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Kriegsbilder : Kinder zeichnen Ströme von Blut und Feuer

Bild: 2005 Human Rights Watch

Es gibt einen Krieg, der seit Jahren währt und wenig Aufmerksamkeit erfährt. Denn es mangelt an Fotos und an Medienbegleitung. Die wohl authentischsten Bilder aus diesem Krieg haben Kinder gezeichnet.

          Fotos vom Krieg dokumentieren den Schrecken. Sie machen ihn kommunizierbar - auch wenn kein Foto dieser Welt das Ausmaß von Leid und Not transportieren kann. Menschen erinnern sich anhand von Fotos, und sie erinnern sich an Fotos - der Blick bleibt; auch wenn das Gesehene einen nicht unmittelbar betrifft. Jeder Krieg hat diese kollektiv erinnerte Fotografie: Der Zweite Weltkrieg in den Bildern von Robert Capa an Omaha Beach und in den Fotos aus befreiten Konzentrationslagern, der Vietnam-Krieg in dem Bild des von Napalm verbrannten Mädchens Kim Púc, das schreiend eine Straße entlangläuft.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Der Genozid in Ruanda bleibt mit Bildern niedergemetzelter Menschen im Gedächtnis, für den Golfkrieg stehen Fotos, die amerikanische Soldaten vor brennenden Ölfeldern zeigen. Politiker treffen keine Entscheidungen aufgrund von Bildern, doch bedienen sich ihrer, um ihr Handeln zu legitimieren - als die Vereinten Nationen im Jahr 1995 Untersuchungen in Srebrenica aufnahmen, weil man einen Genozid fürchtete, dienten amerikanische Luftaufnahmen von Massengräbern dazu, das Vorgehen zu begründen.

          Krieg ohne Bilder

          Doch was geschieht, wenn es zwar einen Krieg, doch, wie im Falle Darfurs, keine Bilder gibt? Seit vier Jahren wird in der sudanesischen Provinz gemordet und vergewaltigt; fast zweihunderttausend Menschen sollen getötet worden sein. Die meisten der Opfer starben im Jahr 2003, als der blutige Konflikt entbrannte und die Massaker ihren Höhepunkt erreichten. Das Morden fand und findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt - Bilder, die die Greuel zeigen, gibt es nicht und wird es wohl auch nicht mehr geben. Denn der Zenit des Konflikts ist überschritten; fast alle Darfuris haben ihre Dörfer verlassen und leben in Flüchtlingslagern. Die Internationale Gemeinschaft begnügt sich damit, die Scherben zusammenzukehren: In diesem Monat soll eine UN-Friedenstruppe, bestehend aus Soldaten der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union, in Darfur stationiert werden. Alles, was die westliche Welt über das Leiden der Menschen in Darfur weiß und jemals wissen wird, wissen wir aus den Erzählungen der Flüchtlinge.

          „Haben Sie je ein Foto einer Leiche in Darfur gesehen? Hat es je das Bild eines Leichenberges gegeben? Das finden Sie in den Medien nicht - es wird immer nur darüber geredet“, sagte der frühere sudanesische Kommunikationsminister Mahdi Ibrahim einmal in einer Dokumentation des Kultursenders Arte. Er sagte es grinsend und voller Hohn. Die sudanesische Regierung hat die ohnehin schwer zugängliche Provinz Darfur seit Jahren abgeriegelt, es gibt also keine Bilder, weil sie niemand machen konnte.

          Verhaftete Journalisten

          Mitarbeiter von Hilfsorganisationen erhalten nur in Ausnahmefällen einen Passierschein; Vertreter der Vereinten Nationen, die Flüchtlingslager besuchen wollen, zwingt man oft noch am Flughafen zur Rückkehr. Journalisten wird das Einreisevisum meist verweigert - schließlich befindet sich Sudan im Krieg. Das Land betreten dürfen Medienvertreter nur im Tross von Politikern, denen die sudanesische Regierung eine geschönte Wirklichkeit vorführt. Versucht ein Journalist doch auf eigene Faust zu recherchieren, wird er einkassiert. So wie der amerikanische Journalist und Pulitzerpreisträger Paul Sapotek, der im vergangenen Jahr in Sudan verhaftet und wegen Spionage angeklagt wurde, weil er illegal über den Tschad eingereist war. Gelingt es doch jemandem, nach Darfur zu gelangen, ist es ein Zufall, zur richtigen Zeit dort zu sein - die Region ist anderthalbmal so groß wie Deutschland und wird von fünf Millionen Menschen bewohnt. Asphaltierte Straßen gibt es kaum.

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