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„Friesland“-Krimi im ZDF : Lakonisch geht anders

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Auf Tuchfühlung: Dr. Silke Freymuth (Nina Kronjäger) und Kommissar Brockhorst (Felix Vörtler) Bild: ZDF

Wenn selbst der Showdown auf dem Friedhof zum Einschlafen ist, dann heißt es mit Recht: „Asche zu Asche“. Der „Friesland“-Krimi verläppert sein Potential.

          Als die Krimireihe „Friesland“ mit „Mörderische Gezeiten“ 2014 debütierte und dabei einen überkorrekten Bestatter mit Cannabisplantage im Keller, zwei Polizisten mit grundgegensätzlicher Berufsauffassung, deren stets kurz vor dem Schlaganfall stehenden Chef und eine naive Apothekerin mit Faible fürs Leichenzerteilen ins Zentrum stellte, hoffte man auf schwarzhumorige Unterhaltung. Die Autoren hießen Arne Nolting und Jan Martin Scharf, inzwischen wegen origineller Drehbücher vielfach ausgezeichnet, die Inszenierung war von Dominic Müller. Den Beerdigungsunternehmer Wolfgang Habedank, der seine Särge mit Inhalt wegen dringend nötiger Beihilfe zur Mörderjagd schon einmal am Wegesrand abstellt, spielte Matthias Matschke („Professor T“). Polizist Henk Cassens, mit Kollegin Süher Özlügül (Sophie Dal) im Dauerneckdialog, wurde von Florian Lukas („Der König von Berlin“) verkörpert. Dann stiegen die Autoren ebenso wie Matschke und Lukas aus.

          Fortan wechselten die Drehbuchschreiber und die Regisseure immer wieder, als Bestatter übernahm Holger Stockhaus, die Polizistenrolle ging an Maxim Mehmet. Aus skurrilen Figuren mit gewissem, wenn auch eingeschränktem Entwicklungspotential – eine gewisse Bräsigkeit des Ganzen war von Anfang an nicht zu übersehen –, wurden statische Rollen aus dem Küsten-Schnurrentheater. Aus sympathischen Albernheiten nervtötende Manierismen und aus einem Drang zu Running Gags die langweilige Wiederkehr des Gleichen in minimaler Motivabweichung.

          Mit den Frauen hat Brockhorst seine liebe Not

          Nun ist „Friesland“ schon seit etlichen Folgen eine hölzerne Angelegenheit. Zur Exposition gehört ein in Maßen skurriler Mord in anrüchigem Geschäftsbereich, dessen Groteskhumorpotential aber niemals ausgespielt wird (zuletzt bekam man es in „Schmutzige Deals“ mit grenzüberschreitendem Fäkalienhandel zu tun, dieses Mal geht es in „Asche zu Asche“ um grenzüberschreitende Billig-Einäscherungen). Dazu grimassiert Maxim Mehmet als Henk und hat dieses Mal dazu auch ausgiebig Gelegenheit, während er den Sarg seiner verstorbenen Tante Teda verbotenerweise im Kombi herumfährt und von einer flirtwütigen Friedhofswärterin (Franziska Wulf) verfolgt wird. Gewohnt ungerührt hält währenddessen Kollegin Özlügül die Nachforschungen im Todestreppensturzfall der Discount-Bestatterin Cornelia Mohn am Laufen. Als Konkurrent Mohns gerät der Inhaber von Pietät Habedank (Holger Stockhaus) in Verdacht. Die Tochter der Verstorbenen, Marion Mohn (Julia-Maria Köhler), wird inzwischen von einem Kunden, Edgar Raabe (Patrick Kalupa), erpresst und von Wattwanderführer Patrick Diekmann (Nicholaus Reinke) aus welchem Grund auch immer tatkräftig beschützt.

          Die Ermittlung schleppt sich, bis der Kombi mit vorschriftsmäßig gesichertem Tantensarg gestohlen wird und dadurch zufällig der entscheidende Hinweis zur Lösung gefunden wird. Apothekerin Insa Scherzinger (Theresa Underberg) seziert derweil wie gehabt im Hinterzimmer heimlich Leichen, die in die Gerichtspathologie gehören und handelt sich mächtig Ärger mit der eiskalten Spurensicherin Dr. Pfeiffer (Kathrin Wehlisch) ein. Von einer Meldung an den Staatsanwalt kann Revierleiter „Brocki“ (Felix Vörtler) sie nur abbringen, indem er die unterkühlt Mannstolle (was sonst) wider Willen zum Date begleitet.

          Mit den Frauen hat Jan Brockhorst wie immer seine liebe Not, dieses Mal gerät er zu allem Überfluss an die Ärztin Silke Freymuth (Nina Kronjäger), die sich von Brockhorsts Jogginggetue und Puls-App nicht täuschen lässt und bei ihrer Befragung erst einmal zur dringenden Herzuntersuchung schreitet. Repräsentatives Humorbeispiel: „Guten Tag, Herr Brock“ / „Äh, Horst“ / „Auch gut, was kann ich für Sie tun, Horst?“ / „Brockhorst, Kriminalpolizei“. So verläppert sich die Geschichte, aus deren Grundmotiven mehr herauszuholen gewesen wäre. Selbst der Showdown auf dem Friedhof gerät Stefan Rogall (Buch), Ralf M. Mendle (Kamera) und Sven Nagel (Regie) in der achten Folge von „Friesland“ einschläfernd langweilig. Und nein: lakonisch sieht anders aus.

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