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Nach Untersuchungsbericht : Bashir rechtfertigt Skandalinterview mit Diana

Das Interview mit Prinzessin Diana war für ihn ein großer Coup: Martin Bashir. Bild: AP

Der frühere BBC-Chef Tony Hall zieht Konsequenzen aus dem Bericht über das Skandalinterview mit Prinzessin Diana von 1995 und tritt als Kuratoriumschef der National Gallery ab. Der Reporter Martin Bashir indes ist sich keiner Schuld bewusst.

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          Nach dem Untersuchungsbericht über das Skandalinterview, das der BBC-Reporter Martin Bashir im November 1995 mit Prinzessin Diana geführt hatte, ist Tony Hall, damals Nachrichtenchef des Senders, von seinem jetzigen Posten als Vorsitzender des Kuratoriums der National Gallery in London zurückgetreten. Sein Verbleib im Amt würde von den Errungenschaften des renommierten Museums ablenken, „das mir so sehr am Herzen liegt“, sagte Hall. Er entschuldigte sich abermals für die damaligen „Ereignisse“. Hall war zuerst Nachrichtenchef, von 2013 an dann Senderchef der BBC. Den Vorsitz der National Gallery hatte er im Juli des vergangenen Jahres übernommen. Der Reporter Martin Bashir hingegen rechtfertigte sein Handeln in einem Zeitungsinterview.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Untersuchung der Umstände des Interviews mit Prinzessin Diana durch den früheren Richter am Obersten Gerichtshof, John Dyson, war zuvor zu dem für die BBC katastrophalen Ergebnis gekommen, dass Martin Bashir sich das Gespräch mit Prinzessin Diana mit Fälschungen erschlichen hatte. Er hatte Kontoauszüge gefälscht, um Diana den Eindruck zu vermitteln, Menschen aus ihrem Umkreis würden von der Presse und vom Geheimdienst dafür bezahlt, sie auszuhorchen. Zudem erzählte er ihr und ihrem Bruder Charles Spencer erfundene Geschichten über ein vermeintliches Komplott.

          Er trat als Kuratoriumsvorsitzender der National Gallery zurück: Tony Hall.
          Er trat als Kuratoriumsvorsitzender der National Gallery zurück: Tony Hall. : Bild: AFP

          Im April 1996 hatte es schon eine interne Untersuchung der BBC zu dem Interview gegeben, die Bashir jedoch von jeglichem Fehlverhalten freisprach. Tony Hall hatte der BBC-Führung damals in seiner Eigenschaft als Nachrichtenchef mitgeteilt, Bashir sei ein „ehrlicher und aufrichtiger Mann“. Lord Dyson kommt in seinem Bericht nun zu dem Ergebnis, die Prüfung von damals sei „fehlerhaft und beklagenswert ineffektiv“ gewesen. Mehr noch: Der BBC wirft Dyson „zynische Verschleierung“ vor. Als Leitlinie für Presseanfragen hatte die Senderführung seinerzeit die Einschätzung vorgegeben: „Wenn jemand nach Bashir fragt, lautet die offizielle Linie: ‚Das ist uninteressant‘.“ Erst jetzt räumte die BBC Fehler ein und entschuldigte sich.

          Harte Kritik hatten auch Prinz William und Prinz Harry namens des britischen Königshauses, Lord Grade, einst Vorsitzender der BBC, und die britische Regierung an der BBC geübt.

          Martin Bashir indes, der vor ein paar Tagen „aus gesundheitlichen Gründen“ bei der BBC ausschied, bestätigte die Einschätzung von Lord Dyson, dass er nicht in der Lage sei, das von ihm begangene Unrecht anzuerkennen. Bashirs Darstellung der Dinge sei „unglaubwürdig, unzuverlässig und in manchen Fällen unehrlich“, so Dyson. Bashir sei „unfähig, der offenkundigen Tatsache ins Auge zu sehen, dass er gegen das Gebot korrekten Handelns verstoßen hat“.

          „Ich wollte Diana in keiner Weise schaden“

          Der „Sunday Times“ sagte Bashir nun: „Ich wollte Diana in keiner Weise schaden, und ich glaube, das haben wir auch nicht getan.“ Alles, was man bei dem Interview unternommen habe, „war, wie sie es wollte: der Zeitpunkt, zu dem sie den Palast alarmieren wollte, der Zeitpunkt der Ausstrahlung, der Inhalt“. „Meine Familie und ich“, sagte Bashir, „liebten sie.“ Selbstverständlich bereue er, was er getan habe, sagte der Reporter. „Es war falsch. Aber es hatte keine Bedeutung für irgend etwas.“ Es habe keine Bedeutung für Diana und nicht für das Interview gehabt. Sie habe gesagt, was sie sagen wollte. In dem Interview hatte Diana über ihre zerrüttete Ehe mit Prinz Charles berichtet, auf dessen Beziehung zu Camilla Parker Bowles angespielt und den berühmten Satz gesagt: „Wir waren zu dritt in dieser Ehe, deswegen war es ein bisschen eng.“

          Dianas Bruder Charles Spencer, der die Wiederaufnahme der Untersuchung betrieben hatte, war von Bashir mit den gefälschten Kontoauszügen geködert worden, damit dieser Zugang zu Spencers Schwester erhielte. Charles Spencer ist, wie die Söhne Dianas, Prinz William und Harry, davon überzeugt, das Interview habe die Verfolgungsangst Dianas befördert.

          Es habe zur „Furcht, Paranoia und Isolation“ seiner Mutter beigetragen, sagte Prinz William. Harry gab sich überzeugt, dass Bashirs Interview letztlich mit zum tragischen Tod Dianas geführt habe. Sie kam am 31. August 1997 bei einem Autounfall in Paris ums Leben, nachdem das Fahrzeug, in dem sie und ihr Lebensgefährte Dodi Al-Fayed saßen, von Paparazzi verfolgt worden war.

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