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Kritik im Netz : Empörte Reaktionen auf „Echo“-Verleihung

  • -Aktualisiert am

Trotz viel Kritik im Vorfeld wurden die Rapper Kollegah und Farid Bang mit einem Echo in der Kategorie „Hip Hop / Urban National“ ausgezeichnet. Bild: dpa

Trotz antisemitischer und frauenfeindlicher Texte haben Farid Bang und Kollegah einen Echo gewonnen. Die Reaktionen waren deutlich. Charlotte Knobloch, frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden, bezeichnete die Entscheidung als „verheerend“.

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          Die Tage vor der „Echo“-Verleihung in Berlin waren vor allem vom von Kritik an den Rappern Farid Bang und Kollegah und ihrem Song „0815“ geprägt. Mit der Textzeile „mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ hatten die beiden Künstler vor der Preisverleihung für Aufruhr gesorgt. Antisemitismus-Vorwürfe und Forderungen, die Echo-Nominierungen zurückzuziehen, waren laut geworden.

          Auch auf der gestrigen Verleihung waren die kontroversen Texte der Düsseldorfer Rapper Thema. Campino, Sänger der „Toten Hosen“, nutzte seine Dankesrede (seine Band wurde für ihr aktuelles Album „Laune der Natur“ ausgezeichnet), um Kritik an den beiden Rappern zu äußern. Er halte Provokation für gut und wichtig, für ihn sei aber „eine Grenze überschritten, wenn es um frauenverachtende, rechtsextreme, homophobe oder antisemitische Beleidigungen geht und auch um die Diskriminierung jeder anderen Religionsform.“ Aus dem Publikum gab es dazu Applaus und Standing Ovations.

          Wenig später wurden Farid Bang und Kollegah in der Kategorie „Hip Hop/Urban National“ mit einem Echo ausgezeichnet, reagierten während ihrer Rede allerdings nicht direkt auf die Kritik von Campino. „Ich möchte da jetzt keine politische Debatte daraus machen. Wem das Thema am Herzen liegt, der kann mich auf der Aftershowparty gerne darauf ansprechen“, so Kollegah.

          Heftige Kritik von jüdischer Glaubensgemeinschaft

          Im Internet waren die Reaktionen auf die Auszeichnung der Musiker gemischt. Die meisten Zuschauer äußerten sich empört darüber, dass Kollegah und Farid Bang trotz ihrer Songtexte mit einem Preis ausgezeichnet wurden, und stimmten Campino zu. Einige Fans sprangen den Rappern aber auch zur Seite und kritisierten Campino, dessen Band in der Vergangenheit doch bereits selbst mit provokanten Texten aufgefallen sei.

          Die Kritik vieler Nutzer im Internet richtete sich allerdings nicht nur gegen die Preisträger, sondern auch gegen die Organisatoren des „Echos“. Grund dafür war die Terminwahl. Farid Bang und Kollegah wurden am Tag ausgezeichnet, an dem in Israel „Jom HaShoah“ begangen wird, ein nationaler Feiertag zum Gedenken an die Opfer der Judenverfolgung vor und während des zweiten Weltkrieges.

          Vertreter der jüdischen Glaubensgemeinschaft hatten die Nominierung zuvor scharf kritisiert. Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden, wertete die Verleihung des Musikpreises an die beiden Rapper am Freitag als verheerendes Zeichen: „Geschichtsvergessene Geschmacklosigkeiten und Vorurteile sind keine Kunst, sie müssen konsequent aus dem öffentlichen Raum verbannt werden“, so Knobloch. „Wenn am jüdischen Holocaust-Gedenktag Rapper ausgezeichnet werden, die sich vorwerfen lassen müssen, bewusst mit antisemitischen Ressentiments zu spielen, darf sich niemand wundern, dass jüdische Menschen alltäglich Opfer von Diffamierung und Aggression werden.“

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