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Landwirtschaft : Die Rache der Bauernlobby

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Wie gefährlich sind die Keime im Fleisch? Die Bauernverbände haben das Kriegsbeil ausgegraben und liefern sich eine Schlacht mit der „Zeit“. Bild: dpa

Seit einem Jahr sehen sich Landwirte in einer Art Krieg gegen die Wochenzeitung „Die Zeit“ – nun eskaliert der Konflikt, und im Netz ist die Hölle los.

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          Wenn ein Streit gar nicht mehr aufhört, sondern mit der Zeit immer schlimmer und niederträchtiger wird, muss er eine tief sitzende Wurzel treffen. Dann beschimpfen sich die Leute, insistieren und verteufeln den anderen. In solch einer Situation befindet sich die deutsche Bauernlobby. Ihr Streit mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ ist, von außen betrachtet, schwer nachvollziehbar. Er dauert seit Monaten an und eskalierte in dieser Woche. „Geschossen“ wird mit Pressemeldungen, Artikeln in Verbandsblättern und mit Presseratsbeschwerden. Jetzt fiel das Wort „Nazi“.

          Der Deutsche Bauernverband mit mehr als 200 000 Mitgliedern wird offenbar immer mehr zu einem politischen Kampfverein. Jedenfalls ist es für einen Wirtschaftsverband unüblich, Pressemeldungen als Reaktion auf Zeitungsartikel zu versenden. Es geht um einen Artikel, der vor einem Jahr erschienen ist. Er hieß, durchaus reißerisch, „Das bringt uns noch um“ und war Teil einer Serie über Schattenseiten der Landwirtschaft („Tödliche Keime“).

          Der „Prototyp des Agrarlobbyisten“

          Gleich nach Erscheinen reagierte der Bauernverband (DBV) mit einer Pressemeldung. Er wende sich „gegen pauschale, einseitige und unsachliche Kritik an der Nutztierhaltung“. DBV-Vize Werner Schwarz schrieb einen offenen Brief an den Chefredakteur, in dem er über fairen und unfairen Journalismus referierte: „Fairness sieht anders aus, Herr di Lorenzo.“ In dem Text, den zwölf Journalisten der Zeitung und der Recherchegruppe Correctiv verfasst hatten, ging es um die Problematik multiresistenter Keime (sogenannter MRSA und anderer), die durch landwirtschaftliche Tierhaltung entstehen. Offiziellen Zahlen zufolge sterben bis zu 15.000 Menschen pro Jahr in Deutschland an solchen Infektionen. Rund zwei Prozent der Keime sind gegen alle Antibiotika resistent, weil Landwirte diese in der Tierhaltung einsetzen. Demnach wären 300 Tote im Jahr auf die landwirtschaftliche Praxis zurückzuführen.

          Werner Hilse, Präsident des niedersächsischen Landvolks, bei der Verleihung der „Goldenen Olga“, dem Preis der niedersächsischen Milchwirtschaft.

          Ob das viel oder wenig ist, eine Abwägungssache oder ethisch inakzeptabel, das ist eine andere Frage. Die Reporter listeten die Fakten auf, besuchten Betroffene und Tierärzte, die das System nicht mehr wollen. Das alles war lange bekannt, bis auf eine nicht ganz richtig interpretierte Studie korrekt und im Text hoch verdichtet. Der Tonfall war stellenweise anklagend und moralisierend: „Die Wut ist der rote Faden in dieser Geschichte.“ Der Bauernfunktionär Werner Hilse vom Landvolk Niedersachsen wird stereotyp als „Prototyp des deutschen Agrarlobbyisten“ vorgestellt, reich bestückt mit Posten bei agrarnahen Banken, Verlagen und in der Industrie: „Ist so jemand noch befugt, für alle Bauern zu sprechen? (...) Von Hilse und seinen Getreuen kommen die immer gleichen Sätze“ – und von der Agrarlobby: immer nur „Hasstiraden“ gegen die Grünen.

          Die Bauern lachten höhnisch

          Das traf einen Nerv. Über Wochen und Monate schrieb die Agrar-Fachpresse über den Streitfall „Zeit“ gegen DBV – die meisten Blätter gehören den Bauernverbänden. Tausend Bauern demonstrierten vor der Redaktion. Sie schickten Hunderte Leserbriefe, mit meist gleichlautenden Texten – so wie es die Nichtregierungsorganisationen machen, wenn sie für eine Sache kämpfen. Aber der Adressat waren nicht die üblichen „Mächtigen“, Regierung oder Konzern, sondern ein Dutzend Journalisten.

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