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„Spiel mit dem Tod“ im ZDF : Vater erzählt nicht vom Krieg

Karoline Eichhorn spielt die Mutter von Timo. Bild: ZDF/Screenshot

Mehr Tragik geht kaum: Der „Spreewaldkrimi“ handelt von einem jungen Kriegsheimkehrer, der sich in den Wald zurückgezogen hat. Nebenbei wird das Geheimnis des Kommissars gelüftet.

          Der Spreewald hat schon Theodor Fontane inspiriert. Prominent fängt die Kamera in den ersten Minuten des Spreewaldkrimis „Spiel mit dem Tod“ den Titel seiner „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ein. Kommissar Krüger (Christian Redl) blickt mit randloser Lesebrille aus dem Buch auf. Seine Lektüre, schon klar, hat Verweischarakter. In der Szene zuvor ist ein junges Pärchen bei einer Art Schnitzeljagd durch eine Sprengfalle ums Leben gekommen. Fontanes Ballade „Das Trauerspiel von Afghanistan“, vorgetragen von der Schauspielerin Lea van Acken, verrät, worum es in den kommenden neunzig Minuten geht.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Waldeinsamkeit muss in der neunten Episode des „Spreewaldkrimis“ einiges aushalten. Der Drehbuchautor Thomas Kirchner zieht alle Register. Es geht um Krieg, Krankheit, Eifersucht, Mord, verhinderte Heimkehr, verletzten Stolz, zerstörte Jugend und verdrängte Erinnerungen. Mehr Tragik geht kaum. Der Regisseur Christian Görlitz muss beherzt zupacken, um all das unter einen Hut zu bringen. Er hat einen Film gedreht, der seinem Publikum nicht wenig Sinn fürs Theatralische abverlangt.

          Der Spreewald, der in den vorangegangenen Filmen mitunter so etwas wie ein Hauptdarsteller war, ist diesmal allein Bühne. Für Kommissar Krüger und für den Hauptverdächtigen – den Afghanistan-Heimkehrer Timo Schwalm (Rick Okon), der beim Auslandseinsatz einen Freund verloren und sich in den Wald zurückgezogen hat. Sein Vater war ebenfalls in Afghanistan, wurde verwundet und sitzt seither im Rollstuhl. Die Witwe des gefallenen Freundes ist finanziell am Ende. Kommissar Krüger wird – illustriert in sepiafarbenen Rückblenden – von seiner Vergangenheit eingeholt. Für die Seelenlage seiner Kollegin, der Gerichtsmedizinerin Marlene Seefeldt (Claudia Geisler), die gerne mehr mit ihm zu tun hätte, hat er scheinbar keinen Blick. So schweigen sich die beiden an.

          Der Wald als Bühne: Da steht der Kommissar allein im Gehölz, durchnässt vom nicht enden wollenden Regen, und hebt an zum Monolog, von dem man im ersten Augenblick gar nicht weiß, wem er gilt. Er hält eine Rede für den Ex-Soldaten Timo, der sich in Rambo-Manier ins Dickicht verkrochen und unsichtbar gemacht hat, von dem der Kommissar aber weiß, dass er immer ganz in der Nähe ist und ihn hört. Zugleich führt Krüger ein Selbstgespräch, so lange, bis die jüngere Version seiner selbst aus dem Wald auf ihn zukommt und uns zeigt, was in der Jugend des Kommissars geschehen ist. Auch seine Geschichte hat mit dem Krieg zu tun.

          Aus dem Zweiten Weltkrieg kehrte sein Vater psychisch versehrt zurück – ein gebrochener Mann, der seine Familie zerstörte. Das redet sich sein Sohn, der sonst wenig bis gar keinen Text hat, nun endlich, Jahrzehnte später, von der Seele und damit – wie er hofft – dem in den Wald geflüchteten Timo ins Gewissen. Wie es diesem erging, sehen wir in Rückblenden ebenso, wie wir in die Vergangenheit des Kommissars geführt werden. So entwickelt sich eine poetisch erzählte Kriegsheimkehrer-Geschichte. Davon gibt es nicht viele im deutschen Fernsehen, wird doch überhaupt nur selten thematisiert, dass das Deutschland des einundzwanzigsten Jahrhunderts Kriegsheimkehrer hat, und zwar gar nicht so wenige.

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