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ZDF-Krimi „Laim“ : Das riecht nach rechter Verschwörung

  • -Aktualisiert am

Staunen nicht schlecht: die Kommissare Anton Simhandl (Gerhard Wittmann, links) und Lukas Laim (Max Simonischek). Bild: ZDF und © Michael Marhoffer

Kommissar Laim löst nur alle paar Jahre im ZDF einen Fall. Sein vierter handelt von dem Mord an einer Asylbewerberin. Ein rechtes Netzwerk könnte dahinter stecken. Das Katz-und-Maus-Spiel dieses Krimis folgt einem ausgeklügelten Drehbuch.

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          Kommissare und ihre Fahrzeuge, das ist ein Thema für sich. Fest steht: Der Münchner Kommissar Lukas Laim (Max Simonischek), ein nicht allzu häufig im Fernsehen präsenter Schönling mit düsterer Magier-Anmutung, der seit seinem Debüt als Ermittler im Jahr 2012 bislang nur dreimal zu sehen war, hat Geld wie Heu, das er nicht nur in ein Prostituierten-Abonnement, sondern auch in einen Sportwagen investiert.

          Man steckt ja auch genug ein in diesem Job. Bomberjackenträger schlagen einem nach wüsten Verfolgungsjagden Holzlatten auf den Rücken, bis man zu Boden geht, Verdächtige greifen zum Mensurdegen, was Muskelkater und Schmerzen verursacht, Gesprächspartner drohen stummen Blickes mit Verhaftung, sollten sie jemals an der Macht sein.

          Und erst die Leichen: Die des aktuellen Mordopfers liegt, auffallend zwischen überfüllten Abfallcontainern an der Theresienwiese abgelegt, eingerollt in einen Teppich. Nein, etwas Komfort kann bei den Dienstfahrten eines Kommissars in diesem kalt-grauen Land nicht so falsch sein.

          Laim steigt aus und lässt den Winterwind durch die Tolle wehen, neben ihm steht der vergleichsweise glanzlose Kollege Anton Simhandl (Gerhard Wittmann). Die Tote, deren Leichnam in einen Perserteppich gerollt ist, trägt ein Kopftuch, sie stammt aus Syrien und lebte mit ihren Kindern in einem Flüchtlingsheim.

          Die Spuren am Fundort erscheinen alle etwas zu klar. Direkt neben der Leiche parkt beispielsweise der alte Mercedes, mit dem die Leiche transportiert worden sein muss. Der Halter des Wagens ist schnell identifiziert. Hans Hinrich Feuer (Shenja Lacher) ist eine Lachnummer und genau deshalb gefährlich. Er müsste eigentlich eine lange, immer länger werdende Pinocchio-Nase im Gesicht tragen, so schlecht sind die Erklärungen, die er für das Geschehen vorzubringen versucht. Der Teppich gehört ihm auch.

          Die wahre Geschichte im Vorspann

          Die Zuschauer dieses ordentlichen Standardkrimis, den abermals Christoph Darnstädt geschrieben hat, ein Drehbuchautor, der einst für die harte RTL-Polizeiserie „Abschnitt 40“ wirkte, dann für viele „Tatorte“ wie die Tschiller-Fälle aus Hamburg mit Til Schweiger oder den letzten „Tatort“ aus Berlin und die junge ZDF-Reihe um Kommissar Brühl (Roeland Wiesnekker), kennen die wahre Geschichte von Feuer aus dem Vorspann: Der Sonderling war es, der den Teppich holte und in den Mercedes gelegt hat. Wobei er zugleich einen Einbruch in seine Wohnung fingierte und eine Bronze-Plastik ins Regal schob, die man nicht auf den Kopf bekommen will.

          Als ihn Laim (stets wortkarg) und Simhandl befragen, vollendet Feuer den Plan, den er zu verfolgen scheint. Er lenkt die Aufmerksamkeit auf den Journalisten Gero Willbrand (Daniel Christensen), einen angeblichen Freund, dessen Wohnung ebenfalls ausschaut wie von einem Einbrecher durchsucht. Willbrand saß an einer Story über die Frau aus Syrien, die ihn groß herausbringen sollte. Später werden Laim und Simhandl erfahren, dass Feuer den Journalisten Willbrand in seiner Gewalt hat. Er foltert ihn mit Akkordeonmusik aus der Schallplattenzeit. Die Filmmusik von Dirk Leupolz nimmt den Sound vorher kongenial vorweg.

          Der vierte Laim-Fall – die ersten beiden Fälle ließen uns kaum mit der Augenbraue zucken, der dritte um einen erschossenen Tenor war gelungener – wird nun besser als zunächst gedacht. „Laim und die Tote im Teppich“ bleibt zwar ein Mainstream-Krimi mit stereotyp ausgestanzten Figuren. Im Umkreis von Feuer, der in einer Burschenschaft fechten lehrt, bewegen sich die führenden Köpfe einer völkischen Verschwörergruppe (Thomas Limpinsel, Helmfried von Lüttichau, Peter Knaack), die den „Tag X“ herbeisehnen, Bücher schreiben („Unser Freistaat unter dem Halbmond“), Broschüren drucken („Überfremdung der Führungskräfte“), ein Institut führen („Institut für bayerische Innenpolitik“) und allesamt oder auch gemeinsam für den Tod der Asylbewerberin verantwortlich sein könnten.

          Welche Rolle eine Antifa-Aktivistin (Tinka Fürst), die sich Laim per Pfefferspray vorstellt, spielt, ist indes schwer einzuschätzen. Eine Verfolgungsjagd durch die prallvolle Münchner U-Bahn, der man ansieht, dass sie kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie gedreht wurde, und die Szenen in einem leeren Schwimmbad, in dem Feuer den undurchsichtigen Journalisten gefangen hält, sind sogar recht spannungsvoll.

          Laim und die Tote im Teppich läuft heute um 20.15 Uhr im ZDF.

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