https://www.faz.net/-gqz-89iru

Amerikareise von Renate Künast : Ahnungslos in Washington

Es war nicht Washington, sondern Lincoln: Zwei amerikanische Präsidenten haben Renate Künast durcheinander gebracht. Das Netz freut sich und schlägt der Grünen-Politikerin vor, was sie als nächstes verwechseln könnte.

          1 Min.

          Zu den besonderen Vergnügen des Reisens gehört, unterwegs interessante Menschen kennenzulernen. Das funktioniert sogar, wenn sie schon längst tot sind, aber so bedeutend waren, dass andere Menschen ihnen ein Denkmal setzten. Neben das kann der Reisende sich stellen, auf dass ein wenig Glanz vom Großen aus dem Gestern auf den Kleineren aus dem Heute falle, und frohlocken wie Renate Künast auf Facebook: „Washington in Washington. Und ich.“ Dazu postete sie ein Bild von sich selbst – vor dem Lincoln Memorial in Washington D.C.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Womit die Politikerin, die mit dem Rechtsausschuss des Bundestages in den Vereinigten Staaten ist, bewiesen hätte, dass sie zumindest einen amerikanischen Präsidenten kennt. Und es sie amüsiert, dass die Stadt, in der sie sich aufhält, doch tatsächlich genauso heißt wie er. Um sich vor dem weltbekannten steinernen Antlitz Washingtons ablichten zu lassen, hätte sie freilich zweieinhalbtausend Kilometer weiter westwärts reisen müssen, zum Mount Rushmore. Aber um das Denkmal für Washington in Washington ins Bild zu rücken, hätte sie sich nur umdrehen brauchen. Dann hätte sie sich bequem mit dem Obelisken des Washington Monuments im Hintergrund fotografieren lassen können.

          Es ist aber auch vertrackt mit den Washingtons in und außerhalb Washingtons, die sich dortselbst auch noch als ägyptische Kunst tarnen, die genauso gut in Rom stehen könnte. Da lohnen sich definitiv noch ein paar weitere bildfindende Bildungsreisen. Die unternehmen inzwischen die Nutzer im Internet, stellvertretend für und mit Renate Künast und verbreiten unter Stichworten wie #Bildungsreise allerlei Varianten ihrer originellen Selbstverortung. „Die Pyramide von Gizeh. Und ich“, heißt es unter einer Montage, die die Politikerin neben der Pyramide im Hof des Louvre zeigt; „Eiffelturm in Pisa. Und ich“, steht unter einem Bild von ihr vor dem berühmten schiefen Turm; „Das Brandenburger Tor in Trier. Und ich“, dichtet ein User zu einem Ensemble mit Porta Nigra.

          Renate Künasts Team hat den Fehler inzwischen behoben, zu „Lincoln in Washington. Und ich“, die Politikerin selbst schreibt selbstironisch: „Heute geht’s zu Gesprächen nach San Francisco. Ob ich George Washington wiedersehe?“ Kann schon sein, oder auch nicht. Auf dem Washington Square in San Francisco jedenfalls steht eine Statue von – Benjamin Franklin.

          Weitere Themen

          Hass als Bild-Kachel

          Antisemitismus im Netz : Hass als Bild-Kachel

          Sich in den sozialen Medien zu positionieren ist alles – manchmal sogar antisemitisch. Ein Bericht der Amadeu-Antonio-Stiftung warnt davor, auf Instagram und Tiktok vorschnell Inhalte zu teilen.

          Topmeldungen

          Jerome Powell hat seine Einschätzungen zur Inflation inzwischen verändert.

          Geldpolitik : Fed fürchtet hartnäckige Inflation

          Amerikas Notenbank prüft eine raschere Straffung ihrer Geldpolitik. Ihr Präsident Jerome Powell hält den Preisanstieg nicht mehr nur für vorübergehend.
          Verschneit: das Dorf Keele in der Grafschaft Staffordshire

          Pub-Gäste sind abgereist : Noch immer Zehntausende Briten ohne Strom

          Die Folgen von Sturm „Arwen“ sind Großbritannien noch zu spüren. Die rund 60 Gäste, die sich die Zeit drei Tage in einem eingeschneiten Pub mit Brettspielen und Karaoke vertrieben, sind allerdings abgereist - nachdem sie ihre Autos ausgebuddelt hatten.