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Anzeige gegen Rapper : Die Texte von Kollegah und Farid Bang wirken weiter

Kurz nachdem sie den Preis bekamen, war er weg, und das ist auch gut so: Kollegah und Farid Bang bei der Verleihung des „Echo“. Bild: dpa

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf prüft, ob die Lieder von Kollegah und Farid Bang volksverhetzend sind. Die Rapper wollen die KZ-Gedenkstätte in Auschwitz besuchen. Ihre Platten verkaufen sich unterdessen bestens.

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          Ist die Show vorbei für Kollegah und Farid Bang? Jetzt geht es auf den Rechtsweg: Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Volksverhetzung gegen die beiden Rapper, die in ihren Texten antisemitische Ressentiments bedienen, Gewalt feiern und Frauenverachtung zelebrieren, trotzdem mit einem „Echo“ ausgezeichnet wurden und diesen Musikpreis so ins Jenseits beförderten.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Der „Echo“ mag weg sein, die Musik des Duos ist es nicht, im Gegenteil. Nach dem Skandal um die Auszeichnung kletterte dessen Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“ in den Verkaufscharts nach oben. Wäre es deshalb besser gewesen, die Sache totzuschweigen nach dem Motto: Läuft sich schon tot, was da die Schulhöfe beschallt?

          Nein, sonst würden die Texte der Rapper – nicht nur ihres aktuellen Albums, sondern auch vorheriger Veröffentlichungen – nun nicht juristisch geprüft. Zwei Kläger haben Anzeige erstattet, einer von ihnen, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, ist ein jüdischer Bürger. Ganz gleich, wie die Sache ausgehen wird, jeder ist nun eingeladen, sich die Lyrics von Kollegah und Farid Bang, die im Internet leicht zu finden sind, durchzulesen und sich nach Paragraph 130 des Strafgesetzbuches zu fragen: Sind diese Songtexte geeignet, den öffentlichen Frieden zu stören? Stacheln sie auf zum Hass gegen bestimmte Teile der Bevölkerung, greifen sie die Menschenwürde an, fordern sie zu Gewalt oder Willkürmaßnahmen auf? Verharmlosen sie unter der Herrschaft der Nationalsozialisten begangene Verbrechen?

          Battle-Rap ist Pose, aber auch die Kunstfreiheit hat ihre Grenzen, und wo die Grenzen des öffentlich Tolerierten sind, hat der „Echo“-Eklat abseits der Frage nach dem Justitiablen aufgezeigt. Das wird bestehen bleiben, selbst wenn die Staatsanwaltschaft keine Anklage erhebt.

          Die Show der Rapper ist so oder so freilich noch lange nicht am Ende. Mag ihr Plattenlabel, dem man mehr unternehmerisches Kalkül als moralische Skrupel unterstellen muss, sie auch vorerst kaltgestellt haben, der nächste Auftritt ist schon anberaumt: Kollegah und Farid Bang wollen auf Einladung des Auschwitz-Komitees die Gedenkstätte in dem ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau besuchen. Sieht aus, als wollten sie sich neu definieren.

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