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Kontaktbörse nur für Weiße : Die Mehrheit bleibt gerne unter sich

Trifft eine weiße Frau einen weißen Mann: Laut Kontaktbörsenbetreiber Sam Russell dürfen sich alle Menschen, egal welcher Hautfarbe, auf seiner Internetseite anmelden. Bild: Screenshot Wherewhitepeoplemeet.com

Ein amerikanischer Unternehmer betreibt eine Online-Partnervermittlung nur für Weiße. Den Vorwurf, er sei ein Rassist, weist er zurück. Wann wird aus einer Vorliebe Diskriminierung?

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          Wer über das Internet einen Partner finden will, muss sich gut verkaufen. Das weiß auch der Amerikaner Sam Russell, der sein Geld bisher damit verdiente, Autos zu veräußern und immer auf der Suche nach einer neuen Geschäftsideen ist. Da lag es seiner eigenen Aussage nach nahe, in das allein in den Vereinigten Staaten zwei Milliarden Dollar schwere Dating-Geschäft einzusteigen. Im Mai vergangenen Jahres kaufte er mit seiner Frau zusammen eine Internet-Domain und beschreibt sich seither als Liebes-Unternehmer.

          Mona Jaeger

          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten.

          So sieht sich Sam Russell gerne: als findiger Geschäftsmann, der einsamen Herzen hilft.

          Seine Kritiker sehen in ihm aber etwas ganz anderes: einen Rassisten. Denn die Dating-Seite trägt den Namen „Where white people meet“, also „Wo sich weiße Menschen treffen“. Der Vorwurf: Eine Online-Partnervermittlung, die sich explizit an weiße Menschen richte, lehne implizit schwarze Menschen ab. Die Aufregung in den Vereinigten Staaten ist vor allem groß, seitdem Sam Russell Anfang des Jahres südwestlich von Salt Lake City ein großes Werbeschild aufbauen ließ, auf dem ein Pärchen – natürlich mit weißer Hautfarbe – glücklich lächelt.

          Es gibt viele spezialisierte Dating-Seiten

          Sam Russell kann die Aufregung nicht so ganz nachvollziehen – obwohl sie ihm Recht sein dürfte, schließlich sind die Besuchszahlen seiner Internetseite seither stark gestiegen. Der „Washington Post“ sagte er, dass er überhaupt kein Rassist sei, er sei sogar einmal mit einer schwarzen Frau ausgegangen. Es gehe ihm um Chancengleichheit. Er halte es für heuchlerisch, einer Gruppe etwas zu erlauben, was einer anderen verboten sei.

          Tatsächlich gibt es für alle möglichen Gruppen spezielle Dating-Seiten, auch für Schwarze. Die nach eigener Aussage größte ist „Blackpeoplemeet.com“, die 2002 in den Vereinigten Staaten gegründet wurde. Beim virtuellen Kennenlernen geht es auch immer um Äußerlichkeiten, also auch um die Hautfarbe. Die kostenlose Kontaktbörse „OkCupid“ hat das einmal bei ihren Nutzern untersucht. Demnach bekommen weiße Männer die meisten Antworten von potentiellen Partnern. Frauen tendieren außerdem dazu, eher weißen als schwarzen Männern zu antworten. Wer sich bei einer Kontaktbörse anmeldet, gibt Präferenzen an: blonde oder braune Haare, groß oder klein. Aber wann wird eine Vorliebe zur Diskriminierung?

          Nur die Registrierung ist kostenlos

          Wer sich bei „Wherewhitepeoplemeet.com“ anmeldet, muss diese Angaben auch machen. Welche Hautfarbe er hat, wird nicht abgefragt. Es könnten sich schließlich alle Menschen mit jeder Hautfarbe auf seiner Seite anmelden, sagt Sam Russell. Aber warum braucht es dann überhaupt diese spezielle Kontaktbörse?

          Allzu liberal gibt sich das Dating-Portal sonst auch nicht: Zwar kann man einen Partner suchen, der 100 Jahre alt ist, einen gleichgeschlechtlichen aber nicht. Gibt man auf der Seite an, man sei ein Mann und suche nach einem Mann, wird das eigene Geschlecht automatisch in Frau geändert – und umgekehrt.

          Die Registrierung ist kostenlos, will man aber anderen Nutzern schreiben, muss man entweder 4 Dollar wöchentlich oder 69 Dollar für ein halbes Jahr bezahlen. Auf der Internetseite ist nachzulesen, dass sich bisher 3755 Personen angemeldet hätten. Wie viele davon zahlende Kunden sind, erfährt man nicht.

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