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„Le Monde“ auf Käufersuche : Was kostet die Welt?

Die Mitarbeiter im Firmensitz der „Le Monde” warten auf eine bessere Zukunft Bild: AP

Das iPad kommt, und „Le Monde“ wird verkauft: Der mögliche Zusammenschluss des französischen Blatts mit dem „Nouvel Observateur“ ist sinnvoll - und macht sogar ein wenig Hoffnung auf schwarze Zahlen.

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          Auch in Frankreich kommt heute das iPad in den Verkauf - und die Verhandlungen über den Verkauf der Zeitung „Le Monde“ gehen in die Schlussgerade. Täglich werden von der „Société des rédacteurs du Monde“ (SRM) die möglichen Käufer angehört. Der SRM gehört die Zeitung zumindest auf dem Papier noch immer. Sie wird ihre Mehrheit verlieren und hat einen Artikel veröffentlicht, in dem sie ihre Bedingungen stellt: Die Unabhängigkeit muss garantiert werden. Entlassungen sind ohnehin kaum noch möglich. Und es eilt: Ende Juni ist „Le Monde“ zahlungsunfähig, frisches Geld muss her.

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

          Nicht mehr aktuell ist die Übernahme durch die spanische El-País-Gruppe, die inzwischen amerikanische Besitzer hat. Dem Angebot von Mathieu Pigasse und Pierre Bergé werden ebenfalls kaum Chancen eingeräumt: Hinter Pigasse steht eine Bank, Bergé ist stark mit den Sozialisten verbandelt: Interessenkonflikte wären unvermeidlich. Alles deutet auf einen Kauf durch Claude Perdriel, den Besitzer des „Nouvel Observateur“. Mit ihm könnte Carlo de Benedetti (“La Repubblica“) zum Zuge kommen. „El País“ ist bereits mit fünfzehn Prozent beteiligt. Perdriel selbst will 51 Prozent und dafür siebzig Millionen Euro hinblättern. Er ist bereits Minderheitsaktionär und als solcher mit dem Unternehmen bestens vertraut.

          Hoffnung trotz ruinöser Expansionsstrategie

          Von der gegenwärtigen Führungsriege um Herausgeber Eric Fottorino wird der „Nouvel Observateur“ favorisiert: Perdriel hat versprochen, sie nicht auszuwechseln. Obwohl er die Strategie von Alain Minc und Jean-Marie Colombani unterstützt und die verteidigte, als es zum Putsch gegen sie kam. Nach ihrem Ausscheiden übernahm Fottorino die Spitze in einer schwierigen Phase. Publizistisch ist die Zeitung wieder besser geworden, finanziell geht es ihr schlechter denn je: Pro Jahr verliert sie weiterhin zehn Millionen Euro, der Schuldenberg, den Colombani und Minc mit ihrer ruinösen Expansionsstrategie angerichtet haben, hat die Höhe von hundert Millionen erreicht.

          Die Zeitung der Zukunft? „Le Monde” startet einen interaktiven Kriminalroman für das iPad
          Die Zeitung der Zukunft? „Le Monde” startet einen interaktiven Kriminalroman für das iPad : Bild: ddp

          Auch im Rahmen von Sarkozys „Generalständen der Presse“ hatte Claude Perdriel die Macht der „Monde“-Redakteure kritisiert und ihr Verhalten als unverantwortlich gescholten. Jetzt stellt er für sie die mit Abstand überzeugendste Garantie dar. Der Zusammenschluss von „Le Monde“ mit Perdriels „Nouvel Observateur“ und Verbindungen zur „Repubblica“ wie zu „El País“ ist sinnvoll. Und macht sogar ein bisschen Hoffnung.

          Absurde Zahlenspiele

          Zur Bestimmung eines Verkaufspreises hat „Le Monde“ bei der in Medienfragen nicht ganz unbedarften Bank Caylon, einer Tochter des Crédit Agricole, eine Evaluation in Auftrag gegeben. Die Analysten legten genaue Zahlen vor: Die Zeitung „Le Monde“ sei zehn Millionen Euro wert, die Internetfiliale „Le Monde interactif“ (LMLA) neunmal mehr: 87 Millionen. Dieser Preis ergibt sich aus einem jährlich ausgewiesenen Gewinn von 500 000 Euro - bei einem Umsatz von siebzehn Millionen. Philippe Cohen, Autor eines Buchs über „Le Monde“, hat die Angabe veröffentlicht. Auf Nachfrage werden sie nicht bestätigt: Das Portal „lemonde.fr“ sei lediglich fünfmal höher eingeschätzt worden als „Le Monde“.

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