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Kriegsserie „The Pacific“ : Wie zeigt man diesen Krieg?

Einmarsch ins Land eines todesmutigen Gegners Bild: HBO

Was weiß der durchschnittliche Amerikaner über den Pazifikkrieg? Wenig. Tom Hanks' und Steven Spielbergs aufwendig produzierter Zehnteiler über die pazifischen Schlachten zwischen den Vereinigten Staaten und Japan schafft Abhilfe - von Kritikern wird er geliebt, vom Publikum bisher missachtet.

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          Es ist nicht wahr, dass der Krieg im Pazifik im amerikanischen Bildgedächtnis eine mindere Rolle spielt. In Hollywood, einem Vorort an der pazifischen Küste des Kontinents, begann die Erinnerungsarbeit schon 1943, als der Kampf gegen das japanische Kaiserreich noch nicht entschieden war. Mit Lewis Seilers „Tagebuch aus Guadalcanal“ (der junge Anthony Quinn spielte darin eine Nebenrolle) und John Fords „Schnellboote vor Bataan“ gab die Filmindustrie einen Standard vor, an dem sich alle späteren Kriegsdramen vor Palmenkulisse messen mussten. In den sechziger Jahren brachte Sam Fuller mit „Durchbruch auf Befehl“ den Burmakrieg ins Kino, in den Siebzigern rekonstruierte Jack Smights „Schlacht um Midway“ akribisch und mit Starbesetzung (Robert Mitchum, Henry Fonda, Charlton Heston, Glenn Ford) das Flugzeugträgergefecht vom Juni 1942, und kurz vor der Jahrtausendwende drehte Terrence Malick mit „The Thin Red Line“ den ultimativen Guadalcanal-Film und einen der besten Kriegsfilme überhaupt.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Und dennoch haben Tom Hanks und Steven Spielberg recht, wenn sie in Interviews zu der von ihnen produzierten Serie „The Pacific“ auf die geringen Kenntnisse des Durchschnittsamerikaners über das Geschehen auf dem pazifischen Kriegsschauplatz verweisen. Der 15. August, der Tag des Sieges über Japan, spielt in der Öffentlichkeit so gut wie keine Rolle, und von den zahlreichen Seeschlachten zwischen der Korallensee und den Aleuten wissen die meisten nur, dass John F. Kennedy in einer von ihnen verwundet wurde (in Europa sieht es mit dem Wissen naturgemäß noch schlechter aus). Auch die klassische und bis zum Erbrechen wiederholte Kriegs-Comedy „Hogan's Heroes“ spielt in einem deutschen, keinem fernöstlichen Gefangenenlager. Ihre Schöpfer wussten immerhin, dass es bei den Japanern in dieser Hinsicht nichts zu lachen gab. Ein heutiges Publikum muss es erst lernen.

          Im Dienst der historischen Wahrheit

          Deshalb, nicht nur aus Gründen west-östlicher Parität, haben Hanks und Spielberg die Produktion eines Zehnteilers über den Pazifikkrieg durchgesetzt, der die Erzählmuster ihrer vom Feldzug in Europa erzählenden Erfolgsserie „Band of Brothers“ fortschreibt, deren gewaltige Kosten aber noch einmal steigerte - von 120 auf 150 Millionen Dollar, ein Budget, wie es selbst im amerikanischen Fernsehen selten ist. An dieser Summe gemessen war der Erfolg von „The Pacific“ mäßig: Nur drei Millionen Zuschauer, ein Drittel der Quote von „Band of Brothers“, sahen die erste Folge auf HBO, bei der zehnten Folge waren es weniger als zwei Millionen. Der Sender wird sein Geld durch Auslandsverkäufe wieder hereinholen, und auch die Kritiken waren fast einhellig positiv. Dennoch hängt der Misserfolg wie ein Schatten über „The Pacific“. Die Frage ist, ob er sich nur dem Desinteresse des Fernsehpublikums verdankt oder einem Konstruktionsfehler in der Serie selbst.

          Steven Spielbergs und Tom Hanks' Großprojekt ist bei Kritikern beliebt, der Publikumserfolg steht noch aus

          „The Pacific“ beginnt, anders als „Band of Brothers“, mit einem Blick in die Familien der künftigen Soldaten. Robert Leckie (James Badge Dale) flirtet vor der Kirche mit einer Nachbarin, John Basilone (Jon Seda) hat seine Freunde zum Weihnachtsessen eingeladen, Eugene Sledge (Joseph Mazzello) wird von seinem Vater, einem Arzt, wegen eines Herztonfehlers vorläufig zurückgestellt. Alle drei werden zu den Marines gehen und an den blutigsten Schlachten des Krieges teilnehmen - Guadalcanal, Peleliu, Iwo Jima, Okinawa; und alle drei sind historische Personen. Während Basilone bei der Landung auf Iwo Jima fiel, blieben Leckie und Sledge am Leben und schrieben ihre Kriegserlebnisse auf. Auf diese Erinnerungen, ergänzt um Berichte anderer Veteranen, stützt sich „The Pacific“, eine Serie, die es mit der Wahrheit sehr genau nehmen will.

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