https://www.faz.net/-gqz-8lwd8

Drohungen gegen Kaddor : Weil es absolut nicht mehr geht

  • Aktualisiert am

Legt sich mit Islamisten und „Deutschomanen“ an: Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor. Bild: dpa

Morddrohungen aus dem rechten Spektrum: Die syrischstämmige Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor hat sich aus Sicherheitsgründen vom Schuldienst beurlauben lassen.

          1 Min.

          Sie gilt als Vermittlerin zwischen einem traditionellen und einem säkularen Islam, war Teilnehmerin des Integrationsgipfels, gründete den liberal-islamischen Bund, bekam die Integrationsmedaille der Bundesregierung verliehen und publizierte zahlreiche Bücher, in denen sie sich auch mit radikalen Islamisten anlegte. Ihre aktuelle Veröffentlichung jedoch – „Die Zerreißprobe. Wie die Angst vor dem Fremden unsere Demokratie bedroht“ – brachte Lamya Kaddor derart viele Hassbriefe und Morddrohungen ein, dass sie sich nun vom Schuldienst beurlauben ließ. Neben ihrer universitären Tätigkeit unterrichtete sie islamische Religionskunde an einer Hauptschule in Dinslaken.

          „In Hunderten Hasszuschriften wurde kritisiert, dass ich in meinem Buch schreibe, dass auch die alteingesessenen Deutschen eine Bringschuld haben, wenn es um die Integration geht, nämlich Integrationswillige auf Augenhöhe zu respektieren“, sagte die Autorin in einem Gespräch der Zeitung „Die Welt“. Auch habe es keinen Sinn, zu versuchen, mit Hatern und „Deutschomanen“ zu verhandeln: „Ich empfehle, solche Radikalen auszugrenzen, wer sagt, Migranten könnten nie echte Deutsche werden, der hat kein Gespräch verdient.“

          Auch renommierte Journalisten wie Henryk M. Broder beteiligten sich an der Stimmungsmache. Von den Sicherheitsbehörden würden Drohungen aus dem rechten Spektrum dagegen oft mit dem Verweis auf die Meinungsfreiheit heruntergespielt. Offenbar haben die Thesen ihres Buches „die Rechten derart getroffen haben, dass sie nur noch zu unsachlicher, verleumderischer Kritik“ griffen, „womit sie bestätigen, was ich geschrieben habe“.

          Kaddor habe sich vorerst bis zu den Sommerferien 2017 beurlauben lassen.

          Weitere Themen

          Das Auge des Gesetzlosen

          „Les Misérables“ im Kino : Das Auge des Gesetzlosen

          Im äußersten Fall ist auch scharfe Munition erlaubt: Der Kinofilm „Die Wütenden – Les Misérables“ zeigt eindrucksvoll die Spannungen zwischen aufbegehrenden Jugendlichen und den Ordnungshütern in einem Pariser Vorort.

          Aktien als Allheilmittel

          TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Aktien als Allheilmittel

          Die Deutschen sind ein Volk der Sparer. Doch in Zeiten von Negativzinsen muss man umdenken. Bei „Hart aber fair“ raten alle Gäste zu einer Lösung – bis auf Sahra Wagenknecht: Sie setzt auf ein Konzept, das viele als überholt ansehen.

          Topmeldungen

          Gefahr durch Coronavirus : Keine Panik

          Es beruhigt, dass Deutschland auf Szenarien wie den Ausbruch des Coronavirus vorbereitet ist. Wenn aber nun nach jeder Hustenattacke die Notaufnahme angesteuert wird, stößt jeder noch so gut aufgestellte Krisenstab an seine Grenzen.
          Die Moderatorin Susan Link vertritt den erkrankten Moderator Frank Plasberg in der WDR-Talkshow „Hart aber fair“. Hinter ihr die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht, der CSU-Generalsekretär Markus Blume und die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl (von links)

          TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Aktien als Allheilmittel

          Die Deutschen sind ein Volk der Sparer. Doch in Zeiten von Negativzinsen muss man umdenken. Bei „Hart aber fair“ raten alle Gäste zu einer Lösung – bis auf Sahra Wagenknecht: Sie setzt auf ein Konzept, das viele als überholt ansehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.