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Intendantenwahl beim SWR : Es gibt Ärger

Bald unter neuer Führung: das SWR-Funkhaus Stuttgart Bild: obs

Die Intendantenwahl beim SWR läuft vielleicht nicht so geschmeidig, wie sich das Strippenzieher wünschen. Dass nur zwei Kandidaten zur Wahl stehen, leuchtet einem Rundfunkratsmitglied gar nicht ein. Auch ein Ex-Intendant übt Kritik.

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          Die Intendantenwahl beim Südwestrundfunk könnte spannender werden als gedacht. Denn es mehren sich Stimmen aus den Aufsichtsgremien des Senders, die sich mit der von einer Arbeitsgruppe getroffenen Vorauswahl von nur zwei Kandidaten nicht einverstanden erklären. Der Vorsitzende des SWR-Landesrundfunkrats Baden-Württemberg, Volker Stich, spricht es offen aus: Dieses Vorgehen erscheine ihm intransparent, es gewährleiste keine Chancengleichheit für alle, die sich beworben haben. „In der heutigen Zeit ist es im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein Gebot der Demokratie und Transparenz, dass fähige Kandidatinnen und Kandidaten eine Chance erhalten, sich vorzustellen“, sagte Stich im Gespräch mit FAZ.NET. Dies sei nicht gegeben, wenn die Zahl der Bewerber vorab – ohne Begründung – reduziert werde. So vorzugehen schüre den Verdacht politischer Einflussnahme. Diesem Verfahren könne er nicht zustimmen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Volker Stich, der als Vertreter der Gewerkschaften und langjähriger Vorsitzender des Beamtenbundes Baden-Württemberg in den Rundfunkrat entsandt worden ist, will seine Kritik, wie er sagt, ausdrücklich nicht als Misstrauensvotum gegen die beiden von der Arbeitsgruppe vorgeschlagenen Kandidaten, die Stuttgarter Landessenderchefin Stefanie Schneider und den ersten Chefredakteur von ARD-aktuell, Kai Gniffke, verstanden wissen. Aber es gebe auch andere aussichtsreiche Bewerber, die von den Rundfunkräten angehört werden müssten.

          Man habe sich gewundert

          Genannt werden unter anderem der stellvertretende Landessenderdirektor in Stuttgart, Clemens Bratzler, der SWR-Verwaltungsdirektor Jan Büttner und der NDR-Fernsehchefredakteur Andreas Cichowicz. Insgesamt hatten sich fünfzehn Kandidaten um die Nachfolge des Intendanten Peter Boudgoust beworben, der Ende des vergangenen Jahres überraschend seinen vorzeitigen Rückzug aus dem Amt für den Sommer 2019 angekündigt hatte. Daraufhin wurde vom Rundfunk- und Verwaltungsrat eine zwölfköpfige Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit der Vorbereitung der Wahl beschäftigen sollte.

          Deren Aufgabe sei es aber nicht gewesen, die Zahl der Bewerber derart zu reduzieren, heißt es gegenüber der F.A.Z. – nicht nur aus baden-württembergischen, sondern auch aus rheinland-pfälzischen Rundfunkratskreisen. Man habe sich gewundert, dass so viele Politiker in die Arbeitsgruppe zur Intendantenwahl gedrängt hätten, jetzt wisse man, warum. Die Initiative, durch eine Vorauswahl die Wahl einer Intendantin oder eines Intendanten mehr oder minder vorab zu bestimmen, geht dem Vernehmen nach unter anderem von der Mainzer Regierungspolitik aus.

          An besagtem Vorgehen findet, wie er auf Anfrage sagte, auch der frühere SWR-Intendant Peter Voß keinen Gefallen, der sich nach seiner Amtszeit, die 2007 endete, bisher kaum zu Belangen seines Senders oder gar Kritik geäußert hatte. Es möge ja sein, dass die Arbeitsgruppe bei der Vorauswahl die Spreu vom Weizen haben trennen wollen. „Hier wird aber leider vor allem der Weizen vom Weizen getrennt. Hochkarätige Bewerber sollen nicht einmal die Gelegenheit bekommen, sich den Gremien vorzustellen und für sich zu werben.“

          Die Landesrundfunkräte der Zweiländeranstalt SWR kommen in diesen Tagen zu turnusmäßigen Sitzungen zusammen. Am 22. März folgt eine Sitzung des Gesamt-Rundfunkrats (mit allen Vertretern aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg) und des Verwaltungsrats, auf der das Prozedere der Intendantenwahl, die Ende Mai stattfinden soll, verhandelt wird. Sollte eine Mehrheit der Delegierten für die Vorauswahl stimmen, stünden nur zwei Kandidaten zur Wahl. Ein Alternativvorschlag lautet aber, dass jedes Rundfunkratsmitglied bis zu drei der insgesamt fünfzehn Kandidaten benennen darf, die sich den Gremien vorstellen. Die drei Bewerber, die in der solchermaßen vom Rundfunkrat veranstalteten Vorrunde die meisten Stimmen erhielten, könnten dann zur eigentlichen Intendantenwahl antreten.

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