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„Kritischer Journalismus“ bei der „taz“ : Die falschen Fragen

Viel Wind um Interviews, aus denen nichts wird

Unabhängig von der Fragwürdigkeit der „taz“-Fragestellung gilt: Wenn einem eine solche Zurückweisung als Journalist mit einem Interview widerfährt, sollte man auf seinem Standpunkt bestehen, gesagt ist schließlich gesagt, oder die Sache von sich aus in den Wind schießen. Das ist Alltagsgeschäft. Überflüssig, peinlich und angesichts der persönlich peinigenden Fragen abenteuerlich ist jedoch die Heldenpose, in die sich die „taz“-Chefin Ines Pohl wirft. Vor zehn Jahren, damals noch unter der Chefredakteurin Bascha Mika, hat die „taz“ das schon einmal exerziert. Damals ging es um ein Interview mit Olaf Scholz, seinerzeit Generalsekretär der SPD, um das es Streit gab und das die „taz“ dann mit lauter Schwärzungen brachte, um auf die vorgeblich skandalöse Praxis der Autorisierung von Wortlautinterviews aufmerksam zu machen. Sogar eine Tagung veranstaltete das Blatt hernach in Berlin, mit Politikern und Journalisten. Heraus kam dabei nichts. Nicht jeder macht so viel Wind um Interviews, aus denen nichts wird. Man macht Interviews, oder man macht sie nicht.

Noch unangenehmer wird die Selbststilisierung der „taz“ und ihrer Chefin, wenn man sieht, wie andere im Blatt wegkommen. Mit der Grünen-Chefin Claudia Roth etwa sprach die „taz“ über das Thema „Spießigkeit“. Die Grünen als „Spießerpartei“ - das war ein Elfmeter, den Claudia Roth verwandeln musste. Was sie mit der ihr eigenen Verve auch tat.

Eine ganz eigene Themenkonjunktur

Nicht gefragt wurde sie jedoch nach einem Thema, das - um Ines Pohl zu zitieren - „im Wahlkampf schädlich zu sein scheint“: die Pädophilen und deren Einfluss auf die Gründungsgeneration der Grünen, der unter anderem dazu führte, dass sich im Grundsatzprogramm der Grünen 1980 die Forderung fand, pädophile Handlungen zu legalisieren. In das Programm der Grünen zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 1985 wurde ein Papier aufgenommen, das die These verfolgte, jede Form von „gewaltfreiem“ Sexualverkehr müsse straffrei bleiben, auch der zwischen Kindern und Erwachsenen. Der Skandal, den die Politologen Franz Walter und Stephan Klecha im Auftrag der Grünen untersuchen, hat bekanntlich inzwischen auch die FDP und den Kinderschutzbund erreicht. Das wäre also sogar ein Thema für das Gespräch mit Rösler und dasjenige mit Roth gewesen. Aber danach wurde nicht gefragt.

Die Themenkonjunktur der „taz“ ist unter der Chefredakteurin Ines Pohl nun mal eine ganz eigene. Einen Artikel des Redakteurs Christian Füller, der sich kritisch mit den Grünen und den Pädophilen beschäftigte und im August in der „sonntaz“ erscheinen sollte, schoss die Chefredakteurin in letzter Minute aus dem Blatt. Anschließend war davon die Rede, das Stück hätte nur zur Nachbearbeitung gehen sollen. Dabei war es fix und fertig und zur Kontrolle beim Justitiar gewesen. Inzwischen hat Ines Pohl den Autor Christian Füller ganz kaltgestellt. Bis auf weiteres, hat sie die Ressortleiter des Blattes schriftlich angewiesen, dürften „keine Texte von ihm in der taz erscheinen. Bitte sorgt dafür, dass dies nicht passiert.“ Die bis dato von dem Redakteur betreute Bildungsseite der „taz“ machen jetzt andere. Noch Fragen?

Die Möglichkeiten von kritischem Journalismus

Falls es Usus werde, schreibt Ines Pohl zur Causa Rösler im „taz“-Blog, dass Politiker „künftig bei Missfallen komplette Interviews sperren, schränkt dies die Möglichkeiten eines kritischen Journalismus über die Maßen ein. Deswegen haben wir uns entschlossen, das Interview ohne die Antworten zu publizieren.“

Ob das wirklich der Grund war? Nach der von der Chefredakteurin geprägten Haltung der „taz“ zu den Grünen im Wahlkampf fragen wir bei der Gelegenheit lieber nicht. Und auch nicht nach den „journalistischen“ Maßstäben, die dort für „kritischen Journalismus“ gelten. Wer bei der „taz“ die falschen Fragen stellt, so viel scheint sich herauszukristallisieren, muss auf der Hut sein.

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