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„Landkrimi: Grenzland“ : Ein moderner Heimatfilm der düsteren Art

  • -Aktualisiert am

Auf der Flucht: Achmet Sharif (Hassan Akkouch) Bild: ZDF und Toni Muhr

Im „Landkrimi: Grenzland“ gerät ein Flüchtling unter Verdacht. Der Krimi überzeugt mit einer brillanten Inszenierung und einer eindrucksvollen Schauspielleistung.

          Das südliche Burgenland grenzt an die Slowakei, Slowenien und Ungarn. Wer viele nahe Nachbarn hat, neigt unter Umständen nicht zu besonderer Fremdenfreundlichkeit. Chefinspektorin Elfriede Jandrasits (Brigitte Kren) von der Kripo Eisenstadt gehört auch dazu. Politische Vereinfacher ordneten sie wohl dem rechten Spektrum zu („habe es net so mit der Multikultiküche“ und andere Granteleien), aber so simpel ist es nicht im gelungenen Krimisittengemälde „Grenzland“ (ORF/ZDF). Zuschauer, die die grenzenlose Toleranz der meisten „Tatort“-Kommissare gewohnt sind, dürften bass erstaunt sein. Vergleichbar idiosynkratische Polizistenfiguren sucht man im deutschen Fernsehen vergebens. Figuren, die auf weite Strecken unsympathisch sind wie diese Ermittlerin und dennoch einen nachvollziehbar vielschichtigen Charakter abgeben. Jandrasits’ Kompromisslosigkeit zeigt sich schon eingangs, als sie dem Minister Homolka (David Oberkogler) einen Hausverweis erteilt, nachdem seine übel zugerichtete Frau zum wiederholten Mal „über die Teppichkante gefallen ist“. Ihrem obersten Dienstherr Paroli zu bieten versteht sich für diese Frau von selbst, wird ihr aber nicht gut bekommen. Bei der pompösen Galaruhestandsverabschiedung ihres Mannes, des Hofrats Wolfgang (Wolfram Berger), sieht man sich wieder. Innendienstversetzung ist dieser leidenschaftlichen Polizistin mit ausgeprägtem Gerechtigkeitsgefühl so gut wie sicher. Der Politbetrieb wird hier zwar nur gestreift, doch in manchen Szenen könnte man vermuten, die folgenreiche „Ibiza-Affäre“ des FPÖ-Vizekanzlers Strache wäre den Gestaltenden schon bekannt gewesen.

          Ein selten gelungener Film

          „Grenzland“ (Buch Konstanze Breitebner), für deutsche Zuschauer leicht synchronisiert, aber unverkennbar im herben Tonfall, ist eine Folge der österreichischen Reihe „Landkrimi“, die das Provinzkolorit einzelner österreichischer Regionen in den Mittelpunkt stellt. Die „Landkrimis“ sind, im besten Fall, moderne Heimatfilme der besonderen, meist besonders düsteren Art. Dieser, von Marvin Kren („4 Blocks“) so stimmig wie stimmungsvoll inszeniert, ist unter den bemerkenswerten ein selten gelungener Film. Krens Mutter Brigitte spielt ihre Rolle eindrucksvoll. Kamera (Georg Gentebrück) und Musik (Stefan Will, Marco Dreckkötter) sind herausragend und bewirken zum Ende hin dichte Spannung.

          Das Thema ist brisant. In der Hauptsache geht es um die Ermordung einer jungen Frau, der stummen Renate Horvath (Sophie Stockinger, die für diese Rolle die Romy 2019 als beste Nachwuchsdarstellerin erhielt). Renate war freiwillige Helferin in der von den Dörflern argwöhnisch beobachteten Unterkunft für Flüchtlinge, der Syrer Achmet (Hassan Akkouch) und sie waren, so wird erzählt, ein Liebespaar mit Fluchtplänen. Ihre Eltern Maria (Magdalena Kronschläger) und Karl (Andreas Kiendl) wussten oder ahnten genug, um besorgt zu sein. Der österreichische Stammtisch, vertrieben aus dem nun von den „Asylanten“ bewohnten Gastbetrieb des Jagdaufsehers Vukic (Martin Weinek) und „notverlegt“ in die örtliche Tankstelle, bringt sich nach dem Mord als fremdenfeindliche Bürgerwehr in Stellung: „Erst schlafen sie mit unseren Frauen, dann bringen sie sie um“, so die Parole nach ein paar Bier. Als Achmet gefasst wird, fliegen nachts Brandsätze in die Untersuchungszelle. Der junge Mann entkommt mit knapper Not. Und sinnt auf Rache, während sich die Zeichen mehren, dass der Mörder Renates ein ganz anderer gewesen sein muss.

          Als im Sommer 2015 die Grenze zu Ungarn geöffnet wurde, war Jandrasits als Grenzsoldatin und Staatsrepräsentantin mittendrin. Und hatte bald die Nase voll von Leuten, die „zu Tausenden durchmarschiert sind, ihren Pass wegschmeißen und laut `,Asyl, Asyl‘ schreien. Lauter unbegleitete Minderjährige, alle sechzehn Jahre alt“, wie sie erzählt. Mit dem Ortspolizisten Hans Boandl (Christoph Knutzler) ist sie sich in ihrem Verständnis für die Südburgenländer einig. Ihre Ermittlungsarbeit aber bleibt von ihren Meinungen unberührt. Populistisch anschlussfähig ist „Grenzland“ nicht. Auch so geht öffentlich-rechtliches Spielfilm-Fernsehen.

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