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Kritik an Podcast „Sack Reis“ : Den Genozid von Srebrenica zu leugnen, ist keine Meinung

  • -Aktualisiert am

Eine trauernde Muslimin im Juli dieses Jahres beim Gedenktag an den Massenmord im Srebrenica-Potocari Genozid-Gedenkzentrum Bild: EPA

In dem SWR-Podcast „Sack Reis – Was geht dich die Welt an?“ kam eine junge Frau zu Wort, die vom Völkermord im Bosnienkrieg nichts wissen will. Das kann die Journalistin Melina Borčak nicht einfach stehen lassen.

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          Ende März veröffentlichte der SWR in seinem Podcast-Format „Sack Reis – Was geht dich die Welt an?“ die Folge „Kurz vor Krieg? Der zerbrechliche Frieden in Bosnien-Herzegowina“. Die Folge sollte die politische Situation in Bosnien und die Ursachen des aufkeimenden serbischen Nationalismus in der Region thematisieren. Wie sie das tat, der Selbstbeschreibung folgend, dass hier „junge Menschen aus anderen Ländern im Gespräch mit SWR Hosts zu Wort kommen“ und „subjektive Einblicke in den Alltag junger Menschen aus dem Ausland“ geboten werden, ist bemerkenswert – eine Gesprächspartnerin leugnete den von serbischen Truppen im Juli 1995 in Srebrenica begangenen Genozid an muslimischen Bosniaken und verdrehte die historischen Fakten des Krieges im ehemaligen Jugoslawien.

          Die Hosts des Podcasts sind Malcolm Ohanwe und Merve Kayikci. Ohanwe war bei der besagten Folge nicht beteiligt, dafür übernahm Kayikci die Moderation und lud die 22 Jahre alte, ethnisch serbische Milica als Gast ein. Die Politikstudentin kam 1999, vier Jahre nach dem Ende des Bosnienkriegs, zur Welt. Im Podcast der ARD sagt sie, sie wisse nicht, ob es wirklich einen Genozid in Bosnien gegeben habe – denn als es geschehen sei, sei sie nicht persönlich „vor Ort“ gewesen. Der von serbischen Truppen an Bosniaken begangene Genozid – die Ermordung von 8000 muslimischen Männern und Jungen im Juli 1995 – gilt als eines der schwersten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien und der Internationale Gerichtshof haben das Verbrechen als Genozid eingestuft. Insgesamt verloren im Krieg im ehemaligen Jugoslawien mehr als 100.000 Menschen ihr Leben. Die Gräueltaten prägen das Land und werden bis heute stetig thematisiert.

          Überarbeitete Podcast-Beschreibung enthält Falschaussagen

          Die aus Bosnien stammende Journalistin und Filmautorin Melina Borčak, die unter anderem für CNN, die Deutsche Welle und die ARD arbeitet, fragte beim Südwestrundfunk, der den Podcast „Sack Reis“ verantwortet, zu der Sache an. Der Sender habe ihre Bemühungen zuerst ignoriert, sagt sie. Erst nach mehreren Tagen und wiederholtem Nachsetzen habe der Sender eine überarbeitete Version des Podcasts vorgestellt.

          Doch auch in der überarbeiteten Podcast-Beschreibung hätten sich, wie Borčak beobachtet hat, generalisierende und verfälschende Aussagen gefunden wie: „Damals haben sich Menschen wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit bekämpft.“ Borčak korrigierte: „Menschen aller Ethnien und Religionen kämpften in der bosnischen Armee gemeinsam gegen die Völkermörder.“ In der Fachzeitschrift „journalist“ berichtet Borčak ausführlich, wie sie versuchte, beim SWR Gehör zu finden. Ihr Eindruck von der Aufbereitung des Podcasts: „Es gab keine Primärquellen, keine Recherche vor Ort, keinen Faktencheck der abgeschriebenen Inhalte, keine thematische Expertise. Sondern: Die Redakteure lasen ein paar Texte anderer deutscher Journalisten und schusterten etwas zusammen. Meiner Einschätzung nach sind solche Methoden für ein Schulreferat genügend, nicht aber für öffentlich-rechtlichen Journalismus.“

          Borčak nennt ein Beispiel: In einem Post zu dem Podcast sei ein Foto der Ferhadija-Moschee in der Stadt Banja Luka gezeigt worden – „eines der Symbole des Genozids und Angriffskriegs. Alle Muslime und Katholiken der Stadt wurden ermordet, vertrieben oder ins Konzentrationslager Manjača deportiert – ein Schlachthof für Tiere, der zum Schlachthof für Menschen umfunktioniert wurde. Alle Moscheen und katholischen Kirchen wurden zerstört, darunter auch die jahrhundertealte Unesco-Welterbe-Moschee Ferhadija. Als Vertriebene nach dem Krieg versuchten, die Ferhadija wieder zu erbauen, wurden sie von einem Mob hunderter lokaler Serben gejagt und angegriffen, bis ein Mann, Murat Badić, durch Steinigung starb.“ Der SWR habe über die Ferhadija und andere zerstörte Moscheen und katholische Kirchen der Stadt geschrieben: „In Banja Luka stehen orthodoxe Kirchen, katholische Kirchen und Moscheen nah beieinander.“ Das, meint Borčak, sei „ungefähr so, als hätten US-Medien ein Stasi-Foltergefängnis oder ein Konzentrationslager als ,schönes Museum, in dem sich Menschen aus aller Welt treffen‘, beschrieben, ohne dabei ein Wort zur Realität dieses Ortes des Grauens zu verlieren.“

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