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Krimi „Mordkommission Istanbul“ : Überall, nur nicht dort

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Krimi „Mordkommission Istanbul“ - Kommissar Özakin (gespielt von Erol Sander) vernimmt die Reeder-Tochter Filiz (gespielt von Almila Bagriacik). Bild: ARD Degeto/Gülnur Kilic

In Istanbul wird „Mordkommission Istanbul“ schon lange nicht mehr gedreht. Jetzt sollen die Behörden Drehgenehmigungen von einem Blick in die Drehbücher abhängig machen. Ob die ARD da wagen wird, was gewagt werden muss?

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          Der Krimi heißt zwar „Mordkommission Istanbul“, doch in der Türkei wird er nicht mehr gedreht. Nach den Terroranschlägen in der Türkei im Jahr 2015 und Frühjahr 2016 schien es aus Sicherheitsgründen nicht mehr vertretbar, die beiden neuen, an diesem und kommenden Donnerstag ausgestrahlten Folgen am Bosporus zu drehen wie gewohnt: Das Produktionsteam filmte im Juni und Juli 2016 in Izmir – während Istanbul dann tatsächlich von weiteren Anschlägen, vor allem aber dem gescheiterten Militärputsch heimgesucht wurde. Die kommenden Episoden werden fernab der Türkei gedreht. Die Protagonisten der ARD-Krimireihe werden für den Dreh Ende März nach Bangkok fliegen.

          Der in Izmir gedrehten Episode, die heute läuft, merkt man den Drehortwechsel kaum an. Bei „Der letzte Gast“ hängt das vor allem damit zusammen, dass ein Großteil der Handlung in einem fiktiven Ferienort spielt: staubige Straßen, schmucke Villen, schimmerndes Meer. Ein geheimniskrämerischer Deutscher wechselt dort von einem alten Bus, der ihn auf verschlungenen Straßen in den Ort trug, in ein knallgelbes Taxi. Der Fahrer kennt ihn, man unterhält sich gelassen. Doch dann werden Fahrer und Fahrgast nach einer Reifenpanne von Kugeln niedergestreckt. Die Kommissare Mehmet Özakin (Erol Sander) und Mustafa Tombul (Oscar Ortega Sánchez) müssen vom fernen Istanbul anreisen, um das Rätsel zu lösen.

          Sie stellen fest: Der ermordete Deutsche arbeitete für ein Handelsunternehmen aus Hamburg, das ihn in Genua wähnte. Sie stoßen auf den Reeder Cetin Akbay (Ünal Silver), der eine geschäftstüchtige Tochter hat (Almila Bagriacik) und den Hanseaten nicht nur als Kunden kannte. So wird diese Episode ein Fall alter Schule – zum Mitraten. Ob die Istanbuler Szenen, die es auch gibt, in Istanbul gedreht wurden oder nicht, ist für den Film kaum von Bedeutung. Für so etwas gibt es Kulissen und ein Archiv, das nach zehn Jahren „Mordkommission Istanbul“ reichlich gefüllt ist. Bei der Folge „Tödliche Gier“ – wie „Der letzte Gast“ geschrieben von Horst Freund, aber strenger in Stil, Bild und Ton – ist das schwieriger, weil sie im Herzen Istanbuls spielt. Sie dreht sich um den tödlichen Brandanschlag auf den Geschäftsführer einer dubiosen Baufirma und den radikalen Protest einer Künstlergruppe gegen den Abriss ihrer Ateliers. Und um die Furcht vor dem nächsten Erdbeben, die jeder in Istanbul kennt.

          Letztlich fällt aber auch hier der Drehortwechsel nicht ins Gewicht. Im Hintergrund sind zwar die markanten Folkart Towers von Izmir zu erkennen, doch was zählt, ist die urbane Kulisse an sich – also die Illusion. „Viele New-York-Filme werden schließlich auch in Montreal gedreht“, sagt Filmproduzentin Regina Ziegler. „Ein Spielfilm ist keine Dokumentation, und auch kein Doku-Drama wie ,Gladbeck‘, für das andere Regeln gelten als für eine Folge der Mordkommission.“ Sie hat recht. Die wichtigere Frage lautet: Wie geht es nun überhaupt weiter? Erst mal nicht in der Türkei, ließ die ARD-Tochter Degeto verlauten und verwies auf die Sicherheitslage, Versicherungskosten und Gerüchte, türkische Behörden machten Drehgenehmigungen von einem Blick in die Drehbücher abhängig. Ob sie da wagen werden, was gewagt werden muss: die innenpolitische Lage der Türkei zu thematisieren?

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