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Serie „American Horror Story“ : Lady Gaga zeigt ihr wahres Gesicht

  • -Aktualisiert am

Stefani Germanotta alias Lady Gaga als „die Gräfin“ Bild: Fox

Lady Gaga kennt jeder. Doch was verbinden wir mit Stefani Germanotta? Unter ihrem Geburtsnamen spielt die Sängerin in der Serie „American Horror Story“. Ihre Rolle ist recht abgründig.

          3 Min.

          In einer goldenen Satin-Robe nimmt Lady Gaga vor dem Fahrstuhl des Hotels Cortez Platz. Aber erst, nachdem sie jedem der anwesenden Journalisten die Hand geschüttelt hat. „Stefani“, stellt sich die Neunundzwanzigjährige vor, denn hier auf dem Set der Fernsehserie „American Horror Story: Hotel“ ist sie nicht Lady Gaga, sondern Stefani Germanotta, Schauspieldebütantin. Der Star gibt sich unkompliziert und zugänglich.

          Dass sie mit dramatischem Lidstrich geschminkt ist und die Augenbrauen blondiert trägt, hat mit ihrer Rolle zu tun: Germanotta spielt „die Gräfin“, glamouröse Zeremonienmeisterin des Hotels Cortez in Los Angeles, wo man, wie es im legendären Song der „Eagles“ heißt, jederzeit ein-, aber niemals wieder auschecken kann. Der Bühnenbildner Mark Worthington hat in den Fox-Studios einen glamourös-gruseligen Art-déco-Palast errichtet. Im Hotel Cortez sind sowohl die Gäste als auch das Personal Gefangene ihrer eigenen Dämonen – darunter die Rezeptionistin Iris (Kathy Bates), die transsexuelle Barkeeperin Liz Taylor (Denis O’Hare); Donovan (Matt Bomer), der Geliebte der Gräfin, die abgewrackte Sally (Sarah Paulson) und auch der Polizist John Lowe (Wes Bentley), der hier zu einer Mordserie recherchiert.

          Den Gästen des Hotels der Gräfin ergeht es schlecht Bilderstrecke
          Den Gästen des Hotels der Gräfin ergeht es schlecht :

          In der fünften Fortsetzung der „American Horror Story“-Serie, in welcher der Autor Ryan Murphy Amerikas Albträumen nachspürt, werden abermals Grenzen des nicht nur ästhetisch Zumutbaren getestet. Mit Murphy und Germanotta haben sich in dieser Hinsicht zwei verwandte Geister gefunden. In lasziven Posen und fließenden, oft blutbesudelten Gewändern verkörpert Germanotta lias Lady Gaga eine Femme fatale, die über einen Hofstaat von Süchtigen und Suchenden gebietet. „Hotel“ wartet mit ausgesuchter optischer Opulenz auf, die allerdings nur etwas für Zuschauer ist, die für groteske, sexualisierte Gewaltdarstellungen unempfindlich sind.

          Teil eines schillernden Ensembles

          Stefani Germanotta kontaktierte Ryan Murphy, weil sie „eine echte geistige Verwandtschaft“ spürte. „Wir teilen eine Faszination für das Dunkle und haben eine ähnliche ästhetische Ausrichtung.“ Murphy schrieb eine Geschichte für sie, die von der Besessenheit für Äußerlichkeiten inspiriert ist wie von Horror-Klassikern wie „The Shining“, „Charlie und die Schokoladenfabrik“ und „Nosferatu“. Und selbstverständlich von der Figur Lady Gaga: 130000 Dollar wurden für die Garderobe der Gräfin mit (meistenteils geliehenen) Stücken von Thierry Mugler, Tom Ford und Vivienne Westwood laut Kostümbildnerin Lou Eyrich veranschlagt. Schmuckstück der Sammlung ist ein mit zehntausend Swarovski-Kristallen besetzter Krallenhandschuh im Wert von viertausend Dollar, mit dem die Gräfin ihre Opfer malträtiert, nachdem sie zu einer blutrünstigen Ménage-à-quatre gebeten hat.

          Die anderen Schauspieler zeigen sich überrascht über den Mut und die Professionalität der Pop-Künstlerin. Stefani Germanotta sei „absolut unerschrocken“ in den eindeutigen Szenen, sagt Denis O’Hare, der als transsexuelle Barkeeperin so manche Szene an sich reißt. „Gaga ist ein Traum“, sagt Chloe Sevigny, die eine traumatisierte Mutter spielt. „Sie ist eine Novizin, und zugleich nicht. Wir sind alle beeindruckt, wie ernst sie dies nimmt.“

          Eine Facette von vielen

          Selbstverständlich habe sie alles darangesetzt, um vorbereitet zu sein, sagt Germanotta. „Alles, was ich habe, ist meine Disziplin, und das ist vielleicht meine größte Stärke.“ Gleichwohl war sie vor ihrer ersten Szene so nervös, dass sie sich übergeben musste. Ihr Fernsehdebüt profitiert von der Kraftprobe der Grenzgänger, Murphy reserviert ihr keineswegs das Rampenlicht. Lady Gaga mag den Platz der bisherigen Diva Jessica Lange eingenommen haben, aber sie ist ebenso wie diese bloß Teil eines schillernden Ensembles.

          Germanotta selbst möchte ihren Serienauftritt als Erweiterung ihrer Kunst verstanden wissen. „Mir ist wichtig, dass das nicht so rüberkommt: Aha, jetzt versucht sie sich als Schauspielerin, dann bringt sie eine Modelinie heraus und startet ihr eigenes Imperium. Das erwartet man von mir, aber ich schere mich einen Dreck darum, weil es meine Seele nicht anspricht.“ Plötzlich sitzt da doch Lady Gaga, die einen Auftritt inszeniert. Sie sei Performancekünstlerin, auch wenn man sie in die Ecke des Popstars verwiesen hätte. „In der Popmusik will man eine scharfe Tanznummer und eine Platte auf Nummer eins der Charts“, sagt Lady Gaga. „Alles andere versteht man nicht.“ Womöglich drängte sie es auch deswegen ins Fernsehen, wo der Auftritt nun einmal alles ist. Sie wolle für ihre Kunst gefeiert werden, sagt Lady Gaga. Stefani Germanotta dagegen möchte, „dass man mein wahres Ich sieht und liebt, nicht ein Konzept von mir“. Was die Zuschauer in „American Horror Story: Hotel“ zu sehen bekommen, sind weitere Facetten einer vielfältig begabten Entertainerin.

          Die Aufnahmeleitung erscheint und entschuldigt sich, den Star entführen zu müssen. Auf dem Drehplan steht eine Szene mit der Gräfin und Kathy Bates’ Iris. In ihrer goldenen Robe gleitet Stefani Germanotta zur Fassadentür der Hotellobby. „Cliffhanger!“, ruft Lady Gaga und verschwindet.

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