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Kachelmann gegen Springer : Gibt es eine Rekordstrafe gegen „Bild“?

Er prozessiert seit langem, jetzt will er Schmerzensgeld sehen: Jörg Kachelmann. Bild: dpa

Das Kölner Landgericht wird an diesem Mittwoch entscheiden, ob und wieviel Schmerzensgeld „Bild“ an den früheren Wettermoderator Jörg Kachelmann zahlen muss. Gefordert sind 2,25 Millionen Euro.

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          Das Kölner Landgericht wird an diesem Mittwoch eine mutmaßlich aufsehenerregende Entscheidung treffen. Verhandelt worden ist über die Frage, ob die Berichterstattung der „Bild“-Zeitung und von „Bild online“ über den Prozess gegen den früheren Wettermoderator Jörg Kachelmann zulässig war. Er war im Mai 2011 vom Vorwurf der Vergewaltigung vor dem Landgericht Mannheim freigesprochen worden. Seither ist er an bestimmte Medienhäuser mit massiven Schmerzensgeldforderung herangetreten.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Vom Burda-Verlag forderte er wegen Berichten in „Bunte“ und „Focus“ eine Million Euro, von Springer 2,25 Millionen Euro. Mit Burda hat sich Kachelmann im Frühjahr außergerichtlich geeinigt – auf welche Summe ist nicht bekannt. Mit Springer kam es zu keiner Einigung. Nun urteilt das Landgericht Köln.

          Mindestens 400.000 Euro?

          Dass Kachelmann und Springer nicht zu einer Einigung kamen, dürfte allein schon mit der in Rede stehenden Summe zu tun haben. Mindestens 400.000 Euro sind aufgerufen – schon das wäre ein Rekord für solche Fälle, den bislang das schwedische Königshaus hält, das vom Klambt-Verlag für mehr als achtzig mehr oder weniger erfundene Geschichten ebendiese Summe erstritt. Hinzu kommt, dass Springer einen Großteil der angegriffenen Berichterstattung, die sich über den gesamten Zeitraum des Kachelmann-Prozesses von dessen Festnahme im März 2010 bis zum Freispruch am 31. Mai 2011 erstreckte, für angemessen hält.

          Zunächst griff Kachelmanns Anwalt mehr als 150 Beiträge in Text und Bild an, die in der Zeitung und online erschienen waren. Das Gericht hat die Zahl der Stücke, über die geurteilt wird, auf etwas mehr als vierzig reduziert. Dass Kachelmann Schmerzensgeld bekommt, ließ der Richter im Laufe der Verhandlung schon durchblicken. Ob Springer in Revision geht, dürfte von der Höhe der Strafsumme abhängen und davon, ob sich die Entscheidung dezidiert auch auf Beiträge bezieht, die im Rahmen der Verdachtsberichterstattung als vertretbar erscheinen und als solche nicht juristisch angegriffen worden sind. Ein Punkt, auf den Kachelmann – der in der Zwischenzeit fleißig auf Twitter gegen Springer oder auch Alice Schwarzer wettert – in seiner Klage abhebt, ist die Kampagne, die er „Bild“ vorwirft. Dass die Causa Kachelmann gegen Springer vor dem Bundesgerichtshof landet, damit darf man wohl fest rechnen.

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