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Lars und Sigrit (Will Ferrell und Rachel McAdams) träumen vom Sieg beim Eurovision Song Contest. Bild: John Wilson/NETFLIX

ESC-Parodie auf Netflix : Spiel mir das Lied vom Vulkan

Bei Netflix veralbert Will Ferrell mit zahlreichen Gaststars den Eurovision Song Contest. „The Story of Fire Saga“ hat aber nur eine Pointe, und die ist Ferrell selbst: als trällernder Herrenwitz.

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          Dieser Film hat schon für Irritation gesorgt, ehe man von ihm wusste. Beim diesjährigen Free European Song Contest wurde in den Werbepausen nämlich ein sonderbarer Clip gezeigt, bei dem zwei Gestalten auf einem vom Meer umtosten Schwefelfeld stehen und eine Eurodance-Nummer namens „Volcano Man“ singen. Bei genauerem Hinsehen stellten die beiden sich als die stark geschminkten Schauspieler Will Ferrell und Rachel McAdams heraus, aber erst beim dritten oder vierten Clip wurde klar: Es handelte sich um Marketing für einen Netflix-Film über den Eurovision Song Contest. Der Trailer sah ausgesprochen schräg aus, aber in diesem Punkt sind ESC-Fans bekanntlich abgebrüht. Jetzt wird der Film auf Netflix veröffentlicht, und die Frage ist: gut schräg oder schlecht schräg?

          Um das zu beantworten, sollte man zuerst die Begrifflichkeiten klären. Gut schräg darf so schräg sein, wie es will, solange es nicht langweilig wird. Schlecht schräg hingegen bedeutet: Der Zuschauer hat nach einem Zehntel der Laufzeit verstanden, wie das Ganze gestrickt ist, und folgt ab dem Zeitpunkt gelangweilt dem Geschehen, das sich zwar zu immer neuen Höhen aufschwingt, um ihn zu unterhalten – aber sie folgen eben alle demselben Witz, denselben Schablonen. Nach diesen Kriterien ist „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ unter der Regie von David Dobkin eindeutig schlecht schräg. Und das ist leider nicht mal eine Überraschung, wenn man sich den Drehbuchautor anschaut.

          Musik und Gefühle

          Fire Saga, so heißt die Band der Isländer Lars Erickssong (jawohl, Wortwitz) und Sigrit Ericksdottir. Beide träumen davon, beim ESC anzutreten, und sie sind auch nicht so richtig schlecht, aber eben auch nicht gerade gut, und Lars hat einen Haufen eher fragwürdiger künstlerischer Ideen. Durch einen Unfall, welcher das letzte Überraschungsmoment des Films bleiben soll, reisen sie tatsächlich als Kandidaten für Island nach Edinburgh. Dort entzweien sie sich nicht nur über Musik und Gefühle, sondern legen auch einen völlig chaotischen Auftritt im Halbfinale hin, bei dem Sigrit fast von ihrem Halstuch stranguliert wird.

          Selbstverständlich kommen sie trotzdem ins Finale. Denn das ist die fad gewordene innere Logik, die sich nicht nur durch diesen Film zieht, sondern durch fast alle Filme, bei denen Will Ferrell mitspielt – und hier hat er auch noch das Drehbuch geschrieben, gemeinsam mit Andrew Steele: Es geht meist um einen eher beschränkten Mann mit idiotischer Frisur und peinlichen Klamotten, dem sonderbarerweise die Frauen hinterherlaufen, während er sie alle abweist.

          Hier passiert das Ganze auf zwei Ebenen. Erstens ist Sigrit ihm verfallen, seit sie als kleine Kinder zusammen gespielt haben (Rachel McAdams ist äußerst sichtbare elf Jahre jünger als Will Ferrell, das ist aber bestimmt irgendwie Teil des Witzes). Und zweitens passiert das Gleiche beim ESC: Trotz des desaströsen Auftritts bekommen die beiden viele Punkte, was vor allem ein Gag auf Kosten des osteuropäischen Musikgeschmacks zu sein scheint. Haha, diese komischen Länder, bei denen weiß man ja nie! Hinzu kommen etliche in vermeintlich lustigen Akzenten sprechende Menschen und eine ganze Riege von Gaststars (Demi Lovato und Pierce Brosnan in den Nebenrollen und etliche ehemalige ESC-Teilnehmer als sie selbst).

          In der Summe wirkt doch eher wie eine Satire, was eine Hommage hätte werden können – aber der Film selbst entscheidet sich bis zum Schluss nicht, was er sein will. Der einzige Gewinner hier ist das isländische Tourismusbüro, weil schon die wenigen Landschaftsaufnahmen aus diesem Land reichen können, um einen Impulskauf von Flugtickets auszulösen.

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