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Linkspartei im Fernsehen : Sie sind das Volk

Die Linke weiß, wie man sich volkstümlich gibt. Und unter falscher Flagge vor die Kameras kommt. Bild: dpa

Die Linkspartei weiß, wie man ins Fernsehen kommt. Ihre Vertreter geben sich einfach als besorgte Bürger aus. Am tollsten trieb es nun eine Kandidatin der Linken in Leipzig. Sie führte den MDR vor.

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          Die Linkspartei hat es in den vergangenen Tagen gleich zweimal getan. Sie hat sich den Ruf der unzufriedenen DDR-Bürger in diesem Bundestagswahlkampf zu eigen gemacht: „Wir sind das Volk!“ Das heißt in diesem Fall: Die Linkspartei tut so, als wäre sie das Volk. Zuerst fiel mit dieser Art der Volksvertretung eine Krankenschwester in einer Sat.1-Sendung auf. Nach dem Schaulaufen von Politikern verschiedener Parteien zeigte sie sich begeistert von der Linksparteivorsitzenden Katja Kipping. Dass sie gar nicht überzeugt werden musste, weil sie Mitglied der Partei und mit Frau Kipping bestens bekannt ist, verriet die Schwester nicht.

          Noch unverblümter ging die Linksparteikandidatin für den Bundestag im Wahlkreis Leipzig Nord, Franziska Riekewald, vor. Sie spielte im MDR-Magazin „Umschau“ eine besorgte Mutter, deren Familie die Miete über den Kopf steigt. Einen falschen Vornamen führte Frau Riekewald auch, was der MDR änderte und sich dafür entschuldigte, bevor dem Sender auf Nachfrage der F.A.Z. endlich die Dimension des Skandals aufging: Da spielt eine Politikerin eine besorgte Bürgerin, jammert vor der Kamera herum und ruft genau die Stichworte auf, die sie für ihren Wahlkampf braucht. Und der MDR macht mit!

          Ein peinlicheres Kasperle-Theater kann man sich kaum vorstellen. Aber wirklich witzig ist es nicht, wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der stets seine vermeintliche „Staatsferne“ betont, sich in dieser Weise vorführen lässt beziehungsweise zum Handlanger macht. Der MDR will nun vor der Bundestagswahl besonders auf den Hintergrund von „Protagonisten“ achten, die in Beiträgen auftauchen. Wer weiß, wie viele ihrer Leute die Linke fürs Fernsehen noch unters Volk gemischt hat.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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