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Sat.1-Komödie „Volltreffer“ : Entscheidend is auf’m Platz

Das darf doch nicht wahr sein: Viktoria (Julia Hartmann) und Philipp (Axel Stein) schwärmen erkennbar nicht für dieselbe Mannschaft. Aber das ist nicht wirklich gravierend. Bild: ProSiebenSat.1

Eine Spielervermittlerin des FC Bayern verliert ihr Gedächtnis und landet in einer BVB-Familie: In der Komödie „Volltreffer“ geht es um die große Liebe – zum Fußball und im Leben.

          Sohn Max ist untröstlich. Bei dem Schrei des Entsetzens, den er durchs Haus schickt, fällt Vater Philipp (Axel Stein), der gerade in der Küche hantiert, beinahe die Pfanne aus der Hand. Und warum? Die Bayern wollen Dortmund den nächsten Stürmer wegkaufen. Geht der Spieler Marxen wirklich nach München, nur des Geldes wegen? Kann nicht sein, versucht Philipp seine Söhne zu beruhigen: Der Junge ist ein echter Dortmunder, der lässt die „gelbe Wand“ nicht im Stich. Und doch: Der Vereinswechsel, der nicht nur für den Witwer Philipp Stochowski und seine beiden Söhne zum Heulen wäre, bahnt sich an.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Münchner Vereinsagentin Viktoria (Julia Hartmann) ist schon unterwegs, und sie ist wild entschlossen. Drei Tage hat sie Zeit bis zum Ende der Transferperiode. Sie glaubt, sie habe den Vertrag in wenigen Stunden unter Dach und Fach. Hätte sie auch, flöge ihr nicht, kaum dass sie im Stadion des BVB auf der Tribüne an Philipp und mit ihm in Streit gerät, ein Ball gegen den Kopf. Sie fällt um, und als sie aufwacht, kann sie sich an nichts mehr erinnern. Das weiß Philipp auszunutzen.

          „Das ist doch echte Liebe, oder?“

          Ist das der älteste Einfall für eine Komödie? Womöglich, und doch man kann sich die Sache auch zum hundertsten Mal ansehen, wenn es sich um eine stimmige Variante handelt. Mit der haben wir es bei dem Film „Volltreffer“ durchaus zu tun. Eine Liebeserklärung hören wir hier gleich zu Beginn, zu Bildern von Fans im Fußballstadion, die hin und weg und mitgerissen sind. „Viele sind glücklich oder traurig oder drehen einfach nur durch. Und das ist doch echte Liebe, oder? Bedingungslose Liebe“, sagt Philipp und kündigt als Beleg seine eigene Geschichte an - die Geschichte seiner Familie, zu der neben den Söhnen Max und Theo noch der demente Großvater (Tom Gerhardt), der beste Kumpel Manni (Sönke Möhring) und nun eben auch Viktoria gehören. Die allerdings heißt, als sie wieder aufwacht, Dörte, ist angeblich mit Philipp verheiratet, hat mit ihm zwei Kinder und trägt ein BVB-Trikot, wie alle anderen auch. In den Vereinsfarben ist alles gehalten - die Wäsche, das Geschirr, die Möbel. Liebesbeweise, so weit das Auge reicht.

          Der demente Großvater (Tom Gerhardt, rechts) verliert häufig die Orientierung. Philipp (Axel Stein) fängt ihn immer wieder ein.

          Halten soll die Scharade drei Tage lang - drei Tage, in denen Viktoria alias Dörte eben nicht auf die Idee kommt, sich um den Spielerwechsel zu kümmern, drei Tage voller Irrungen und Wirrungen, zu denen zählt, das Philipp das Geld, das er gerade durch den Verkauf der Metzgerei seines Schwiegervaters eingenommen hat, in eine Wette steckt: Er wettet, dass der Spieler Marxen nicht zu den Bayern geht. Verliert er die Wette, ist alles verloren - Job, Haus, Pflegestelle für den dementen Großvater.

          Wie sich das so entwickelt, kann man sich denken. Das Drehbuch von Anne-M. Keßel und Granz Henman (der auch Regie führt) schlägt ein Kapriolen-Kapitel nach dem anderen auf, doch sie übertreiben es nicht - nicht mit der Komödie und auch nicht mit der sich selbstverständlich anbahnenden Romanze. Die Schauspieler überziehen ebenfalls nicht und fangen nicht an, zu posen und zu grimassieren oder laut und lärmend eine Screwball Comedy aufzuführen. Das hätte man von Julia Hartmann vielleicht, von Axel Stein und Tom Gerhardt aber nicht unbedingt erwartet. Sie alle finden die richtige Balance. Mitunter hängt die Geschichte etwas, aber spätestens die Fußball-Klammer hält alles zusammen. Die entscheidenden Szenen spielen im Stadion. Da verliert Viktoria ihr Gedächtnis, erlangt es wieder und muss Philipp zeigen, dass es wirklich um große Gefühle geht. In den Vereinsfarben Rot und Schwarz-Gelb und vor dem Hintergrund der Konkurrenz zwischen Bayern und Ruhrpott macht sich das ganz gut. Sat1 hatte schon Komödien, die weniger ins Schwarze trafen als dieser Film mit dem Titel „Volltreffer“.

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