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Vertrauensförderung : Alexa soll jetzt mitdenken

Für jeden das passende Echo: Amazons Produktfamilie Bild: Picture-Alliance / Kyodo / MAXPPP

Der leitende Forscher von Amazon Echo erläutert, wie Alexa lernt mitzudenken. Werden dem digitalen Assistenzen seine Nutzer weiterhin vertrauen? Andersherum gefragt: Wer kann bei dieser Stimme skeptisch bleiben?

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          Gesundheitsdaten sind sensibel, so sensibel, dass an diesem Donnerstag der Bundestag mit ihrer Weitergabe nach dem Digitale-Versorgungs-Gesetz befasst sein wird. Vielleicht sind wir Deutschen mit unseren Gesundheitsdaten auch besonders sensibel. In England zumindest hat das Gesundheitsministerium Anfang Juli die Zusammenarbeit des staatlichen Gesundheitssystems NHS mit Amazon Echo bekanntgegeben, jener als „Alexa“ bekannten Wanze aus dem Hause Amazon, über die ihre Nutzer per Spracherkennung Information und Unterhaltung abrufen und ihr smartes Haus steuern können. Wer Alexa dort nach Grippe-Symptomen oder der Behandlung von Migräne fragt, bekommt Antworten vom NHS – und Amazon bekommt die Daten dieses Informationsabrufs.

          Dass Alexa künftig nicht nur antworten soll, wenn es gefragt wird, hat der leitende Forscher von Amazon Echo, Rohit Prasad, dem MIT-Magazin „Technology Review“ erläutert: Jetzt wird mitgedacht. Wenn ein Nutzer über Alexa Kinokarten bestellt, könnte das Gerät ein Restaurant für das Dinner danach vorschlagen – nebst Zeit, für die der Tisch der Filmlänge, der Entfernung zwischen Kino und Lokal und der Verkehrslage gemäß gebucht werden müsste. Wer im Wohnzimmer darum bittet, im Falle einer Flugverspätung informiert zu werden, kann künftig auch dann den gewünschten Hinweis bekommen, wenn er bereits im Auto auf dem Weg zum Flughafen ist: Das System würde seine Stimme im Auto wiedererkennen und wissen, dass die Information für ihn bestimmt ist. Alexa ist nicht nur über Computer, Smartphones oder diverse Lautsprecher mit Mikrofonen verfügbar, sondern auch über kabellose Ohrhörer und Fingerringe. Damit ihre Nutzer überall auf Alexa zugreifen können. Und damit Alexa überall auf sie zugreifen kann.

          Selbstverständlich versichert Rohit Prasad, wie sehr Amazon auf die Privatsphäre bei Alexa achtet. Wer will, soll seine Daten regelmäßig automatisch löschen lassen können. Datenschützer beklagen indes, dass Alexa-Nutzer die Datenfreigabe aktiv verhindern müssen, statt dass grundsätzlich ihre Zustimmung gefragt wäre. In diesem Monat hat Amazon übrigens begonnen, auch in Deutschland die Stimme von Alexa leicht zu verändern. Weicher und natürlicher soll sie jetzt klingen. Damit auch hierzulande das Vertrauen in sie und das dahinter verborgene System wächst, für das sie spricht. Wir sind ja so sensibel.

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