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Bezahlschrankenforschung : Der Nutzer wünscht sich einen Kiosk im Netz

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Vielfalt ohne Bindung: Laut einer Studie wünschen sich Leser eine Plattform für verschiedene Medienangebote. Bild: dpa

Die Landesanstalt für Medien NRW widmet ihre neue Studie der Frage, wann Leser im Netz bereit sind, für Journalismus Geld auszugeben.

          Die Landesanstalt für Medien NRW hat ein sogenanntes Whitepaper über die „Zahlungsbereitschaft für digitaljournalistische Inhalte“ herausgegeben, um Abhilfe bei der „Gratismentalität“ im Netz zu schaffen. Hierzu wurden sechstausend Menschen zu ihren Einstellungen in puncto digitalem Journalismus und ihrem Mediennutzungs- und -kaufverhalten befragt. Das eigentliche Erkenntnisziel der Umfrage aber treibt zurzeit alle um, die mit Presseangeboten im Netz Geld verdienen wollen: Wie kann man die Zahlungsbereitschaft der Nutzer von Online-Journalismus erhöhen?

          Erste Ernüchterung schon in der Pressemitteilung: „Über 75 Prozent der Befragten geben an, dass es die Grundidee des Internets sei, kostenlos an Informationen zu gelangen.“ Deshalb benennt die Erhebung fünf Punkte, die von Medienunternehmen zu beachten seien, wenn es darum geht, die Zahlungsbereitschaft der Nutzer im Internet anzusprechen. Erstens erklärten Nutzer, am ehesten dann Geld für Online-Inhalte auszugeben, wenn diese für sie persönlich relevant sind – zum Beispiel zur politischen Meinungsbildung – oder einen praktischen (Service-)Mehrwert besitzen. Bei Sport- und Kulturinhalten sei die Bereitschaft, zu zahlen, am geringsten. Zweitens wird auf die Idee des „One-stop-Shops“ verwiesen, eine Art digitaler Kiosk, der Inhalte aus unterschiedlichen Quellen zum direkten Einzel-Abruf anbietet. So wie es sich auch schon bei Netflix und Spotify bewährt habe. Die Studie hat bestätigt, dass ein Großteil der Nutzer sich journalistische Inhalte gern in ihrem eigenen „Medienmenü“ aus verschiedenen Angeboten zusammenstellt, statt mehrere Abonnements von verschiedenen Anbietern abschließen zu müssen. Eine solche Journalismus-Plattform würde sich vor allem für kleine Medienhäuser und Start-ups lohnen. Darin, sind sich die Urheber der Studie sicher, liege die Zukunft des Online-Journalismus.

          Die andere ernüchternde Erkenntnis lautet: Bei zehn Euro pro Monat für Online-Abonnements liegt bei den Leserinnen und Lesern die Schmerzgrenze. Mehr sind die meisten nicht bereit zu zahlen. Ein Blick in die Angebote führender Tages- und Wochenzeitungen aber zeigt: Kaum eine Publikation liegt unter den besagten zehn Euro. Doch liegt es nicht nur in der Darreichung der Inhalte. Denn wichtig ist den Nutzern laut Umfrage auch Transparenz bei Zahlungsmodalitäten und die Möglichkeit eines unkomplizierten Vertragsausstiegs. Selbst kostenlose Probewochen (das Pendant zum Probe-Abo) seien beliebt – doch diese Werbestrategie werde ohnehin schon von den meisten zahlungspflichtigen Medien genutzt.

          Zu guter Letzt betont die Studie, dass öffentlich-rechtliche Institutionen, aber auch private Medienunternehmen qualitativ-hochwertige Informationen auch also solche erkennbar machen müssten. Dazu sei Aufklärungsarbeit notwendig, denn grundsätzlich bestehe eine hohe Wertschätzung für „demokratisch wertvollen Journalismus“, auch wenn das Misstrauen angesichts von Fake News im Netz sehr groß sei.

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