist und ahnt, was die Zukunft bereit hält. Sie bringt eine tausendjährige Geschichte mit. Der Film aber ist nur ein ganz kleiner Teil des Ganzen. Deshalb entsteht so eine gewaltiger Neugier darauf, was im Rest der Welt passiert ist, oder zu einer anderen Zeit. In der Jim-Henson-Company haben wir uns fortwährend bemüht, die Geschichten und Handlungsstränge aufzunehmen und zu erweitern. Es gab Jugendbücher und Comics. Und jene die das gelesen haben, haben nun eine Ahnung, was in der Serie passieren könnte.

          Warum hat es so lange gedauert, das Projekt wiederzubeleben?

          Es ist ein großes Unterfangen, eine solche Produktion zu stemmen, die ausschließlich mit Puppen arbeitet. So etwas ist extrem selten geworden. Schon beim ersten Film erschien das vielen zu riskant. Und heute besteht dieses Risiko mehr denn je. Netflix war zu diesem Zeitpunkt die einzige Produktionsfirma, die sich traute, das Risiko einzugehen. Wir waren völlig aus dem Häuschen, dass die sich auf eine Puppenproduktion dieser Größenordnung einlassen. Auf der anderen Seite gab es dieses Gefühl, dass es nun mal wieder Zeit ist für etwas Echtes, für etwas physisch Vorhandenes – nach so viel computergenerierten Gestalten. Natürlich gibt es kaum wirkliche Begrenzungen mit computergenerierten Bildern. Doch gleichzeitig verschafft es einem eine Art heimeliges Gefühl, mal wieder etwas zu sehen, das nicht nur im Virtuellen existiert. Puppen, echte Requisiten, handgemachte Sets. Es ist eine Feier des Filmhandwerks und den Menschen dahinter.

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