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Abhöraffäre in London : Lauschangriff auf Assange und seinen Besuch

London: Julian Assange, Mitbegründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, kommt am Westminster-Amtsgericht in London an. Bild: dpa

Eine spanische Sicherheitsfirma soll den Whistleblower Julian Assange in der equadorianischen Botschaft ausgespäht und Informationen an die CIA weitergegeben haben. Auch NDR-Mitarbeiter wurden abgehört.

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          Vom Ausspähen des Wikileaks-Gründers Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London sind auch drei Mitarbeiter des NDR betroffen. Der Sender erstattete Strafanzeige, nachdem NDR und WDR entsprechende Hinweise vorlagen. „Der NDR geht davon aus, dass seine Mitarbeiter ausgespäht wurden und ihre Persönlichkeitsrechte und auch das Redaktionsgeheimnis verletzt wurden“, teilte der Sender mit. Eine spanische Sicherheitsfirma hatte die Räume überwacht, in denen Assange bis 2019 in der diplomatischen Vertretung lebte. Ihre Informationen gab sie offenbar im großen Stil an den Geheimdienst CIA weiter. Das geht aus Zeugenaussagen und Dokumenten hervor, die schon seit einiger Zeit der spanischen Zeitung „El País“ vorliegen. Ein erster Verdacht war entstanden, als im Frühjahr in Spanien Aufnahmen aus der Botschaft zum Verkauf angeboten worden waren. Assange verbüßt in London eine Freiheitsstrafe. 2020 soll über eine Auslieferung an die Vereinigten Staaten entschieden werden, wo ihm lebenslange Haft droht.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die Firma UC Global S. L. soll nach Informationen von „El País“ und der deutschen Sender bis 2018 Ton- und Videoaufnahmen von Treffen Assanges mit seinen Anwälten, Besuchern, Botschaftsmitarbeitern und Ärzten weitergegeben haben. Besonderes Augenmerk soll der CIA auf Besucher aus Russland und Amerika gelegt haben. Aufzeichnungen existieren laut „El País“ von der Schauspielerin Pamela Anderson sowie bekannten Journalisten wie dem Pulitzer-Preisträger Lowell Bergman. Auch dem deutschen Hacker Andy Müller-Maguhn galt ein gesteigertes Interesse. So seien der Inhalt seiner Reisetasche und die Seriennummern seiner Mobiltelefone und Kameras fotografiert worden.

          Über ähnliche Informationen verfügen auch NDR und WDR: Es seien versteckte Mikrofone angebracht und elektronische Geräte zerlegt worden. In E-Mails des Unternehmens sei die Rede davon, die Tonqualität der Mitschnitte zu verbessern und einen sicheren Livestream einzurichten. Die Sicherheitsfirma weist die Vorwürfe zurück und betont, sie habe nur im Auftrag der ecuadorianischen Regierung gehandelt. Der Oberste Strafgerichtshof in Madrid hat nach einer Anzeige von Assange eine Untersuchung begonnen. Bei Hausdurchsuchungen in Spanien wurden Festplatten, Waffen und Bargeld beschlagnahmt; der Chef der Sicherheitsfirma, David Morales, wurde zeitweise festgenommen.

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