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Lehrercheck im ZDF : Setzen, Sechs

Wie schlimm ist die Situation an deutschen Schulen wirklich? Im ZDF erfährt man es nicht. Bild: dpa

Das ZDF fragt: „Wie gut sind unsere Lehrer?“. Der Zuschauer erfährt darüber am Ende fast nichts. Beobachtungen und Fragestellungen liefern nur Altbekanntes, die Produktion bleibt harmlos und wenig informativ.

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          Der Befund, mit dem der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder in die Geschichte der Bildungspolitik eingegangen ist, hallt nach. Die Lehrer in Deutschland seien „faule Säcke“, hatte er gesagt und sich mit diesem Dumpfurteil eine glatte Sechs verdient. Immerhin taugte das als Aufreger in der „Bild“, und es taugt noch heute als Stichwort für die Dokumentation, mit der das ZDF ergründen will, was an unseren Schulen wirklich los ist. Dafür haben die Autorinnen Nicola Burfeindt und Gesine Müller in zwei Schulklassen Kameras installiert und schauen für ein halbes Jahr hinter die Kulissen. „Transparenz im Klassenzimmer“ gebe es kaum, ein Experiment wie dieses sei in Deutschland „noch nie“ dagewesen, sagen sie. Und, was bringt das?

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Es bringt, um es kurz zu machen: nix. Wir sehen nur wenige Ausschnitte aus den Schulstunden, und diese sind banal: Es ist laut, alles geht durcheinander, Schüler kommen zu spät, benehmen sich daneben und folgen dem Unterricht nicht. Der Lehrerin reicht es irgendwann, dem Lehrer entgleitet die sorgsam vorbereitete Stunde. Was tun?

          Alles bekannt, kein Mehrwert

          Das wissen die Filmemacherinnen auch nicht. Die Schüler fragen sie erst gar nicht, die Lehrer schildern ihre Perspektive. Das führt nicht sehr weit, also müssen Experten her. Der Philosoph Richard David Precht zum Beispiel weiß, dass man sich didaktisches Können und Autorität nicht in der Theorie aneignen kann. Man muss es haben! Wohl gesprochen, eine Schulstunde mit Lehrer Precht stellen wir uns total spannend vor.

          Wer wird Lehrer? Wie viel arbeiten Lehrer wirklich? Sind Lehrer die Prügelknaben der Nation? Warum sind wir im Pisa-Test nur Mittelmaß? Wer bewertet die Leistungen der Lehrer? Das sind die Leitfragen, die der Film stellt. Beantwortet wird keine einzige. Manche Lehrer arbeiten dreißig, andere siebzig Stunden die Woche, die meisten holt der Burnout, auch diejenigen, die sich aufs Beamtendasein gefreut haben. Lehrer müssen heute Sozialarbeiter sein, gute Lehrer werden nicht belohnt, schlechte haben nichts zu fürchten und vernichten Schülerkarrieren - alles bekannt, wird hier alles noch einmal aufgeboten, mit einem Bildungsforscher-Patchwork, das am Ende zu gar nichts führt.

          Ein harmloser Film, der nichts zeigt

          Das liegt auch daran, dass die Filmemacherinnen dem Hinweis eines Gesprächspartners nicht nachgehen: Deutschland, sagt der ehemalige Lehrer und Buchautor Philipp Möller, sei eine „bildungspolitische Bananenrepublik“. In der jede Landesregierung macht, was sie will, bis im nächsten Jahr wieder alles revidiert wird. Das wiederum stört die mächtige Bildungsbürokratie im Zweifel gar nicht, die sich darauf verlegt hat, den Mangel zu verwalten und als Überfluss auszugeben.

          Was an deutschen Schulen wirklich los ist? Das hat im zurückliegenden Jahr die NDR-Reporterin Anja Reschke mit dem Film „Lehrer am Limit“ gezeigt. Sie war auch mit der Kamera im Klassenzimmer, allerdings nicht im Gymnasium Altona, sondern in einer Hamburger Stadtteilschule. Und ihre Befunde waren so niederschmetternd, dass die Schulbehörde den Film im Nachhinein bekämpfte. Wie es wirklich zugeht, soll das Fernsehen nämlich nicht zeigen. Ein so harmloser Film wie der im ZDF tut es auch nicht.

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