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Kritik an NDR, WDR und SZ : Drei in einem Boot

Verbund-Rechercheur: Georg Mascolo Bild: dapd

Der Rechercheverbund, den NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ gebildet haben, schien bislang gegen Kritik gefeit. Das wollen die Privatsender durch eine Intervention ändern. Sie wollen wissen, was da eigentlich läuft.

          2 Min.

          Der Privatsenderverband VPRT macht ein Fass auf. Er hat, wie der „Spiegel“ berichtet, bei der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen eine Rechtsaufsichtsbeschwerde gegen den Rechercheverbund eingelegt, den der Norddeutsche Rundfunk, der Westdeutsche Rundfunk und die „Süddeutsche Zeitung“ vor einem Jahr geschlossen haben. Dieser Verbund, so der VPRT, verzerre den Wettbewerb und entspreche nicht dem Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Er lasse die von allen Beitragszahlern entrichtete Gebühr auch der SZ zugutekommen, stelle mithin eine kommerzielle Tätigkeit dar, verschaffe der Zeitung unbezahlbare crossmediale Vorteile und verstoße gegen das Rundfunk-, das Vergabe- und das EU-Beihilferecht.

          Das Mantra lautet: NDR, WDR und SZ

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Von den „unbezahlbaren“ Vorteilen kann sich jeder überzeugen, der im Laufe des Tages ein ARD-Programm einschaltet, sei es das Fernsehen oder das Radio. Irgendwann kommt ein Hinweis auf „NDR, WDR und SZ“, die gerade mal wieder gemeinsam recherchiert haben.  Das geschieht so oft, dass man den Eindruck hat, da gibt es einen Scoop nach dem anderen. Oder aber: eine Meldung, eine Geschichte, bekommt den Stempel „NDR, WDR und SZ“. Wie ein Mantra zieht sich der Hinweis durchs Programm.

          Diese Zusammenarbeit geht über Kooperationen, wie es sie sonst zwischen Verlagen und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt und selbstverständlich geben kann, hinaus. Und sollte – so nimmt man an – besonders abgesichert sein. Dass dies so sei, den Eindruck hat man bei Nachfragen zu dem Konstrukt, wie sie FAZ.NET vor einiger Zeit gestellt hat, nicht.

          Keine förmliche Vereinbarung

          „Der Rechercheverbund zwischen NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitungen basiert nicht auf einer förmlichen Vereinbarung“, hieß es seinerzeit auf Anfrage beim Norddeutschen Rundfunk. „Vielmehr ist es ein themenbezogener Zusammenschluss der investigativen Redaktionen des NDR, des WDR und der SZ. Sie stellen auch - projektbezogen - die Mitarbeiter.“

          Und die Kosten? „In diesem Zusammenschluss kommt jeder Partner für seine eigenen Kosten auf. Der Süddeutschen Zeitung fließen keine Gelder von NDR und/oder WDR zu.“ Und der Chef des Rechercheverbunds, der ehemalige „Spiegel“-Chefredakteur Georg Mascolo, wer bezahlt den? „Georg Mascolo hat einen Vertrag mit dem NDR für die Aufgaben, die er hier im Haus erfüllt. Die Zusammenarbeit mit dem WDR haben beide Sender untereinander geregelt.“ Und die Verantwortung fürs Ganze? „Eine Weisungsbefugnis gibt es in dem Verbund nicht. Die Verantwortung für Veröffentlichung bleibt bei dem jeweiligen Medium. Die inhaltliche Leitung und Koordination liegt bei Georg Mascolo.“

          „Konturlose“ Grauzone

          Das ist die Konstruktion? Keine Weisungsbefugnis, keine finanziellen Vorteile für niemanden, jeder trägt sein Scherflein bei und keiner des anderen Last? Der Chef des Ganzen hat verschiedene Verträge – mit NDR und WDR und mit der SZ. Die Rundfunkräte von NDR und WDR haben diese Handelsvereinbarung akzeptiert.

          In diese „konturlose“ Grauzone stößt der Privatsenderverband VPRT vor, der selbstverständlich seine eigenen Interessen im Blick hat (Stichwort: Wettbewerbsverzerrung), und der zu der Rechtsbeschwerde auf Anfrage von FAZ.NET nicht Stellung nehmen wollte: Wie kann es sein, dass eine solche Zusammenarbeit, die grundsätzliche Fragen aufwirft, so scheinbar lax gehandhabt wird? Bislang quittierten die Sender Fragen zu dem Verbund eher mit Schulterzucken. Sie sollten ein Interesse daran haben, an dieser Stelle, die eine Zusammenarbeit zwischen Sendern und der Presse betrifft, die für den investigativen Journalismus an sich unzweifelhaft Vorteile bringt, für mehr Transparenz zu sorgen. Eine „förmliche Vereinbarung“, die auch von den Aufsichtsgremien vertreten werden kann, könnte dafür sorgen.

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