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Jugendkanal von ARD und ZDF : Ü14-Party

Als wären die Segel gesetzt: Werbefahnen von ARD und ZDF über dem Messegelände am Berliner Funkturm Bild: Picture-Alliance

Der gemeinsame Jugendkanal von ARD und ZDF ist auf dem Weg - mit einem Budget, das Start-ups die Tränen in die Augen treibt. Beim ZDF glaubt man damit keine großen Sprünge machen zu können.

          Was macht man mit 45 Millionen Euro? Keine großen Sprünge. Jedenfalls wenn man beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist. Keine großen Sprünge - damit wird der ZDF-Chefredakteur Peter Frey zu dem neuen, gemeinsamen Jugendangebot von ARD und ZDF zitiert, das Mitte des kommenden Jahres an den Start gehen soll. Es hat zwar noch keinen Namen, aber ein Konzept, und die Zustimmung der Aufsichtsgremien hat es auch oder hat es in Aussicht.

          Der Rundfunkrat des für die ARD hier federführenden Südwestrundfunks hat am Donnerstag zugestimmt, der Fernsehrat des ZDF dürfte Ende des Monats folgen. Sie geben ihr Plazet zu einem Internetangebot, das im Netz für sich stehen, für die öffentlich-rechtlichen Sender aber auch eine Brücke zu Youtube und Facebook schlagen wird. Dort wird, wie für andere Medien und Pressehäuser auch, die Schlacht für die Sender geschlagen. Von denen man bei der Gelegenheit nur hofft, dass sie sich nicht wie manche Verlage beim „Instant Articles“-Programm von Facebook den Todeskuss verpassen lassen.

          Das haben sie sich selbst zuzuschreiben

          Angesichts ihrer finanziellen Absicherung sollten sie es ja auch nicht nötig haben, einem Online-Konzern durch den Rundfunkbeitrag finanzierte Inhalte hinterherzuwerfen. Welche das bei dem namenlosen Jugendkanal von ARD und ZDF sein werden - darauf darf man gespannt sein. Eine „kluge Mischung“ aus neuem und schon vorhandenem Programm müsse es sein, sagt Peter Frey (weil man mit 45 Millionen Euro ja angeblich gar nicht so viel machen kann). Es muss aber vor allem eine vielgestaltige Mischung sein. Denn ansprechen wollen die Sender ein Publikum im Alter zwischen vierzehn und neunundzwanzig Jahren.

          Teenager und junge und dann schon nicht mehr gar so junge Erwachsene unter einen Hut zu bringen, das ist ein recht ambitioniertes Unterfangen. Wir würden mal sagen: Für diese Zielgruppe braucht man sechzehn unterschiedliche Programme, die sie sich im Zweifel längst selbst zusammengestellt hat. Dass es mit dem Jugendkanal etwas länger gedauert hat und noch dauert als gedacht, haben sich ARD und ZDF selbst zuzuschreiben. Die Ministerpräsidenten haben ihnen ein erstes Konzept im vergangenen Jahr um die Ohren gehauen, weil sie darin nicht viel mehr als eine Absichtserklärung erkennen konnten.

          Fehlt nur ein Name

          Beim ZDF fand man das nicht ganz so tragisch. Das Zweite hat mit dem Spartenkanal ZDFneo nämlich längst einen eigenen Kanal für ein jüngeres Publikum aufgebaut und ist nicht wirklich scharf darauf, mit der ARD gemeinsame Sache zu machen. Unbeirrt aber focht der Intendant des Südwestrundfunks, Peter Boudgoust, für diese Angelegenheit. Er verfolgt den Plan mit derselben Beharrlichkeit, mit der er die fortwährende Kritik an der Zusammenlegung der beiden SWR-Orchester Stuttgart und Baden-Baden/Freiburg erträgt.

          Boudgoust hätte das neue Jugendangebot gern „trimedial“ gehabt, also in allen drei Sparten - Fernsehen, Radio, Internet. Als das nicht gelang, musste er sich erst einmal fassen, wie er jetzt zugab. Doch er darf versichert sein: Im Internet sind ARD und ZDF an der richtigen Adresse, wenn es ihnen um ein jüngeres Publikum geht. Und den nötigen Spielraum, Junge und Ältere gleichermaßen für sich zu gewinnen, sollte man den Sendern auch lassen.

          Es muss nicht so laufen wie vor einiger Zeit beim Bayerischen Rundfunk, wo das junge Radioprogramm „Puls“ gegen das traditionelle Angebot von BR-Klassik im Kampf um die UKW-Frequenz gegeneinander ausgespielt wurde. Und apropos „keine großen Sprünge“: Florian Hager, der Programmchef des neuen Kanals, legt in Mainz gleich mit sechzig Leuten los. 45 Millionen Euro, sechzig Leute - da kommen anderen Start-ups die Tränen. Fehlt nur ein Name. Auf „Jugend“ sollte man im Titel besser verzichten. Ü14? Klänge nach Altersfreigabe. Und bloß nix mit Mainzelmännchen! Ist ja kein gutes Omen, so ein No-name-Produkt. Würde man es nach seinem Mentor benennen, hieße es einfach nur: Boudgoust. Klingt eigentlich gar nicht schlecht.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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