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TV-Kritik: Maybrit Illner : Nebelwerfer aus dem Kanzleramt

  • -Aktualisiert am

Wohin steuert die CDU? Darüber diskutierte Maybrit Illner in ihrer Talkrunde. Bild: ZDF/Svea Pietschmann

Die desaströse Wahlniederlage der CDU in Thüringen zwingt die Partei zur schonungslosen Bestandsaufnahme. Doch wie kann ein Neuanfang gelingen? In der Show von Maybrit Illner werden Schwierigkeiten deutlich – und es fällt der Name Merz.

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          Das Problem der CDU brachte die Parlamentskorrespondentin der Berliner „taz“ am Ende der Sendung prägnant zum Ausdruck. Es sei doch ein Segen, dass „diese Partei die Macht im Land“ habe, so Anja Maier. Hier zeigte sich die Integrationsfähigkeit einer CDU, die sich erfolgreich dem gesellschaftlichen Wandel angepasst hat. Selbst ihre früheren Lieblingsfeinde aus dem linken Milieu halten sie für einen Segen. Nur galt diese Wertschätzung, da sollte sich niemand etwas vormachen, der Bundeskanzlerin und Parteivorsitzenden. Ein Friedrich Merz könnte nicht damit rechnen. Bei ihm stimmte wieder das Feindbild, das mit Stichworten wie „Blackrock“ oder „alter Mann“ reichlich munitioniert wäre.

          So ging es eigentlich um Integrationsfähigkeit, als diese Runde über das Thema „Zwischen Merkel und Merz – geht die CDU in der Mitte unter?“ diskutierte. Zugespitzt formuliert: Soll die CDU „taz“-Redakteure oder die 25 Prozent AfD-Wähler in Ostdeutschland integrieren? Die Zuschauer erlebten eine aufschlussreiche Runde über die Lage der deutschen Politik nach dem Sieg des linken Ministerpräsidenten in Thüringen, der zugleich eine Niederlage seiner Koalition war.

          Dazu gehörte der furiose Kommentar des Publizisten Albrecht von Lucke. Dieser beschrieb prononciert die Motivation von Merz zum Generalangriff auf die Bundeskanzlerin. Angesichts seiner überragenden Umfragewerte sei für ihn dieser Herbst die letzte Chance zum Griff nach der Kanzlerkandidatur, nicht zuletzt weil im kommenden Jahr lediglich in Hamburg gewählt werde. Das politische Signal einer weiteren Wahlniederlage sei dort für die CDU nicht zu erwarten. Allerdings verhedderte er sich in den Fallstricken seiner eigenen Argumentation. Von Luckes These, das „dilettantische“ Vorgehen von Merz habe die Reihen hinter der CDU-Vorsitzenden erst geschlossen, fehlte jede empirische Evidenz. Die leidenschaftlichsten Verteidiger der Bundeskanzlerin finden sich in linksliberalen Milieus, die die klassische Union immer verabscheut hatten. Diese Integrationsfähigkeit gegenüber dem anderen politischen Lager bezahlte Angela Merkel leider mit der Desintegration der eigenen Partei.

          „Nur noch Klimapolitik“

          Die Bundeskanzlerin hat ihre Partei gespalten, und ihre Nachfolgerin als CDU-Vorsitzende konnte daran nichts ändern. Darin liegt das Führungsversagen dieser Parteiführung, das sich in den desaströsen Wahlergebnissen dokumentiert. Natürlich wollte sich Carsten Linnemann als CDU-Mittelstandspolitiker und Bundestagsabgeordneter nicht an dem beteiligen, was von Lucke als „Putsch“ des Friedrich Merz titulierte. Dafür benannte er die inhaltlichen Baustellen der großen Koalition und beklagte die fehlende Unterscheidbarkeit der CDU von den anderen Parteien. Von ihm war aber eine bemerkenswerte Erklärung für das Thüringer Desaster zu hören: In den vergangenen sechs Monaten habe man nur noch etwas von der Klimapolitik gehört, obwohl es noch andere wichtige Themen gäbe.

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