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Kolumnistin verlässt Times : „Arbeit und Charakter öffentlich herabgewürdigt“

  • Aktualisiert am

Bari Weiss 2019 bei einer Diskussionsrunde in Texas Bild: Picture-Alliance

Nach dem Chef der Meinungsseite hat auch die Kolumnistin Bari Weiss die „New York Times“ verlassen. In einem offenen Brief erhebt sie schwere Vorwürfe gegen ihre Kollegen.

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          Die Kolumnistin Bari Weiss hat die „New York Times“ mit der Begründung verlassen, sie sei von Kollegen gemobbt worden. In einem am Dienstag veröffentlichten Brief beklagt die Redakteurin eine „antiliberale Stimmung“ bei der Zeitung. Weiss war Redakteurin im Meinungsressort. In einem Brief an den Herausgeber A. G. Sulzberger, den sie auf ihrer eigenen Website veröffentlichte, kritisiert sie Mitarbeiter und Führung. Die Arbeitsumgebung sei „feindselig“: Kollegen hätten sie beleidigt, „ihre Arbeit und ihren Charakter öffentlich herabgewürdigt“ und sie als Rassistin bezeichnet. „Ich verstehe nicht, wie Sie erlauben konnten, dass sich dieses Verhalten in Ihrem Unternehmen unter den Augen aller Mitarbeiter und der Öffentlichkeit ausbreitet“, schreibt Weiss an den Herausgeber.

          Weiss ist Jüdin. Sie arbeitete zuvor bei einem jüdischen Online-Kulturmagazin namens „Tablet“ und dem „Wall Street Journal“. 2018 schrieb sie über das Attentat in der Tree-of-Life-Synagoge in Pittsburgh. Ihr Buch „How to Fight Anti-Semitism“ gewann 2019 den National Jewish Book Award. 2017 kam sie zur „New York Times“ - nach Angaben der Zeitung als Teil der Bemühungen, das ideologische Spektrum der Kolumnenbeiträge nach der Vereidigung Donald Trumps als Präsident zu erweitern.

          Laut einem auf der Website der Zeitung veröffentlichten Text zu dem Vorfall war Weiss bekannt dafür, „Strömungen innerhalb der Bewegungen für soziale Gerechtigkeit zu hinterfragen“. So äußerte sie sich zum Beispiel kritisch über die Frauen, die ihre unangenehmen Begegnungen mit dem Comedian Aziz Ansari öffentlich machten und warf die Frage auf, ob Brett Kavanaugh wegen der Vorwürfe sexueller Belästigung auch in seiner Eignung zum Richter des Supreme Court disqualifiziert werden sollte. Immer wieder äußerte sie sich zu ihren politischen Positionen auf Twitter. Für einen Tweet, der nahelegte, die in Kalifornien geborene und für das olympische Team Amerikas antretende Eiskunstläuferin Mirai Nagasu sei Migrantin, wurde sie scharf kritisiert.

          „Bürgerkrieg zwischen Aufgeweckten und Liberalen“

          Weiss' Entscheidung war die Diskussion über den Gastbeitrag des republikanischen Senators Tom Cotton vorausgegangen, der nach einer militärischen Lösung für die Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in amerikanischen Städten verlangte. Der Titel lautete: „Schickt die Truppen“. Mehr als 1000 Mitarbeiter der Zeitung hatten einen Brief unterschrieben, um gegen die Veröffentlichung in der „New York Times“ zu protestieren. James Bennet, der als Chef der Meinungsseite die redaktionelle Verantwortung trug, trat daraufhin zurück. In einer Anmerkung zu dem Gastbeitrag steht nun: „Er erfüllte unsere Standards nicht und hätte nicht veröffentlicht werden dürfen.“

          Die Konfliktlage innerhalb der Zeitung beschrieb Weiss in einem Tweet als „Bürgerkrieg“ zwischen den „(zumeist jüngeren) Aufgeweckten“ („Wokes“) und den „(zumeist über 40-Jährigen) Liberalen“. Viele Mitarbeiter der Zeitung widersprachen dieser Darstellung vehement - auch auf Twitter. In ihrem Brief zu ihrer Entscheidung, die „New York Times“ zu verlassen, schrieb Weiss über die ideologisch aufgeladenen Debatten auf der Plattform für Kurznachrichten: „Twitter steht nicht im Impressum der „New York Times“. Aber es ist ihr Redakteur der letzten Instanz geworden.“ Sie drückt damit die Position von Kritikern aus, die in den - auch von Journalisten geführten - Diskussionen auf Twitter eine unangemessene Beeinflussung der Berichterstattung sehen.

          Eine Sprecherin der „Times“ sagte: „Wir haben uns dazu verpflichtet, eine Atmosphäre für ehrlichen und empathischen Dialog zwischen den Kollegen zu bestärken, wobei beidseitiger Respekt erwartet wird.“ Viele von Weiss‘ Meinungsbeiträgen seien von der Zeitung sehr geschätzt worden. Die „Times“ werde weiter dafür eintreten, Stimmen, Erfahrungen und Sichtweisen aus dem gesamten politischen Spektrum der Leser auf der Meinungsseite abzubilden.

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