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Kreativitäts-Gurus : Sie bringen dem Silicon Valley das Denken bei

  • -Aktualisiert am

Nein, das sind nicht die Söhne der Marx Brothers, aber sie sind mindestens so querköpfig: Tom (links) und David Kelley geht es um nichts anderes als Kreativität. Bild: Ideo/ Nicholas Zurcher

Kann mich Tom Kelley in zehn Minuten zu einem kreativeren Menschen machen? Ja, sagt er. Wenn alle Silicon-Valley-Konzerne auf diesen Mann schwören, muss doch irgendetwas dran sein.

          5 Min.

          Wir sitzen uns in einem Konferenzzimmer bei „Ideo“ gegenüber, einer der führenden Ideenschmieden Amerikas. Tom Kelley führt Ideo gemeinsam mit seinem Bruder David, dem Stanford-Professor für Design. Tom und David gelten als Kreativitäts-Vordenker im Silicon Valley. Firmen wie Google, Pinterest oder Intuit laden sie zu Vorträgen ein, um besser, innovativer, kreativer zu werden.

          Tom Kelley malt an die Weißwandtafel, die die gesamte Wand des Zimmers bedeckt, eine Reihe von Kreisen, aus denen ich in fünf Minuten so viele verschiedene Dinge machen soll, wie mir nur einfallen. Ich mache mich ran: Mit ein paar Strichen verwandele ich einen Kreis nach dem anderen in ein Smiley-Gesicht, eine Torte, ein Wagenrad, eine Schweineschnauze, einen Käfer, ein Maul mit Zähnen, eine Uhr, einen Flaschenboden, einen Luftballon. Als die fünf Minuten vorbei sind, sind bloß noch drei der dreißig Kreise ungestaltet.

          Zurückhaltende Fassade, überragendes Inneres

          „Wow!“, sage ich, beeindruckt von der Vielfalt der Ideen, die mir da in den Stift geflossen sind. Tom Kelley lächelt. Mit seinem Schnauzbart und der hohen Stirn sieht der Neunundfünfzigjährige aus wie der Inbegriff des Tüftlers. In meinen Kreisen kann er einiges lesen. Kreative Gewandtheit, sagt er, lasse sich aus der Menge der umgesetzten Ideen ableiten, kreative Flexibilität aus der Variationsbreite. Wer etwa drei Kreise zu einer Ampel verbindet oder fünfzehn zu einem Billardspiel, nimmt sozusagen kreative Abkürzungen. Aber die „Bewertung“ interessiert ihn viel weniger als die kreative Übung. Mit derart schöpferischen Aufgaben, sagt er, spreche man den kreativen Bereich des eigenen Hirns an.

          „Viele Menschen glauben, Kreativität sei angeboren“, sagt Kelley. „Gerade die Informatiker hier im Silicon Valley halten sich meist für analytische Menschen. Oft höre ich: Ich bin gar kein kreativer Typ. Ich kann nicht mal zeichnen.“ Aber Kreativität ist Kelley zufolge kein Geschenk, sondern eine Fertigkeit. Man kann sie trainieren. Dazu will er mit dem Buch „Kreativität und Selbstvertrauen“ anregen, das er mit seinem Bruder David verfasst hat und das jetzt im Verlag Hermann Schmidt Mainz (29,80 Euro) auf Deutsch vorliegt.

          Die Firma Ideo residiert an San Franciscos Hafenmeile Embarcadero. Von der Straße aus wirkt der Annex vom Pier 26 wie ein verfallendes Warenhaus - geschlossene Jalousien, bröckelnder Putz, ein mit Graffiti verziertes Parkverbotsschild. Doch hinter der bescheidenen Fassade verbirgt sich eine lichtdurchflutete Bürohalle, in der Designer, Ingenieure und Kreativdenker Konzepte für Produkte, Organisationen und Innovatoren entwerfen. Auf dem rustikalen Dielenfußboden stehen auf einer großen offenen Fläche Dutzende von Holzschreibtischen mit Bildschirmen und Laptops, die deckenhohen Fenster öffnen sich direkt unter der majestätischen Bay Bridge auf einen sonnigen Steg mit Kaffeetischen, umplätschert vom Wasser der Bucht von San Francisco.

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