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TV-Kritik: Berlin direkt : Sommerinterview mit Konstruktionsfehler

  • -Aktualisiert am

CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer beim ZDF-Sommerinterview mit Theo Koll Bild: dpa

Theo Koll interviewte zum Auftakt der Sommerinterview-Reihe Annegret Kramp-Karrenbauer im Saarland. Inhaltlich forderte die CDU-Vorsitzende einen „breiten Klimakonsens“. Formal aber war es ein Dokument des Scheiterns.

          In der ersten Einstellung bekamen die Zuschauer eine große Perspektive geboten. Theo Koll und Annegret Kramp-Karrenbauer standen auf einer Bergkuppe an der deutsch-französischen Grenze. Vor dem weiten Horizont durfte die CDU-Vorsitzende dem Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios ihre Verbundenheit mit der saarländischen Heimat bekunden. Die Zuschauer hatten dieses beeindruckende Schauspiel kaum verkraftet, wurden sie zum Szenenwechsel in die frühere Sendehalle des französischen Privatsenders „Europe 1“ gebeten. Die Kamerafahrt gönnte ihnen vorher noch einen Blick auf recht verfallen wirkende Wasserbassins im Außenbereich dieses „architektonischen Juwels“. Das war schon einmal zusammengefallen, wobei sich Koll und Frau Kramp-Karrenbauer nicht über die Einsturzursache verständigen konnten. Lag es an der Konstruktion oder nicht doch am Baumaterial? Klären ließ sich das nicht, aber hier trafen sich auch kein Architekt mit einer Bauingenieurin.

          Im Mittelpunkt stand die Klimapolitik

          Das machte aber nichts: Es sollte schließlich um Politik gehen. Trotzdem beschlich einen als Zuschauer das Gefühl, dieses Interview könnte schon beim Einstieg einen Konstruktionsfehler haben. Niemand hat etwas gegen symbolische Orte, aber sie sollten schon mehr sein als Reklame für den Gast. Dieses Gefühl wurde im weiteren Verlauf des Interviews bestätigt. Koll fragte brav die aktuellen Themen ab. Es ging um den Klimawandel, das Verhältnis zur AfD, die Europapolitik, um Syrien und Iran. Was weniger aktuell ist, kam gar nicht erst zur Sprache. Etwa die Parlamentswahlen in Griechenland, die vor vier Jahren noch die halbe Welt in Aufregung versetzten. Wenn sich eine CDU-Vorsitzende dazu nicht mehr äußern muss, ist das wahrscheinlich als eine Form der Normalisierung zu betrachten. Die damit verbundene Aufregung ist längst vergessen, was bei den aktuellen Aufregern nicht der Fall ist.

          Im Mittelpunkt stand erwartungsgemäß die Klimapolitik. Dort gewährte die CDU-Vorsitzende den Blick auf den größtmöglichen Horizont. Sie schlug einen „breiten Klimakonsens“ aller Parteien vor, selbstredend mit Ausnahme der AfD. Nun ist die Klimapolitik zweifellos die Kernkompetenz der Grünen, weil das irgendetwas mit Umwelt zu tun haben muss. Ein solcher Konsens soll aber trotzdem nicht als christdemokratische Kapitulationserklärung in der Klimapolitik verstanden werden. Deshalb wolle sie „die Grünen im Herbst“ zu diesem Thema stellen, was immer das bedeutet.

          So muss man sich den aktuellen Führungsanspruch der CDU vorstellen: Sie plädiert für einen Konsens von CSU bis Linke, um aber gleichzeitig die Möglichkeit parteipolitischer Unterschiede nicht völlig auszuschließen. Dafür bedarf man als Volkspartei einer gewissen programmatischen Flexibilität. Frau Kramp-Karrenbauer präsentierte sie mit der gewohnten Offenheit. Auf die Nachfrage, was christdemokratische Klimapolitik aus ihrer Perspektive sein könnte, nannte sie einen „Mix“ aus „ordnungspolitischen Maßnahmen, aus Anreizen, aus Technologieförderung und Lenkung über den Preis“. Damit ist das größtmögliche Spektrum beschrieben. Es ist alles möglich und auch das Gegenteil. Solche Allgemeinplätze bestimmten das Interview. Sie erinnerten an den Verzehr von Hamburgern: Man hat zwar etwas gegessen, aber es stellt sich kein Sättigungsgefühl ein.

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