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Konstantin Neven DuMont geschasst : Er will doch nur Frieden

„Er hat doch gar nichts gemacht”: Konstantin Neven DuMont Bild: dpa

Interne Hängepartie, große öffentliche Posse, Trauerspiel: Der Streit im Hause DuMont Schauberg könnte bizarrer nicht sein. Damit, dass Konstantin Neven DuMont als Herausgeber abberufen wurde, ist die Geschichte für den Verlag noch nicht vorbei.

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          Im Blog von Stefan Niggemeier, dem Kolumnisten der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, gibt es einen Text, der Kommentare sonder Zahl versammelt. Seit dem 4. Januar dieses Jahres, da er ihn schrieb, sind mehr als 2400 Wortmeldungen eingegangen. Mit ihnen verbindet sich der Anfang vom Ende der Karriere des Konstantin Neven DuMont. Es hatte mit allerhand Kommentaren begonnen, die höchstwahrscheinlich aus seiner Feder stammen, angeblich aber von Unbefugten, die seinen Computer benutzten.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Was als Posse begann, endete am Montag damit, dass Konstantin Neven DuMont als Herausgeber des „Kölner Stadt-Anzeigers“, des „Express“ und der „Mitteldeutschen Zeitung“ abberufen wurde, bei der „Frankfurter Rundschau“ war er diese Position kurz zuvor losgeworden. Er äußere sich seit mehreren Wochen „in abträglicher und geschäftsschädigender Weise über das eigene Unternehmen in der Öffentlichkeit, einschließlich in Konkurrenzblättern“, schreibt der „Kölner Stadt-Anzeiger“. Der Schritt des Aufsichtsrats sei unausweichlich gewesen, um Schaden vom Verlag M. DuMont Schauberg abzuwenden.

          Da bleibt nichts anderes als der Rauswurf

          Seit Beginn der Blog-Affäre konnte man fassungslos, vielleicht auch amüsiert mit ansehen, wie sich Konstantin Neven DuMont um Kopf und Kragen redete. Bald ging es nicht mehr um abstruse Einträge bei Niggemeier, sondern um den Sohn, der verloren im Verlag umherirrt und öffentlich sein Erbe einklagt – die Nachfolge seines Vaters Alfred Neven DuMont. Der beruhigte die Belegschaft, verwies darauf, dass sich sein Sohn die Misere ganz allein eingebrockt habe und ging auf Tauchstation, in Urlaub auf Mallorca.

          Die Berichterstattung über den Verlag schlug derweil ganz selbstverständlich Kapriolen, weil niemandem verborgen bleiben konnte, dass es bei den DuMonts kracht. Worauf die Blätter des Verlags – der „Kölner Stadt-Anzeiger“ und der „Express“ – am Wochenende mit der abermals hilflos anmutenden Klage antworteten, dass Springer mit der „Bild“-Zeitung eine Kampagne gegen sie führe. Doch wenn jemand eine Kampagne führt, dann ist dies Konstantin Neven DuMont – mit Äußerungen in anderen Blättern, die diese bloß einzusammeln brauchen. Dass DuMont deshalb sogar den Presserat einschalten will – gegen Springer – ist ein Witz, der das Selbstkontrollorgan vor eine unlösbare Aufgabe stellen dürfte: DuMont prügelt Springer, meint aber Konstantin Neven DuMont, dem nicht Einhalt zu gebieten ist. Da bleibt nichts anderes als der Rauswurf, als nächstes dürfte er für seine Anteile am Verlag ausbezahlt werden.

          Und ein wenig Wahrheit

          Damit wäre die Geschichte für DuMont aber immer noch nicht erledigt. Denn der Verleger Alfred Neven DuMont, der inzwischen 83 Jahre alt ist, braucht einen Nachfolger. Dass er diesen in seinem Sohn nicht sah, machen dessen Äußerungen offenkundig. So wurde aus einer internen Hängepartie eine große öffentliche Posse, ein Trauerspiel. Beenden kann dieses niemand anderes als der alte Verleger, der ein Haus führt, das zuletzt durch die Zukäufe der „Frankfurter Rundschau“ und des Berliner Verlags zu einem der größten Zeitungsverlage im Land geworden ist und sich eine solche Führungskrise partout nicht leisten kann.

          Bei stefan-niggemeier.de laufen zu der Geschichte „Ein Sandkasten für Konstantin Neven DuMont“ immer noch Einträge von jemandem ein, der sich im Hause DuMont und in der Seelenlage des geschassten Herausgebers offenbar bestens auskennt. Sie sind rosa unterlegt. „Er hat doch gar nichts gemacht. Er will doch nur Frieden (und ein wenig Wahrheit),“ lautet einer.

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