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Zum Tod von Larry Tesler : Kopieren und Einfügen

Larry Tesler, 1945 – 2020 Bild: Yahoo

Seine Entwicklung hat nicht nur die Programme zur Textverarbeitung grundlegend verändert, sondern auch deren Nutzung – und unsere Art zu schreiben: Zum Tod des visionären Informatikers Larry Tesler.

          2 Min.

          Manchmal sind es traurige Anlässe, die uns in Erinnerung rufen, dass die technischen Errungenschaften dieser Welt nicht etwa irgendwann von selbst auf den Markt gekommen sind, sondern in der Regel als Ergebnis kühner Vision und harter Arbeit. Geräte wie das Smartphone, Strukturen wie das Internet, Software zum Schreiben und Editieren von Texten, Betriebssysteme, Programmiersprachen, Platinen und Halbleiter haben ihre Geschichte. Auch Selbstverständlichkeiten beim Gebrauch von Computern wie die Anzeige verschiedener Fenster mit unterschiedlichen Inhalten und Funktionen oder der Doppelklick haben ihre Erfinder und Entwickler.

          Fridtjof Küchemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Und hinter dieser Geschichte stecken Menschen wie Larry Tesler. Der hat in den siebziger Jahren einen Arbeitsschritt in der Textverarbeitung maßgeblich entwickelt, der heute aus unserem Umgang mit Texten nicht mehr wegzudenken ist: das Kopieren und Einfügen zuvor markierter Zeichenfolgen.

          Geboren am 24. April 1945, studierte Lawrence Gordon Tesler von 1961 an in Stanford Informatik. Von 1973 an arbeitete er im Xerox Palo Alto Research Center (Parc) und veröffentlichte mit Timothy Mott dort 1975 ein Textverarbeitungsprogramm mit dem Namen Gypsy, das einige Neuerungen einführte, die heute Standard sind – eine blinkende Eingabemarkierung, die man mit der Maus an eine Stelle im Text plazieren konnte, um dann dort weiterzuschreiben, einen Doppelklick, um ein Wort zu markieren - sowie die Funktionen „Ausschneiden und Einfügen“ und „Kopieren und Einfügen“.

          Wir verdanken ihm viel

          Die unkomplizierte Möglichkeit, Texte umzugruppieren und von einem Zusammenhang in den anderen zu übertragen, hat nicht nur die entsprechende Software grundlegend verändert, sondern auch ihre Nutzung: Seit Larry Teslers Entwicklung schreiben wir unsere Briefe, Aufsätze, Artikel und Bücher nicht mehr von oben nach unten. Wir sortieren Texte beim Schreiben um, ändern die Anordnung von Absätzen - und nehmen uns mitunter leichtfertig die Freiheit, uns für den eigenen auch aus anderen, aus fremden Texten zu bedienen. Ohne Larry Teslers Entwicklung wären wissenschaftliche Plagiate wie auch deren Aufdeckung im heutigen Maß undenkbar.

          Gypsy ist für ein Tochterunternehmen von Xerox entwickelt worden. Es war Steve Jobs, der die Bedeutung seiner Ideen bei einem Besuch in Xerox Parc erkannt und für seine Apple-Computer übernommen hatte. Auch Tesler arbeitete von 1980 bis 1997 bei Apple - unter anderem an Newton, einem visionären Assistenzgerät mit Handschrift-Erkennung, das sich ob seiner Schwächen nicht durchsetzen konnte. Danach ging er unter anderem zu Amazon und Yahoo, bevor er sich als Berater selbständig machte. Larry Tesler starb, wie am Donnerstag bekanntwurde, am Montag im Alter von vierundsiebzig Jahren.

          Wir verdanken ihm viel.
          Wir verdanken ihm viel.
          Wir verdanken ihm viel.

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