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Emotionserkennung im Auto : Gefangene vor der Kamera

Vor mehr als fünfzehn Jahren war es noch auffällig: System der Aufmerksamkeitskontrolle im Innenraum eines Volkswagen. Bild: Picture-Alliance

Im Fahrzeuginneren kontrollieren Kameras die Konzentration des Fahrers. Jetzt weitet sich ihr Blick, und die Aufnahmen sollen künstlicher Emotionsanalyse unterzogen werden. Die Werbeindustrie reibt sich bereits die Hände.

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          Natürlich gibt es die besten Argumente dafür, den Innenraum eines Autos mit Kameras und Mikrofonen auszustatten. Das elektronische Sicherheitssystem des Fahrzeugs könnte, wenn es die genaue Position der einzelnen Insassen kennt, im Falle eines Unfalls die Airbags optimal einsetzen. Und selbstverständlich braucht man nicht lang nachzudenken, um auf Auswertungs- und Anwendungsmöglichkeiten zu kommen, deren Nutzen von verschiedenen Seiten unterschiedlich beurteilt werden dürfte: Polizei und Versicherungen zum Beispiel müssten sich doch für die Aufnahmen der letzten Momente vor einem Unfall interessieren. War der Fahrer vielleicht abgelenkt? Haben sich Mitfahrer womöglich so auf ihren Sitz gefläzt, dass auch der Anschnallgurt sie nicht vor schlimmen Verletzungen bewahren konnte?

          Allein Sensorsysteme des amerikanischen Anbieters Cerence sollen, wie das amerikanische Online-Magazin „Motherboard“ berichtet, schon in mehr als 325 Millionen Autos verbaut sein. Von Mitte 2022 an müssen alle neuen Kraftfahrzeuge in der EU – vom Lkw bis zum Kleinwagen – mit einem Müdigkeitserkennungs- und Aufmerksamkeitswarnsystem für ihre Fahrer ausgestattet sein. Im Januar hat der Europäische Datenschutzausschuss in neuen Richtlinien zum Umgang mit Daten aus vernetzten Fahrzeugen festgelegt, dass Informationen, die mit Personen verbunden sind, das Auto nicht ohne die ausdrückliche Einwilligung des Fahrers oder der Mitfahrenden verlassen dürfen. Außerdem dürfen nur Daten erhoben werden, die für den Betrieb des Sicherheitssystems oder für einen anderen Zweck benötigt werden, dem der Besitzer des Fahrzeugs ausdrücklich zugestimmt hat.

          In Amerika ist das anders. Dort gibt es eine Reihe von Bestimmungen mit Einschränkungen und Vorgaben für die Verarbeitung und Weitergabe dieser Daten, aber die Privatsphäre der Insassen wird durch sie, wie „Motherboard“ berichtet, vor den künftigen Überwachungssystemen in Autos nur unzureichend geschützt. Zumal vor zwei Jahren herausgekommen ist, das General Motors, vier Jahre zuvor Mitunterzeichner einer von der Autoindustrie verfassten Reihe von Vorsätzen für den Datenschutz, bei neunzigtausend Fahrern den Zusammenhang von Radiowerbung und Produktkauf verfolgt hat.

          Die Werbeindustrie scheint auch für die neuesten Entwicklungen der Emotionsanalyse von Fahrzeuginsassen durch Künstliche Intelligenz der entscheidende Interessent zu sein. Gabi Zijderveld jedenfalls, Marketingchefin bei Affectiva, einem Anbieter von Gefühlserkennungssoftware, schwärmt im „Motherboard“-Artikel angesichts von immer mehr Bildschirmen in den Fahrzeugen schon einmal von einer Situation, in der die Insassen zu einer Art gefangenem Publikum von Unterhaltungsangeboten werden: zu Versuchsobjekten für Werbungsoptimierung. Das verspricht ein „Fahrvergnügen“ der besonderen Art.

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