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„Kulturplatz“ : Harald Schmidt als Schwangerschafts-Vertretung

  • -Aktualisiert am

Harald Schmidt als Gast der letzten „Nachtcafé“-Sendung Bild: dpa

Alles für die jungen Mütter: Für zwei Sendungen kehrt Harald Schmidt auf die Bildfläche zurück. Das Schweizer Fernsehen bucht ihn als Moderator des Magazins „Kulturplatz“.

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          Es war ein knappes Jahr lang ruhig um Harald Schmidt, nachdem im März 2014 seine Sendung, die „Harald Schmidt Show“, auf dem Pay-TV-Sender „Sky“ abgesetzt wurde. Damit beendete der Hofnarr der deutschen Fernsehunterhaltung vorerst seine Karriere. Die letzte Sendung verlief erschreckend verhalten, lustlos und ungalant – von einem krönenden Abschluss konnte man nicht sprechen. Dann war erst mal nicht mehr viel von und über ihn zu hören. Herbert Feuerstein, unter anderem ehemaliger Schmidt-Sidekick, prophezeite jedoch einmal:  „Ich bin Atheist – aber an Schmidts Wiedergeburt glaube ich.“ Nun scheint der Glaube nicht nur Berge zu versetzen, sondern auch Harald Schmidt in die Alpen. Der Moderator kehrt zurück, für zwei Sendungen im Schweizer SRF1.

          Schmidt wird jedoch nicht, wie zu erwarten wäre, als Late-Night-Talker auftreten, sondern als Schwangerschaftsvertretung für Moderatorin Nina Mavis Brunner in der Sendung „Kulturplatz“. „Ich glaube, es ist so was wie „Aspekte“ in Deutschland“, sagte Schmidt zur Deutschen Presse-Agentur. Schmidt wird durch die beiden Ausgaben vom 11. und 18. Februar führen, jeweils um 22.25 Uhr auf SRF1.

          Der lockere Umgang mit Kultur

          Der bekennende Schweiz- und Kulturliebhaber wurde vom „Kulturplatz“ Redaktionschef Martin Eggenschwyler angesprochen, nachdem dieser einen Artikel Schmidts über Kirchenmusik in der F.A.Z. vom 5. September 2014 las. „Der entsprach genau dem, was wir hier wollen: einen lockeren Umgang mit Kultur“, so Eggenschwyler. Schmidt selbst bekundete: „Ich hörte nur „Schweiz“, ich hörte „Zürich“, und bei mir geht ja sozusagen der Drehort weit vor dem Inhalt. Und sofort war mir klar: Da geh’ ich hin.“ Aus dem Umwerbungstelefonat ist auch überliefert, dass Schmidt familienfreundlich und verantwortungsbewusst gesagt haben soll: „Wenn junge Mütter Hilfe brauchen, bin ich zur Stelle“

          Der „Kulturplatz“ soll sich konzeptuell nicht zu einer Late-Night-Talk-Sendung in Schmidtscher Tradition verändern. „Ich denke mal, das würde ihn auch gar nicht reizen“, meint Eggenschwyler. Die Sendung solle höchstens in Schmidts Handschrift nachgezeichnet werden. Er werde die Beiträge wie von anderen Moderatoren gewohnt anmoderieren, doch sollen die Gespräche mit den Gästen mehr Platz der Sendezeit einnehmen als vorher.

          „Nachdem so viele Schweizer im deutschen Fernsehen gescheitert sind, wird es Zeit, dass es mal ein Deutscher im Schweizer Fernsehen schafft“, so Harald Schmidt. „Das Schweizer Fernsehen ist wie ich – jung, frech und voller neuer Ideen.“ Ironischerweise befindet sich der erste Austragungsort des schmidtisierten „Kulturplatzes“ in der deutschen Enklave Büsingen. Damit keine Verwirrung aufkommt, stellte Eggenschwyler jedoch klar: „Er wird in Franken bezahlt.“ Das Thema der ersten Sendung wir das Teilen und Aufteilen sein – in politischen und persönlichen Sphären. Die zweite Sendung wird im Züricher Theaterlokal Schiffbau aufgenommen. Dort wird Schmidt mit den Gästen die „verschiedenen Facetten der Liebe“ durchleuchten. Bei diesen großen Themen darf man also gespannt sein, wie ironisch und wie ernst sie von Schmidt gehandhabt werden. In Deutschland werden die Ausstrahlungen am jeweils folgenden Samstag um 9.05 Uhr auf 3sat wiederholt.

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