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Krawallmacher entern Redaktion : Sie brüllen „Lügenpresse“

Sieht nicht aus wie Journalismus und ist es auch nicht: Screenshot des Videos, mit dem sich einer der beiden Pseudoreporter des Krawallbesuchs bei „Correctiv“ brüstet. Bild: Youtube

Das Journalistenbüro „Correctiv“ in Berlin bekam ungebetenen Besuch. Zwei Eindringlinge schlugen Krawall. Medien, für die sie gearbeitet haben, distanzieren sich.

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          Die Berliner Redaktion des Journalistenbüros „Correctiv“ hat am Dienstagnachmittag ungewöhnlichen Besuch bekommen. „Die Herren haben sich nicht vorgestellt, sie sind einfach reinmarschiert“, schildert Chefredakteur Markus Grill im Gespräch mit FAZ.NET den Vorfall. Dann hätten sie nach einem bestimmten Correctiv-Reporter gefragt und sofort zu filmen begonnen. Im anschließenden Wortwechsel beschimpften sie die Redaktion, die sich nach eigener Darstellung vor allem aus Spenden und Stiftungsgeldern finanziert, als „Lügenpresse”. Der Aufforderung, zu gehen oder mit dem Filmen aufzuhören, kamen sie nicht nach.

          Erkenntnisgewinn null: Die beiden Krawallmacher laufen auf.
          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Da sich die Herren alsbald auf sozialen Netzwerken mit ihrem Vorgehen brüsteten, waren sie dennoch zu identifizieren. Es handelt sich laut Correctiv um Graham W. Phillips und Billy Six, die vor allem durch Beiträge für den russischen Staatssender Russia Today beziehungsweise die rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ bekannt geworden sind. „Wir konnten Phillips und Six nur mit vereinten Kräften wieder aus der Redaktion bugsieren“, berichtet die Redaktion von Correctiv auf ihrer Facebookseite über den Vorfall. „Anschließend filmten sie mit Teleskopstativen von außen in die Redaktion hinein.“ Erst beim Eintreffen der herbeigerufenen Polizei seien die beiden verschwunden.

          Der Fall erinnert an das Vorgehen gegen den Fernsehjournalisten Hajo Seppelt, der maßgeblich zur Aufdeckung des Doping-Skandals in Russland beigetragen hatte. Eine Journalistin des russischen Staatsfernsehens hatte ihn in Köln aufgesucht und sich ähnlich verhalten wie die Eindringlinge in Berlin. Bei Correctiv fragten die „Besucher“ nach dem Journalisten Marcus Bensmann. Dieser hatte kürzlich über den Abschuss der Boeing MH17 über der Ukraine recherchiert und war zu für Moskau wenig erfreulichen Ergebnissen gelangt.

          Der Russlandfachmann und langjährige „Focus“-Korrespondent in Moskau, Boris Reitschuster, erinnerte auf Facebook daran, dass auch er in russischen Fernsehsendungen scharf angegriffen werde, die auch von russischsprachigen Zuschauern in Deutschland gesehen würden. Er sei in Deutschland besorgt um seine Sicherheit. „Höchste Zeit, dass unsere Behörden und Journalistenverbände aufwachen.“

          Correctiv hat Anzeige erstattet wegen Hausfriedensbruchs (Paragraph 123 Strafgesetzbuch) und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen (Paragraph 201a Strafgesetzbuch). Die Redaktion der „Jungen Freiheit“ distanzierte sich unterdessen von der Aktion, von der sie nicht gewusst habe. Die Sprecherin von „Russia Today“ schrieb auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, dass Graham Phillips seit zwei Jahren nicht mehr für sie gearbeitet habe.

          In einer früheren Version des Teasers hatte es geheißen, dass Graham Phillips Mitarbeiter von „Russia Today“ sei. Das ist falsch. Richtig ist, dass er früher als freier Autor für den russischen Staatssender gearbeitet hat. 

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