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„Lead Awards“ : Steinmeier sagt: „Journalismus zuerst“

Zeitungleser: Frank-Walter Steinmeier im Mai 2010 im Bayerischen Landtag in München Bild: Picture-Alliance

Der Außenminister spricht bei der Verleihung der „Lead Awards“ in Hamburg Klartext: Wir brauchen die Presse, aber die muss sich ums Internet und mehr um ihre Leser kümmern. Geld vom Staat für die Presse hält der SPD-Politiker für keine gute Idee.

          Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat die Bedeutung der Presse für die Demokratie hervorgehoben und sich zur schwierigen Lage vieler Verlage geäußert. Die Medien befänden sich in einem Existenzkampf, sagte Steinmeier. Sie seien wirtschaftlich herausgefordert, durch das Internet und den gestiegenen Anspruch der Leser, am Informationsgeschehen selbständig teilzuhaben. Wenn die Medien in die Krise gerieten, könne das jedoch „die demokratische Gesellschaft nicht kalt lassen“.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Sie brauche die „kritischen, fundierten, relevanten Berichte“ der Presse. Diese wiederum müsse in der Lage sein, „mit Texten und Recherchen, die durchdringen und nachwirken“, ihre Aufgabe wahrzunehmen. Nur so werde die Presse „ihrer Wächterrolle gerecht“. „Freie Medien, möglichst viele unterschiedliche freie Medien“, sagte Steinmeier, „sind die Grundlage einer stabilen Demokratie.“

          Journalisten sollten nicht „ins Räderwerk der Demokratie greifen“

          Steinmeier warnte Verlage davor, an den falschen Stellen zu sparen. Sie müssten sich „auf das Fundament ihres Erfolgs“ besinnen: „Qualität, Relevanz und Vielfalt“. Der Leitsatz müsse lauten: „Journalismus zuerst!“ Zu einer möglichen öffentlichen Finanzierung der Presse äußerte sich Steinmeier skeptisch. Das könne Politiker in Versuchung führen, Einfluss auf Berichterstattung zu nehmen.

          „Ich bin nicht pauschal gegen Förderideen, aber als Politiker möchte ich doch darauf hinweisen, dass manche Konstruktionen Politiker in einige Versuchung führen könnten, die besseren Journalisten zu sein. Und das sind wir nicht.“  Umgekehrt sollten sich Journalisten nicht als Politiker aufführen und „darauf verzichten, mit einer geschickten Kampagne mal ins Räderwerk der Demokratie zu greifen“. Politik und Journalismus sollten auf Distanz achten. „Demokratie und Medien können nur gemeinsam funktionieren, wenn die Distanz gewahrt wird.“

          Chefredakteure werden gefeuert wie Fußball-Trainer

          So sehr Steinmeier die Bedeutung des Journalismus betonte, so kritisch blickte er auf die Reaktion der Branche, es fehle an gutem „Krisenmanagement“, sagte er: „Wenn wir als Bundesregierung agieren würden wie so manches Verlagshaus, könnten wir uns jedenfalls auf einiges gefasst machen“, sagte Steinmeier. „Chefredakteure werden fast so häufig gefeuert wie Trainer in der Bundesliga, wenn der Abstieg droht.“

          Zeitungen und Zeitschriften, so Steinmeier, sollten aber vor allem ihre Leser nicht aus den Augen verlieren: „Die Leser müssen das Gefühl haben, dass sie nicht einer einzelnen Meinung ausgesetzt sind. Reicht die Vielfalt in Deutschland aus? Wenn ich morgens manchmal durch den Pressespiegel meines Hauses blättere, habe ich das Gefühl: Der Meinungskorridor war schon mal breiter. Es gibt eine erstaunliche Homogenität in deutschen Redaktionen, wenn sie Informationen gewichten und einordnen. Der Konformitätsdruck in den Köpfen der Journalisten scheint mir ziemlich hoch.“

          Die Medienwirtschaft, meinte der Außenminister schließlich, sei „keine Branche wie jede andere“. Er vertraue darauf, dass sie „die aktuellen Krisen“ meistere – die Presse, der Journalismus würden schließlich gebraucht.

          Seine Rede hielt Steinmeier an diesem Freitagabend in Hamburg anlässlich der Verleihung der von der Lead Academy vergebenen Lead Awards.

          Den vollständigen Text der pointierten Rede von Frank Walter Steinmeier, in der er auch Anspielungen auf Geschehnisse in ganz bestimmten deutschen Pressehäusern macht und verrät, welche Blätter sein Ministerium abonniert hat, lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und im E-Paper.

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